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Krach auf Kreta – Verflixte, faszinierende Zikaden….

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Zikaden auf Kreta

Meine Güte, da könnte alles so schön ruhig bei uns auf’m Berg sein, wenn der Hahn von nebenan seine Weckversuche täglich kläglich scheiternd wieder aufgegeben hat – und dann das! Ein Lärm! Frechheit! Überall in den Bäumen sitzen diese wenigen Zentimeter kleinen Flügelflitzer und machen einen schier ohrenbetäubenden Krach – von morgens bis weit in die Dämmerung hinein. Dann übernehmen die nachtaktiven Grillen… hmpf.

Da stellt sich nur die Frage: was zirpt da eigentlich? Singen die, flattern die mit ihren Flügeln oder pupsen sie gar? Wikipedia klärt mal wieder auf – vielleicht ist das ja für den einen oder anderen von Euch auch interessant. Die komplette Info zu Zikaden findet Ihr hier, den von uns teils „bereicherten“, teils „abgespeckten“ Auszug bezüglich der Geräusche, wie immer hier auf Radio Kreta: Dass die Gesänge hauptsächlich von den Männchen ausgehen, war schon den alten Griechen bekannt und verleitete den griechischen Dichter Xenarchos zu dem Ausspruch: „Glücklich leben die Zikaden, denn sie haben stumme Weiber“.

Der typische Gesang der Singzikaden, der manchen aus einem Urlaub am Mittelmeer bekannt ist, ähnelt jenem von Heuschrecken oder Grillen. Alle Zikadenarten geben Schall- bzw. Erschütterungswellen zur Kommunikation von sich, die Mehrzahl der Vertreter der Cicadidae ist auch in der Lage, für Menschen hörbare Laute zu produzieren. Der Gesang der Männchen dient vor allem der Anlockung der Weibchen, er wird jedoch auch zur Festsetzung von Reviergrenzen eingesetzt. Es sind ferner Protest- und Alarmlaute bei Berührung bekannt. Es ist noch nicht geklärt, warum die Männchen tagsüber oder in der Dämmerung fast ununterbrochen singen.

Manche untermalen ihren Gesang noch zusätzlich mit Flügelklick-Signalen. Die Weibchen sind meist stumm. Bei einigen Arten sind sie allerdings in der Lage, ein kurzes klickartiges „Ja“ zu bekunden, das durch spezielle Flügelschläge entsteht. Die meisten Arten produzieren Laute im für den Menschen deutlich hörbaren Bereich. Manche Arten dagegen erzeugen einen Frequenzbereich an der oberen Hörgrenze eines jungen gesunden Menschen. Die Gesänge sind artspezifisch und lassen sich anhand von Oszillogrammen und Sonagrammen beschreiben. Sie können zur Arterkennung herangezogen werden Schon seit Jahrtausenden sind Zikaden, und besonders die Singzikaden, ein Bestandteil der Mythologie, Kunst und Folklore.

Ihre besondere Bedeutung ergibt sich vor allem aus ihrem Gesang, ihrer außergewöhnlichen Lebensweise, ihrer Allgegenwärtigkeit, ihrer Größe und ihrer Schönheit. Singzikaden bildeten in verschiedenen Völkern die Grundlage für zahlreiche Legenden und Mythen: Aristoteles (384-322 v. Chr.) beschrieb bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. zumindest in Grundzügen die Lebensweise der Singzikaden. Man glaubte damals in Griechenland, dass die erwachsenen Zikaden keine Nahrung zu sich nehmen würden. In Griechenland sind erste plastische Darstellungen der Tiere bereits aus prähistorischer Zeit bekannt. In Gräbern der Stadt Mykene (2000 v. Chr.) fand man die Modelle von flügellosen Insekten, die als Zikadenlarven interpretiert werden. Die Grabbeigaben deuten auf die Bedeutung der Zikaden als Symbole für Unsterblichkeit und ein langes Leben hin. Singzikaden sind jedoch als Metaphern für die Sangeskunst, Eloquenz (Musen) und die Unsterblichkeit noch viel tiefer in der Vorstellungswelt der Griechen verwurzelt gewesen.

