Kreta: Beschützt von der Natur und zerstört vom Tourismus?

Von Ares Kalandides

Dimitris Mavrakis verlässt seine Küche nur für ein paar Minuten, das Gesicht mit Mehl gepudert, um ein herzliches Hallo zu sagen und ein wenig über die Krise zu reden. „Was sagen die Deutschen über uns?“, ist die erste Sache, die er fragt. Zusammen mit seiner Frau Maria haben sie seit 5 Jahren das Restaurant Kritamon auf Kreta. Und sie sind abhängig von Touristen, um zu überleben. „Wir haben zwar unsere Stammgäste, aber im Allgemeinen kommen die Einheimischen nicht sehr oft“, erklärt Dimitris. „Wir bieten hausgemachte Speisen, eine zeitgenössische Version dessen, was unsere Mütter und Großmütter verwendeten, um zu kochen. Wenn die Leute hier bei uns essen, möchten sie etwas Besonderes, nicht die Art der Nahrung, die sie traditionell zu Hause machen „. Das Kritamon ist wahrscheinlich eines der besten Restaurants auf Kreta, in der kleinen Stadt Archanes gelegen, ca. 15 Minuten von der Hauptstadt der Insel, Heraklion, inmitten eines großen Tales von Weinbergen.

Das schöne Dorf Archanes

Im Westen steht der „Youchtas“, der heilige Berg des Kreta, wo von einem Menschenopfer Überreste gefunden wurden, wahrscheinlich aus den letzten Tagen des verheerenden Erdbeben, das die minoische Zivilisation beendete. Für Dimitris ist der Youchtas der Berg, wo er auf wilde Kräuter und Salate („nur bis April, danach ist alles trocken ist“) für seine Küche sammeln geht. Rund um den grünen Platz von Archanes sind die typischen Kafenion und einige Tavernen versammelt, die so typisch sind für jeden griechischen Dorf. Die Edelsteine ​​von Archanes sind das das archäologische Museum, die alte Ölpresse und in einem der seitlichen Strassen Marias und Dimitri „Kritamon“.

Gut Essen und Trinken

Kretische Küche gilt als eine der gesündesten der Welt. Basierend auf ausgezeichnetes Olivenöl und alles, was das gesegnete Land zu bieten hat, ist es von großer Vielfalt und Vielseitigkeit. Das macht es noch schockierender, dass die Tavernen in Iraklion alle werben für „Moussaka“ und „Gyros“. Keiner von ihnen hat mehr lokale Spezialitäten. „Moussaka und Gyros“ haben sich bei den Touristen als typisch griechisch eingeprägt. In den meisten Orten gehen die Griechen den einfachen Weg: Wenn Touristen Gyros (eine ziemlich ekelhafte Gebräu von schlechter Qualität Fleisch) wollen, dann bekommen sie Gyros. Die Chancen stehen gut, dass sie nicht einmal die Chance haben, Schnecken zu versuchen. Die authentische Küche ist auf Kreta in den Touristen-Hochburgen schwer zu finden.

Dimiris backt und kocht

Ein Besuch in den touristischen Gebieten von Nord-Kreta (Chersonissos oder Malia) mit den Horden von betrunkenen, Sonnenbrand und sexbesessenen nordeuropäischen Jugendlichen im Sommer ist genug, um viele Besucher abzuschrecken von Kreta für immer. Doch seit Jahren wurde das Tourismus-Marketing für Griechenland auf Stereotypen genau dieser Art Massen-Tourismus ausgerichtet.

„Im Jahr 2012 gibt es einen Rückgang im Tourismus zwischen 40% -80% je nach Gebiet“, sagt Dimitris, während er großzügig seine eigenen hausgemachten Likör einschenkt. „Tsikoudia“ mit einem Mix aus wilden Kräutern und Zitronen. „Auf der einen Seite ist es die griechische politische Instabilität, aber das kann nicht alles sein.“ Die Wahrheit ist, dass der Tourismus in Griechenland zurück geht in den letzten Jahren (mit einer Ausnahme im Jahr 2011, die als Nebeneffekt des arabischen Frühling interpretiert wurde). Es scheint, dass Touristen müde sind von Griechenland oder dass sie sich ähnliche (oder bessere) Dienstleistungen zu wettbewerbsfähigen Preisen an anderer Stelle zu finden.

Das Kritamon

„Dies ist nicht unbedingt eine schlechte Sache. Eine ökonomische Analyse zeigt die wahren Zahlen des Tourismus.  Es ist nicht genug, auf die Zahlen der Übernachtungen oder der Ankünfte am Flughafen zu schauen. Wieviel bleibt in den Händen (oder Taschen) der internationalen Reiseveranstalter und wieviel bleibt den Einheimischen noch übrig? Wie hoch sind die Infrastrukturkosten der Kommunen für den Tourismus? Gibt es eine Konkurrenz zwischen Tourismus und anderen wirtschaftlichen Tätigkeiten, z. B. wenn beide Tourismus und Landwirtschaft über die gleichen begrenzten Ressourcen wie Wasser kämpfen? Lassen Sie uns einmal darüber reden, über die kulturellen Auswirkungen auf die lokalen Gemeinschaften.

