Kleine krabbelnde Spinner auf Kreta: Pinienprozessionsspinner.

Da hat uns doch heute grade mal wieder eine Mail – quasi ein Hilferuf – diesmal aus dem Osten der Insel erreicht. Und da es sich da wirklich um eine ernst zu nehmende Warnung handelt, wollen wir die auch gerne mit Euch teilen – auf dass Ihr nicht in die selbe „Falle“ tappt und Euch vor Juckreiz und Atemnot gar nicht mehr retten könnt….

„Hallo Jörg,

Wir haben im Garten eine grosse Kiefer ca. 5-6m hoch. Daran haben sich letztes Jahr grosse Kokons gebildet. Nun fangen die Raupen zu tausenden zu schlüpfen an. Sie fressen den Baum kahl. Ich habe einige der Nester und Raupen mit bloßen Händen weggenommen und woanders hingebracht. Nach ca. einer halben Stunde fingen meine Hände an zu jucken. Es sticht und juckt an den ganzen Händen bis zu den Handgelenken und rund um den Hals. Nun muss ich ein Antiallergikum einnehmen.

Um andere zu warnen, wäre vielleicht ein Beitrag über die Raupen in den Nestern an den Bäumen interessant.
Viele Grüsse Bruno“

Das finden wir auch, von daher hier einige ZDF (Zahlen-Daten-Fakten) zum kretischen Krabbeltier.

Prozessionsspinner 2
Kretische Krabbeltiere

Wie man den Pinienprozessionsspinner erkennt

Der Pinienprozessionsspinner (Thaumetopoea pityocampa ) ist ein kleiner, nachtaktiver Falter aus der Familie der Zahnspinner (Notodontidae) und nah mit dem Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) verwandt. Die männlichen Pinienprozessionsspinner haben eine Flügelspannweite von 30 bis 35 Millimeter. Die Weibchen werden mit 33 bis 42 Millimeter Flügelspannweite etwas größer. Die Vorderflügel sind bläulich- bis bräunlich-weiß gefärbt und zeigen zwei dunkle Querbinden. Kurz vor der Verpuppung erreichen die Raupen von Thaumetopoea pityocampa eine Länge von rund fünf Zentimetern. Während die Rückenseite der Raupen dunkel gefärbt ist, ist ihre Bauchseite hell. Jedes Körpersegment der Raupen besitzt seitlich jeweils eine Atemöffnung (Stigma). Genau hier verläuft die scharfe Grenze zwischen der dunklen Rücken- und der hellen Bauchfärbung. Auf dem ganzen Körper stehen Büschel langer, weißer Haare. Auf dem Rücken zeigen die Raupen des Pinienprozessionsspinners zudem rötliche Borsten. Auf den ersten acht Segmenten des Hinterleibs liegen in der Rückenmitte die sog. Spiegelfelder, die dicht mit mikroskopisch kleinen Brennhaaren besetzt sind. Die Puppe von Thaumetopoea pityocampa ist rotbraun gefärbt und erreicht eine Länge von vierzehn Millimeter.

Pinienprozessionsspinner – Vorkommen und Lebensweise

Thaumetopoea pityocampa kommt vermutlich im gesamten Mittelmeergebiet vor. Das Verbreitungsgebiet dieser Schmetterlingsart reicht von Nordafrika, über Südeuropa, den Balkan und die Türkei bis an das Schwarze Meer. Im Mittelmeergebiet lebt der Pinienprozessionsspinner häufig in trockenen Pinien- und Kiefernwäldern in Küstennähe. An seiner nördlichen Verbreitungsgrenze, wie etwa in der Schweiz findet man Thaumetopoea pityocampa nur in warmen Regionen mit einem für diese wärmeliebende Art günstigen Mikroklima. Bevorzugt werden z. B. lichte Wälder an sonnigen Steilhängen oder Wälder auf ausgedehntem Schwemmland in Flusstälern wie etwa entlang der Rhone. Auch in Gärten und Parkanlagen ist der Pinienprozessionsspinner häufig zu finden. Hier können auch fremdländische Kiefernarten wie die Himalayazeder (Cedrus deodera) befallen werden. Im Mittelmeerraum entwickeln sich die Raupen an Pinie (Pinus pinea), Aleppo Kiefer (Pinus halepensis), Schwarzkiefer (Pinus nigra) oder See Kiefer (Pinus pinaster). Im Norden seines Vorkommensgebietes, wie z. B. in der Schweiz, findet man die Larven von Thaumetopoea pityocampa meist an Waldkiefer (Pinus sylvestris), Schwarzkiefer (Pinus nigra) oder auch Lärche (Larix decidua). Gefressen werden dabei jeweils die Nadeln der Kiefern.

