Kreta – Mit leisen Tönen

Kretas Westen lockt mit karibischen Stränden und ursprünglicher Natur

Von Monika Zeller

Wer die touristisch wenig erschlossene Westküste besucht, ist ein Typ für leise Töne, für Entdeckungstouren auf schmalen Küstenstraßen und ins Gebirge oder für Wanderungen zu versteckten Kapellen und durch großartige Schluchten. Den Dreiklang der Urlaubstage aus Baden, Wandern und Ausflügen belebt auch eine gut verträgliche Portion „antike Trümmer“. Das erste Kulturhäppchen: die Ausgrabungen der antiken Hafenstadt Falassarna. Immergrünes Buschwerk überwuchert fast schon wieder das weitläufige Ruinenfeld mit den Fundamenten einer einst mächtigen Hafenstadt.

Badefreuden und Klöster
Von Felsen unterbrochen erstreckt sich hier ein kilometerlanger Strand mit Sonnenschirmen, Liegen und Tavernen – familiär und nicht überlaufen. Der Sand fällt flach ins türkisfarbene Wasser ab. Ideal für Kinder, die in einer kleinen Sandbucht wie in einem Pool plantschen können.

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Kann man diesem Strand vielleicht schon etwas Karibik-Flair andichten, dann erst recht der Lagune von Elafonisi im äußersten Südwesten. Obwohl recht abgelegen, wird diese Schönheit „La Blue Lagoon“ heftig zu Wasser und zu Lande angesteuert. Exotisch wirkt die verzweigte Strandlandschaft mit der dekorativ vorgelagerten Insel Elafonisi, zu der man hinüberwaten kann. Feinster rosa Sand, das Wasser changiert in allen Blautönen, weiß blühende Strandlilien schmücken die Dünen. Ob dieses unter Naturschutz stehende Paradies aber den steigenden Ansturm der Besucher verkraftet?

Nur wenige Autominuten entfernt taucht auf hohem Fels am Meer das schneeweiße Kloster Chrissoskalitissa auf. „Goldene Treppe“ lautet die Übersetzung, denn eine Stufe der steilen Klostertreppe soll aus purem Gold sein. Allerdings kann sie nur sehen, wer ohne Sünde ist, heißt es. Im Westen Kretas lassen sich einige schöne Klöster gut mit einen Ausflug kombinieren. Zum Beispiel Gonia an der Klippenküste bei Kolimbari. Mit seinen Blüten, Weinstöcken und Zitronenbäumen wirkt der Innenhof wie eine Oase der Stille. In der weihrauchduftenden Klosterkirche prunkt eine farbenprächtige Ikonostase.

Als Kontrastprogramm bietet sich Chania an, die schönste Stadt der Insel mit pastellfarbenen Häusern rund um das Hafenbecken, Leuchtturm und der ehemaligen Moschee mit den großen weißen Kuppeln. Auch die Gassen der angrenzenden Viertel mit renovierten Palazzi und lauschigen Innenhöfen laden zum Bummeln ein.

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Schauplatz von Alexis Sorbas
Wenn gegen Mittag die Touristenströme anschwellen, ist ein Abstecher ins Hinterland der Akrotiri-Halbinsel zu empfehlen. Wer je den Film Alexis Sorbas sah: Die Klosterszenen wurden in Agia Triada gedreht, einer Anlage in venezianischer Renaissance. Und beim Kloster Gouverneto in steiniger Ödnis scheint die Welt aufzuhören. Aber von hier führt ein wunderbarer Wanderweg in eine tiefe Schlucht zu dornröschenhaft umrankten Ruinen. Dort, wo die Felswände ganz nah zusammenrücken, überspannt eine wuchtige Steinbrücke die Schlucht. Glockentürmchen, gotische Gewölbe und eine Alabasterkapelle schmücken den weltfernen, stimmungsvollen Ort.

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