Kreta im Frühling – Natur pur.

In der saftig grünen kretischen Landschaft dominieren jetzt die Farben Gelb und Weiß. Ginster und Stinkstrauch stehen in voller Blüte, der Sauerklee bedeckt noch immer die Böden der Olivenplantagen, wird jedoch inzwischen vom Senf, Crepis (auch als „Pippau“ bekannt) und dem Brandkraut im „um-die-Wette-blühen“ unterstützt.

Am Wegesrand blühen Gänseblümchen, Ringelblumen und Kamille, die ersten Wucherblumen recken ihre weiß-gelben Köpfe der Sonne entgegen. Dazwischen sind schon vereinzelte rote und violette Punkte zu sehen, die ersten Anemonen und Mohnblumen zeigen sich. Weniger auffällig sind die vielen Orchideen, die im Hinterland auf den Wiesen erblühen.

Blumenwiese Fruehling
Kretische Blumenwiese im Frühling (Bild: Uta Wagner)

Fährt man etwas landeinwärts auf kleineren Straßen in die Berge, muss man hinter jeder Kurve mit kleinen Zicklein und Lämmern rechnen, die munter neben ihrer Familie über die Straße springen und keine Ahnung davon haben, dass in knapp 2 Wochen Ostern ist….

Zicklein – vor Ostern noch putzmunter.

Das kretische Frühlingswetter

Das Wetter ist in diesem Jahr – gelinde gesagt – eher kapriziös. Gewitter mit heftigem Blitz, Donner, Hagel und Starkregen wechseln sich mit windstillen, sonnigen Tagen ab, an denen die Temperaturen auch schon mal weit über 20°C im Schatten gestiegen sind. Wenn nur der Scirocco nicht wäre! Der „beglückt“ uns im diesjährigen März nämlich relativ häufig. Schön und angenehm ist, dass er uns warme Luft aus Afrika bringt.

Fies und unangenehm ist jedoch, dass der Scirocco in diesem Jahr dermaßen heftig und unkontrolliert bläst, dass er auch jede Menge Sahara-Staub mitbringt, der unser schwarzes Auto doch gerne mal in Nullkommanix rötlich-beige einfärbt. Und dummerweise nicht nur den „normalen“ Saharasand transportiert, sondern auch gesundheitsschädlichen Feinstaub im Gepäck hat. Wetterkapriolen halt.

Hier auf Kreta dauert der Übergang vom Winter in den Sommer – also der Frühling – ja meist nicht sehr lange, da die Temperaturen recht schnell auf sommerliches Niveau steigen und wir schon des öfteren Ostern bei geschmeidigen 30°C gefeiert haben. Die Sonne steht allerdings noch relativ tief und so ist Vorsicht geboten, denn sie werden der weißen Winterhaut schnell gefährlich – Sonnenbrandgefahr im März, das hat man auch nicht überall!

Der März ist ein wunderbarer Monat zum Wandern und Fahrradfahren – für Bergtouren mit dem Fahrrad bietet sich ein E-Bike besonders gut an, denn dann ist die „bergauf-Tour“ quasi ein Spaziergang auf zwei Rädern. Beim Wandern in Schluchten, durch die Flüssen rauschen, ist allerdings höchste Vorsicht geboten, da einige Flüsse ob der letzten heftigen Regenfälle viel Wasser führen, das mit ordentlich Verve und Kraft in Richtung Meer donnert. 

Die Saison beginnt – für Touristen und für heimisches Obst und Gemüse

Und mittlerweile trudeln auch die ersten Touristen auf der Insel ein, denn viele Direktflüge zur Insel haben bereits begonnen. Dazu kommen auch die ersten Teilzeit-Arbeiter wieder zurück, denn die Vorbereitungen für die neue Saison beginnen. Viele Straßen werden aufgerissen, neue Kabel verlegt, es gibt zahllose Umleitungen, Bäume werden zurechtgeschnitten, Blumenbeete neu angelegt und zahlreiche Hotels und Tavernen werden renoviert. In den touristischen Städten und Dörfern hört man in allen Straßen und Gassen an jedem Tag vom frühen Morgen an Baulärm.

Dank des Inselklimas kann man nun im Frühling viele heimische Gemüse- und Obstsorten kaufen – stellenweise stammen sie allerdings aus Gewächshäusern. Die Erntezeit der ersten Orangen ist zu Ende und die Bäume zeigen erneut Blüten. Brokkoli, Weißkohl, Stangensellerie, Frühlingszwiebeln, Rote Beete und Blumenkohl sind günstig, die großen grünen Saubohnen und die stacheligen Artischocken sind reif.

Am auffälligsten ist die große Auswahl an Wildgemüse- und Wildkräutersorten, die im Moment angeboten werden. Die ersten Frühlingstriebe der Pflanzen sind besonders zart und bekömmlich. Junger Löwenzahn, Goldwurzel, Erbsengrün, Rauke, Sauerampfer, Senfgrün und Nadelkerbel sind häufig angebotene „Chorta“-Sorten (Χόρτα). Es gibt jedoch auch seltenere und dadurch teurere Wildkräuter zu kaufen. Eine davon ist der Fichtenspargel, der auch Schmerwurz (Tamus communis) genannt wird.

Schmerzwurz – Fichtenspargel (Bild: Uta Wagner)

Von Weitem sieht Schmerwurz wie dünner grüner Spargel aus. Die meisten Pflanzen der Fichtenspargelfamilie sind toxisch. Aus diesem Grund ist es auch angeraten, das Sammeln jemandem zu überlassen, der sich wirklich damit auskennt… Auf Kreta ist er nicht nur als Gemüse beliebt sondern er dient auch als Heilkraut – der Schmerwurz gilt als wirksames Mittel bei Problemen der Niere und der Harnwege.

Die meisten Chortasorten, kann man nur gekocht essen – manche aber, wie z.B. Stamnagathi schmecken auch wunderbar als Salat. Viele Wildkräuter haben im Rohzustand einen leicht bis mittelschwer bitteren Geschmack, den sie durch das Kochen in Salzwasser mit etwas Natron und Zitrone etwas verlieren und dann,  mit etwas grobem Meersalz, Zitrone und Olivenöl, sehr lecker und genießbar sind.

Egal, zu welcher Jahreszeit man auf Kreta weilt – es steht immer irgendein Wildgemüse zur Verfügung. Und es gibt viele leckere Gerichte damit!

Radio Kreta – mittendrin in der Botanik.

Auch interessant: Heilsames Kreta – Kräuter und Wildgemüse. Und wer sich für E-Bike-Touren über die frühlingshafte Insel interessiert, klickt hier.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Facebook Post to MySpace

Ein Kommentar

Kommentare sind geschlossen.