Ich spreche hier nicht gegen den Tourismus. Ich möchte meine Gedanken mit Ihnen teilen, wie wir vom Tourismus profitieren können, wie wir Orte und Kultur neu vermarkten wollen. Welche Form von Tourismus wir wollen und brauchen. Kretas ist für mich ein hervorragendes Beispiel dafür, wie parallele Universen existieren können so nahe beieinander. Auf der einen Seite die Touristenorte im Norden und auf der anderen Seite Dimitris „Kritamon“ in Archanes.

Ich bin offen für Ihre Ideen …“

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3 Kommentare

  1. Die Hochburgen des Tourismus, die so exessiv im Sommer belagert werden sind entsetzlich. Es ist auch schlimm, dass der Trend zu Mc Donald, Gyros etc. tendiert…. Ich würde mir auch mehr von den Touristen wünschen, dass sie die Wertigkeit des Landes schätzen zu lernen, als dass sie darüber herfallen, wie eine Invasion Termiten und ebenso wieder von dannen ziehen, sonnenverbrannt und einen schlechten Eindruck hinterlassend….Ich denke aber, dass diese Art des Tourismus nicht nur in griechenland zu finden ist, sondern ebenso in italien, spanien (ich denke nur an Mallorca) und sonstwo auf der Welt. Nach dem Motto *Man müsse ja dem Touristen dankbar sein, dass er in dem Land seinen Urlaub verbringt*. Jeder hat natürlich auch eine andere Vorstellung davon, wie er seine kostbarste Zeit des Jahres verbringen möchte. Ich gehöre zu denen, die es spanned finden über Land und Leute so viel wie möglich zu erfahren…Natur, Kultur, Essen ….und ich weiss sehr wohl vom Umherfahren mit dem Auto, dass nicht alles so glänzt und wohlhabend ist, wie an den Stränden Kretas, wo die Hotels stehen. Ich wünschte mir von den Touristen mehr Verständnis, denn die Einheimischen geben ihr Bestes, haben das Herz am rechten Fleck. Ich hoffe sehr, dass sich eines Tages, auch mit Hilfe der Touristen, alles zum Guten wendet……Es kann jedenfalls nicht die eine Seite – der Tourist – alles nehmen und die andere Seite – der Gastgeber – alles geben…..

  2. Ja, ich finde es auch schrecklich, dass z.B in Malia dieser Sauftourismus
    stattfindet.
    Ich war ausserhalb von Malia untergebracht und habe kein Verständnis dafür, dass
    der Bürgermeister sowas zulässt, oder wer auch immer dafür verantwortlich ist.
    Auch diese All In Schuppen waren doch früher auf Kreta undenkbar.

    Den Einheimischen auf Kreta bleibt nur dann genug übrig, wenn die Touris auf dieses
    schreckliche All In verzichten und begreifen, dass ihnen alles entgeht, wenn sie nur
    den ganzen Tag billigen Fusel in sich reinschütten und am Buffet Schlange stehen
    und sich dann auch noch beschweren, dass es nur Plastikbecher gibt und das Essen nicht abwechslungsreich genug ist….tsssss……

    Mein Mann und ich fahren im Juni das 4.Mal nach Kreta und wir lieben es, etwas zu unternehmen, sonst immer mit dem Leihauto, welches wir für mehrere Tage mieteten.
    Diesmal ist unser Budget kurzfristig kleiner ausgefallen, trotzdem haben wir nur mit Frühstück gebucht, diesmal ein Luxus, das aber auch nur, weil es zufällig mit im Preis war.
    Wir liegen zentral, in Kokkini Hani, wollten eigentlich mehr in den Süden, aber was solls, der Preis musste stimmen und der Vorteil ist eben, dass wir mit dem öffentlichen Bus so einiges unternehmen können.

    Wir werden verschiedene Städte und Dörfer finden und besuchen, die wir noch nicht kennen, also unser Geld sei euch gewiss, liebe Kreter.
    Die Nähe zu den Eimheimischen geniessen, das ist das, was uns gefällt, sonst kann ich auch gleich in Deutschland bleiben.
    Und wieder in verschiedenen Kafenions und Tavernen essen.

    Kokkini Hani ist auch sehr touristisch angehaucht, oder?
    Wir lassen uns überraschen.

    Wir wünschen den Kretern jedenfalls alles Gute für diese Saison.

  3. Ich war gerade für eine Woche auf Kreta – und zwar ohne Pauschalreise.

    Als ich vor 13 Jahren zum ersten Mal nach Kreta gekommen bin, war es Liebe auf den ersten Blick. Ich habe Freunde, die auf der Akrotiri bei Chania wohnen, weshalb ich auch immer in Chania wohne. Von Deutschland aus buche ich nur den Flug und in den letzten Jahren auch ein Auto bei Autoway in Rethymnon, das mich am Flughafen erwartet.

    Vor 4 Jahren habe ich dann noch bei Theo im Hotel Alexis eine Unterkunft mit Familienanschluss und tollem Restraurant gefunden. Bei Theo übernachten Gäste aus der ganzen Welt und ich finde das sehr anregend. Man spricht dort übrigens nicht deutsch!

    Ich habe in diesen Jahren Westkreta ganz gut kennen gelernt und Fahrten in die Berge sind mein absolutes Highlight. Dazu gehört auch immer ein schönes Essen in einer Taverne. Ich liebe Paleochora, Sougia, Falassarna, Omalos usw. usw……..

    Kreta kenne ich nur von dieser Seite und mit Sauftourismus und Gyros hatte ich noch nie Kontakt – Gott sei Dank! Das ist für mich Kreta.

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