Kaliméra!- Der griechische Tag.

„I Kaliméra íne tou theóu“

Das Guten-Tag-Sagen kommt von Gott, sagen die Griechen und weisen damit unwillkürlich auf die große Bedeutung hin, die sie dem Grüßen beimessen. Und schon aus der Art der Grußmöglichkeiten kann man recht viel über die Mentalität des Volkes, aber auch über sein Brauchtum, erfahren.

Linus Tag 8, KalimeraDie Begrüßung wird fast immer von einem „Ti kánete / kánis?“ – Wie geht es Ihnen/dir? – begleitet. Kaliméra heißt in genauer Übersetzung „Guten Tag“, ist aber nur bis Mittag angebracht.

Wann ist in Griechenland aber Mittag?

Auf keinen Fall um 12 Uhr. Um diese Zeit wird höchstens in Spitälern und Altersheimen das Mittagessen serviert. Alle anderen essen zwischen 14 und 15 Uhr.

Dann folgt bis 17 Uhr die fast „heilige“ Zeit der Siesta, die hier „Mesimeri“(Mitte des Tages) heisst und bei der absolute Stille herrscht. Wenn in diesem Zeitraum das Telefon läutet oder jemand an die Türe klopft, ist es mit Sicherheit ein Ausländer. Täte ein Grieche so etwas, wäre das ein unverzeihlicher Fauxpas. Die Internationalisierung hat es zwar mit sich gebracht, dass viele Büros bis zum Nachmittag durcharbeiten, aber ich bin ganz sicher, dass in diesen beiden magischen Stunden nicht mit Volldampf geschafft wird. Denn man geht ja auch nicht vor Mitternacht schlafen.

Nach der Siesta kann man „Kalispéra“ – Guten Abend – wünschen, „Kaliníchta“ – Gute Nacht – ist, wie auch im Deutschen, eine Verabschiedung.

Ein allgemeingültiger Passe-par-tout-Gruß ist „Chérete“, es kann zu jeder Zeit und zu jedem gesagt werden und bedeutet ungefähr „Ich grüße“. Ein wenig komplizierter ist das mit dem beliebten „Jásou“, weil man sich hierbei auch die Höflichkeitsform „Jásas“ merken muss. „Jásou/Jásas“ bedeutet „zu deiner//Ihrer Gesundheit“. Vielen Griechen dient es auch als Trinkspruch.

Vor dem Essen wünscht man „Kalí Órexi!“ – Guten Appetit – und danach auch oft noch „Kalí Xónepsi“ – Gute Verdauung (!).

Am Montag wird unbedingt „Kalí Evdomáda“ – Gute Woche – gesagt, zu Monatsbeginn „Kaló Mína“ – Guten Monat. Die so Gegrüßten freuen sich immer sehr und sind dann überzeugt, dass ihnen in dieser Zeitspanne nichts Unangenehmes passieren kann.

Aber doppelt gemoppelt ist natürlich noch besser. Deshalb gibt es noch die Wünsche „Kaló Kalokéri“ – einen guten Sommer – und „Kaló Chimóna“ – einen guten Winter -, ein Wunsch, der schon nach dem Ende der Sommerferien, also meistens im August, wenn bestimmt noch zwei Monate Affenhitze bevorstehen, entboten wird.

Ein weiteres Kapitel aus dem Buch „Chaos ist ein griechisches Wort“ von Melitta Kessaris, erschienen im Larimar Verlag, mit kleinen Anmerkungen der renitenten Literaturredaktion….

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