Kurz nach dem Schlupf paaren sich die Tiere und die Weibchen legen ein einzelnes Gelege mit 250 bis 350 Eiern in der Kronregion der Kiefern ab. Wie beim Eichenprozessionsspinner werden auch beim Pinienprozessionsspinner die Eigelege mit Afterschuppen und einem speziellen Sekret getarnt. Die einzelnen Eier sind mehr oder weniger kugelförmig, grauweiß gefärbt und weisen einen Durchmesser von einem Millimeter auf. Die Larven von Thaumetopoea pityocampa schlüpfen ab Ende August und beginnen sofort mit der Nahrungsaufnahme. Bis zur Überwinterung häuten sie sich noch zwei- bis dreimal. Die Raupen leben gesellig und stellen Gespinstnester her, die einen Durchmesser von 10 bis 15 Zentimeter haben. Diese Gespinstnester enthalten große Mengen an Larvenhäuten und Kot und hängen in den kahlgefressenen Zweigen von Pinien oder Kiefern. Am Tag ziehen sich die Raupen des Pinienprozessionsspinners in diese Gespinstnester zurück. In der Nacht verlassen sie ihr Versteck um auf Nahrungssuche zu gehen. Auch zur Überwinterung suchen die Raupen diese Gespinstnester auf. Bei der Überwinterung sind die Raupen zwischen 20 und 25 Millimeter lang und befinden sich im dritten oder vierten Larvalstadium. Je nach Witterung verlassen die Raupen ihr Winterversteck Ende März oder Anfang April. Anschließend häuten sich die Tiere noch ein oder zweimal um sich Ende Mai zu verpuppen. Zu dieser Zeit verlassen die Raupen ihren Wirtsbaum in einem langen, prozessionsförmigen Zug, der zwischen einem halben und zehn Meter lang werden kann. Die Verpuppung findet im Boden statt. Hierzu stellt jede Raupe einen eigenen Kokon her.

Pinienprozessionsspinner und ihre Schadwirkung

Der Pinienprozessionsspinner ist zum einen ein Forstschädling, der bei einem massenhaften Auftreten für einen Kahlfraß an verschiedenen Kiefernarten sorgen kann. Zum anderen gilt Thaumetopoea pityocampa aber auch als Gesundheitsschädling, da die Brennhaare der Larven zu Haut-, Augen- und Atemwegsreizungen führen können. Die Brennhaare werden bei den Raupen des Pinienprozessionsspinners erst ab dem dritten Larvalstadium ausgebildet, die Brennhaare weren zwischen 93 und 415 µm lang und 3 bis 6 µm dick. Sie können durch Wind verfrachtet werden und bohren sich sehr leicht in die Haut ein. Dringen die Brennhaare des Pinienprozessionsspinners in die Haut ein, so können sie sowohl eine Nesselsucht (Urticaria) als auch eine Hautentzündung (Dermatitis) auslösen. Die betroffenen Personen leiden unter lokalen Hautausschlägen mit Hautrötung, Schwellungen, Juckreiz und Quaddelbildung am ganzen Körper. Besonders häufig treten diese Symptome zwischen den Fingern, in der Ellenbogenbeuge und den Achselhöhlen auf. Falls die Brennhaare eingeatmet werden, können Mund- und Nasenschleimhaut gereizt werden. Die Folge können Husten, Bronchitis und Asthma sein. Gelangen die Brennhaare des Pinienprozessionsspinners in das Auge, so können sie eine langwierige und mitunter sogar eitrige Bindehautentzündung (Conjunctivitis) verursachen. Besonders problematisch ist, dass die Brennhaare die beschriebenen Symptome auch noch nach Jahren auslösen können, wie mit zwölf Jahre alten Brennhaaren von Thaumetopoea pityocampa experimentell bewiesen wurde. Dies bedeutet, dass auch von Gespinstnestern, die bereits mehrere Jahre alt sind immer noch eine beträchtliche Gesundheitsgefahr ausgeht.

Prozessionsspinner 3

Die Bekämpfung der Pinienprozessionsspinner 

Bei der Bekämpfung des Pinienprozessionsspinners mit Pflanzenschutzmitteln gelten die gleichen Hinweise, die für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners gegeben wurden. Die aus gesundheitlicher Sicht besonders gefährlichen Gespinstnester der Raupen müssen mechanisch entfernt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass neben spezieller Schutzkleidung  aus o.g. Gründen auch eine Atemschutzmaske verwendet werden muss. Um die ganz ähnlichen Gespinstnester des Eichenprozessionsspinners zu beseitigen, hat sich der Einsatz von speziellen Industriestaubsaugern bewährt. Auch das Einsprühen der Gespinstnester mit einem Bindemittel wie Wasserglas (*) ist bei der Beseitigung der Eichenprozessionsspinner-Nester eine gängige Methode.

Radio Kreta wünscht allergiefreie Zeit im Grünen.

(*) Als „Wasserglas“ werden aus einer Schmelze erstarrte, glasartige, also amorphe, wasserlösliche Natrium-, Kalium- und Lithiumsilicate oder ihre wässrigen Lösungen bezeichnet. Je nachdem, ob überwiegend Natrium-, Kalium- oder Lithiumsilicate enthalten sind, spricht man von Natronwasserglas, Kaliwasserglas oder Lithiumwasserglas. Die Trocknung einer wässrigen Lösung von Wasserglas beginnt mit der Verdunstung von Wasser und wird gefolgt von der Ausbildung wasserunlöslicher Kieselsäure (Verkieselung). Nach dieser Verkieselung ist Wasserglas irreversibel.


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Aber es gibt auch zwar laute, aber vollkommen unschädliche Insekten auf Kreta: diese verflixten Zikaden.

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