Nach einem Text des Philosophen Platon (429-347 v. Chr.), dem „Phaidros“, geht man davon aus, dass Zikaden als Botschafter der Musen gleichbedeutend zu „entkörperlichten Seelen“ aufgefasst wurden. Sie sollen sich von den physischen Bedürfnissen (=Abstreifen der Larvenhaut) befreit haben und damit eine höhere Ebene der Erkenntnis erreicht haben. Damit wurden Zikaden offenbar als ein „Modell der menschlichen“ Seele angesehen. Singzikaden und ihre Gesänge werden bereits in den frühesten schriftlichen Werken, der „Ilias“ von Homer (800 v. Chr.) erwähnt. Die Aspekte der griechischen „Zikaden-Mythologie“ sind in dem Gedicht „An die Zikade“ von Anakreon verarbeitet. Es handelt sich um eine wahrscheinlich aus dem 5. Jhdt. n.Chr. stammende Hymne an die „gottgleichen“ Singzikaden. Das Gedicht erfreute sich auch in späterer Zeit großer Beliebtheit. Es wurde beispielsweise von Thomas Moore und Johann Wolfgang von Goethe übersetzt.

Paleokastro bei Heraklion. Zikadenfreier Badestrand. Nur der Lärm von der Autobahn stört ein wenig. Dafür spendet sie aber kühlen Schatten.

Erwähnt werden im deutschsprachigen Raum die Zikaden in den Gedichten von Heinrich Heine „Die Libelle“ („…Und mit der Cikade, der Künstlerinn…“) oder in Karl Leberechts Epos „Tulifäntchen“. Wenig freundlich geht Eugen Roth in seinem Gedicht „Die Zikaden“ um: „Es lobe hoch Anakreon/ Das Flöten der Zikaden schon./ Doch leicht wird´s einem nachts zuviel: O unglückseliges Flötenspiel! “ Die wohl bekannteste Fabel geht auf den griechischen Fabeldichter Äsop (600 v. Chr.) zurück. Sie wurde von Sebastian Brant im Jahr 1501 in der Version „De formica et cicada“ herausgebracht und von dem Franzosen La Fontaine (1621-1695) 1668 in Versform mit dem Titel „La Cigale et la Fourmi“ gebracht. Beide Autoren sprechen ausdrücklich von einer Zikade, während in deutschen und englischen Übersetzungen späterer Autoren Bezeichnungen wie „Heuschrecke“, „Grille“ oder „grasshopper“ verwendet werden.

Der auffällige Gesang der Insekten legt nahe, dass sie auch in der Musik eine größere Rolle spielen. Dennoch sind nur relativ wenige Musikstücke bekannt, die Zikaden zum als Motiv haben. Der schweizer Komponist Ulrich Gasser verfasste 1989 das Stück „Die singenden Zikaden“ für Flöte und drei Klangsteine. Wassili Leps setzte eine Zikaden-Drama „Yo-Nennen“ in Form einer Kantate. Aufbauend auf ein Gedicht des Griechen Anakreon „An die Zikade“ (siehe oben) komponierte der deutsche Komponist Harald Genzmer (geb. 1909) das gleichnamige Stück.

Auch in die moderne Folks-, Pop- und Unterhaltungsmusik haben Zikaden Einzug gehalten. Melancholisch besingt beispielsweise Linda Ronstadt in ihrem Song „La Cigarra“ die Zikaden und spielt damit auf deren kurzes Leben an.

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3 Kommentare

  1. Eigentlich freue ich mich schon darauf – auf den „Singsang“ .Es gehört doch dazu , ob morgens um 6 Uhr (da gehe ich dann wieder runter zum Meer), oder abends, wenn man auf der Terrasse sitzt.

  2. Hallo, Radio Kreta, mich fasziniert an diesen „Sommersängern“, wie meine kretische Freundin Stella sie nennt, vor allem eins; warum deren Gesang – um nicht Radau zu sagen – zwischendurch innerhalb von Sekunden schlagartig abrupt verstummt, um dann einige Zeit später ebenso unvermittelt wieder in voller Dröhnung einzusetzen. Ich glaube, ich verbringe im sommerlichen Kreta-Urlaub täglich fast eine Stunde mit der Überlegung, was es damit auf sich hat. Im Internet hab ich auch noch nichts darüber gefunden, darum ganz herzlichen Dank für diesen interessanten Beitrag.

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