Kreta schön schaurig – Wandern im Tal der Toten

Kreta mal schön schaurig – der “Merian Juli 2010″ bringt auch zu diesem Thema alles Wissenswerte – gespickt mit persönlichen Eindrücken – mal wieder auf den Punkt: hier eine kleine Einleitung zum “Anfüttern” – den kompletten Artikel („Schöner schaudern im Tal der Toten“ von Burkhard Maria Zimmermann) gibt’s, wie gesagt, bei Merian, also hier.

merian„Die wahre Schönheit Kretas erschließt sich zu Fuß: Vorbei an alten Höhlengräbern führt die Tour an Kretas Ostküste entlang und bietet grandiose Aussichten in eine tiefe, nicht nur dem Namen nach Furcht einflößende Schlucht.

Bei Markos ist es sehr still. Er sitzt in der Lobby seines Hotels, es ist das einzige in Zákros, einem 1000-Seelen- Nest in den Bergen an Kretas Ostküste, nur ein paar Kilometer vom so genannten „Tal der Toten“ entfernt. Das Hotel gibt es seit 1971, an den hohen Decken der Lobby hängen vergilbte Ventilatoren und weiße Neonröhren. Die Bäder der Zimmer könnten mal wieder einen Anstrich vertragen. Und morgens wird man vom Krähen der Hähne geweckt. Ein bisschen früh. Aber romantisch.

„Im Winter haben wir fast gar keine Touristen“, sagt Markos, „im Sommer sind es dann mehr. Die übernachten hier meist, um am nächsten Tag durch die Schlucht zu wandern.“
Dass in seinem Hotel so wenig los ist, stört ihn nicht weiter. Er hat das Haus samt einigen Olivenhainen von seinem Vater geerbt; seine Frau macht die Küche und die Zimmer, Markos kümmert sich um die Bäume. „In Zákros werden im Jahr etwa 300 Tonnen Oliven geerntet, davon leben wir“, sagt er. „Unsere Tage sind ruhig hier. Wir kennen uns alle und kommen gut miteinander aus.“

Abends, wenn es dunkel wird, spielen die Männer auf dem Dorfplatz beim Laternenschein zusammen Fußball und lachen wie kleine Jungs. Dann kommt die Nacht, und die hohen Berge scheinen den Sternenhimmel zu schlucken.
Früh am nächsten Tag schläft das Dorf noch. Gleich gegenüber vom Hotel weist ein Schild den Weg zur Zákros Gorge, der Schlucht von Zákros. Vom Dorfplatz aus führt der Weg durch verwinkelte Gassen, vorbei an kleinen Häuschen mit weißen Fassaden, aus dem Dorf hinaus, vom Asphalt auf steinige Feldwege, durch Olivenhaine, die sich weit über die Berge strecken, an einer Bewässerungsrinne entlang, die, von einer Quelle gespeist, die Bäume mit Wasser versorgt.

Die Wanderung ist der letzte Abschnitt des Europäischen Fernwanderweges E4, der in Portugal beginnt und in Káto Zákros endet. Eine leichte Tour durch die Schlucht zum „unteren Zákros“ – insgesamt rund acht Kilometer, der Höhenunterschied beträgt nur etwa 200 Meter. Das kann man auch als mittelmäßig trainierter Wanderer in guten zwei Stunden schaffen.
Ihren Namen verdankt die Schlucht dem Volk der Minoer, das vor rund 4000 Jahren am Ausgang der Schlucht beim heutigen Káto Zákros einen prächtigen Palast errichtete. Die Minoer setzten ihre Toten in Höhlen in den Felswänden bei: Ist es der Name, der den Wanderer schon jetzt ein wenig schaudern lässt? Oder eher das nahe Hundegebell?“

Neugierig geworden? Lust auf mehr? Gibt’s hier!

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