Krise in Griechenland: Wo es in der Krise noch Zuversicht gibt

Zwischen Süßwarenherstellern und Verpackungsfirmen hat sich Intergeo Hellas in dem Gewerbegebiet Thermi am Rand von Thessaloniki niedergelassen. Zwischen den Zäunen von Thermi wächst das Unkraut kniehoch. Hallen wirken verwaist. Die Arbeitslosigkeit in Griechenland erreicht im Wochenrhythmus neue Rekorde. Die Banken geben kaum noch Kredite, viele Auftraggeber können oder wollen ihre Rechnungen nicht begleichen. Der Staat zahlt seit Langem schon nur mit großen Verzögerungen, wenn er zahlt. Da wird das Produzieren schwer.

Giftmüll, Sondermüll, Bodensanierung, Umweltverträglichkeitsprüfungen“, Papadopoulous zählt auf, womit sich seine Firma beschäftigt. Es gibt in Griechenland nicht viele Unternehmen, die sich in diesem Bereich Konkurrenz machen könnten. Und doch sagt Papadopoulos über sein Geschäft in der Krise: „Wir arbeiten mehr und verdienen weniger.“


Intergeo Hellas geht es allerdings besser als vielen anderen Firmen. Das Unternehmen wurde 1991 in Griechenland gegründet, als Filiale einer gleichnamigen Firma in Salzburg. Es gibt auch ein Büro in Athen und eine Vertretung auf Kreta, wo das griechische Umweltministerium derzeit große Pläne für neue Deponien hat. Gut 50 Mitarbeiter hat Intergeo Hellas, etwa die Hälfte davon sind Akademiker, Ingenieure, Hydrologen, Geologen und Chemiker, wie Papadopoulos. Entlassen hat er in der Krise noch niemanden. Ein Umweltingenieur hat die Firma jüngst verlassen. Er ist nach Berlin gegangen.

Die generelle Unsicherheit hier macht viele Menschen mürbe“, sagt Christos Vatseris. Auf der Visitenkarte von Vatseris steht „Technischer Direktor“, aber das sagt nicht alles. Denn der Mann war von Anfang an in der Firma dabei. „Wir haben uns über eine Zeitungsanzeige kennengelernt“, erzählt Papadopoulos. Der Geologe Vatseris ist trotz der Krise Optimist geblieben, und das liegt an seinem Job. „Der Umwelt- und Energiebereich wird Europa in den nächsten 50 Jahren Wachstum bringen“, sagt Vatseris, „und er wird auch Griechenland retten.“ Allerdings, so meint Christos Vatseris, brauche sein Land mehr Zeit, und das müssten auch die internationalen Geldgeber verstehen. Derzeit würden fast alle Investitionen verzögert, weil die Banken eben kein Geld gäben. „Wir glauben an die Solidarität Europas“, sagt der Geologe. Aber wichtiger als Geld sei Know-how, und das Geld, das gegeben werde, müsse kontrolliert werden.

„Wir Griechen sind nicht faul“, sagt der Geologe, eine falsche Politik habe das Land ruiniert. Vatseris sagt auch: „Griechenland ist eigentlich ein reiches Land, als Wissenschaftler weiß ich das, wir haben Öl in der Ägäis und südlich von Kreta, nun aber wollen alle uns billig kaufen.“ Vatseris hat zwei Kinder, für die er sich eine gute Zukunft in seinem Land wünscht. Papadopoulos hat vier. Die älteste Tochter ist gerade nach Wien gegangen, um dort zu studieren. Papadopoulos ist mit einer Österreicherin verheiratet. Er spricht gut Deutsch, wie Vatseris, der in Berlin geboren wurde, auf der deutschen Schule in Thessaloniki war und in Münster studiert hat.

Hinter dem Schreibtisch von Papadopoulos hängt ein großes Gemälde. Es zeigt einen Olivenbaum. Gemalt hat es Frau Papadopoulos. Das Bild passt zur Firmenphilosophie. Intergeo Hellas setzt auf die Natur, auf die biologische Sanierung belasteter Böden mithilfe von Mikroorganismen und natürlichen Kulturen. „Wir haben damit gute Erfolge, beispielsweise bei Raffinerieschlamm“, sagt Papadopoulos.

Deshalb ist der Chemiker jetzt auch so fasziniert von der Erfindung eines Deutschen. „Der macht aus Müll Diesel“, sagt Papadopoulos. Christian Koch (Unser Bericht 2011: Diesel aus Müll) heißt der Mann, KDV oder „Katalytische Depolymerisation. Das Verfahren, mit dem beispielsweise aus Klärschlamm, Altöl oder Plastikabfall Treibstoff entsteht. „Mit KDV wird in kürzester Zeit der Prozess nachgeahmt, mit dem die Natur in Tausenden von Jahren Öl produziert hat“, schwärmt Papadopoulos. So überzeugt ist der Grieche von der Erfindung des Deutschen, dass er mit ihm eine Firma gegründet hat. Stylianos Papadopoulos glaubt an die Zukunft.

Quelle: Süddeutsche.de

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