Kurz mal nach Kreta – und für immer dort!

Heute gibt es mal eine dankbare Hommage an die wundervolle Insel Kreta und seine noch wundervolleren Bewohner. Sehr persönlich, dadurch aber sehr „authentisch“. Eigene Erfahrungen halt. Und 1001 Gründe, warum ich immer noch hier bin und vermutlich auch bleiben werde.

Es war im Jahre des Herrn 2008, als Scheffredakteuse und Scheffredakteur sich rein zufällig und aufgrund einer gemeinsamen Bekannten rein virtuell über die Füße liefen bzw. auf ebendiese drauftraten – denn der „Anfang aller Dinge“ war eher mehr als holprig. Denn auf die unverbindliche Kontaktaufnahme-Mail der heutigen Scheffredakteuse (Wortlaut mehr oder weniger: „wenn du Lust auf einen netten Kontakt in München hast, kannst dich ja mal melden“), kam die doch recht forsche Antwort des norddeutschen Fischkopp-Scheffredakteurs „Mails schreiben find ich doof, kannst ja mal anrufen!“. 

Diesbezüglich relativ brüskiert dachte sich Scheffredakteuse „Was ist DAS denn für ein arroganter Schnösel, der kann mich aber gerne mal kennen lernen!“ – und rief an. Und auf den Tag genau 1 Jahr später waren die – also wir – beiden verheiratet…. Tja, so kann´s nun mal gehen, in der virtuell-reellen Welt….

Aber vor das „JA, ich will!“ hatte der Herrgott, Zeus, oder wer auch immer ja nun auch nach gefühlten 2.000 Telefonstunden (und den entsprechenden Rechnungen….) mal zumindest noch einen Antrittsbesuch gesetzt. Man war die Sache grundsätzlich erst mal sehr locker angegangen, die heutige Scheffredakteuse machte das alles von möglichst günstigen Flügen abhängig – Urlaubstage waren noch zur Genüge vorhanden. Und dann wurde – Frau ist ja auch nicht ganz doof und doch etwas vorsichtig… – erst mal nur ein One-Way-Flug von München nach Heraklion gebucht, hatte die Schwester mit eigenem Reisebüro doch zugesagt, dass sie mich jederzeit wieder ratzfatz von der Insel wegbeamen würde, falls notwendig. So ganz ohne Plan B ging das ja auch nach besagten gefühlten 2.000 Telefonstunden nicht…. Und das war – fast auf den Tag genau – vor 10 Jahren!

Es wurden dann knapp 4 Wochen draus, weil Finanzqueen ja auch mal wieder was arbeiten musste, aber zwischendrin hatte sich ihr Leben schon verändert. Und zwar in eine Richtung, die sie selbst bis dato niemals nicht für möglich befunden hätte.

Und jetzt kommen wir auch so langsam zum Thema….

Ich hatte die Nacht vor dem Abflug so ziemlich gar kein Auge zugemacht, das Taxi zum Flughafen stand um Punkt halb 5 vor der Haustür im Münchner Westen – und los ging´s in Richtung Kreta. Heraklion. Da landete ich dann so gegen 11h Ortszeit und wurde auch ziemlich freudig von besagtem Scheffredakteur in Empfang genommen.

Der Weg zu Scheffredakteurs damaligem Wohnort Tsoutsouras (einmal mit dem Zeigefinger auf der Kreta-Karte von Heraklion nach Süden fahren – dann seid Ihr schon ziemlich in der Gegend…!) führte uns auf Serpentinen-Straßen über die Berge und die leicht übernächtigte und ziemlich aufgeregte spätere Scheffredakteuse hatte in Teilbereichen wirklich Angst um ihr Leben, drehte der Scheffredakteur doch alle paar Minuten lustig eine Zigarette, lenkte zwischenzeitlich mit dem Knie und plauderte noch ganz locker nebenbei, Serpentinen hin, engste 180°-Kurven her. 

Trotz allem gut angekommen

Nach einer guten Stunde Horror-Fahrtzeit kamen wir dann auch endlich in Tsoutsouras an und ich durfte die „Burg“ in Teilbereichen belagern.

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Die Burg.

Dazu blieb mir allerdings nicht allzuviel Zeit, denn postwendend kam ein Anruf. Ich verstand natürlich kein einziges Wort, aber auf Scheffredakteurs Aussage hin „Hau die Hacken in den Teer, Mittagessen ist fertig!“ ahnte ich dann schon, was los war. Also den Koffer in die Ecke gestellt und los. Los zu Nikos Lamprakis. In die Taverne „To steki tou Vlami“, die er sein Eigen nannte und in der an den Wochenenden – es war ein Sonntag – seine Eltern das Regime in der Küche übernahmen. 

Und ich bekam den ersten Ziegenbraten meines Lebens. Ziege mit Kräutern und Kartoffeln, etwas Wildgemüse anbei, jede Menge Olivenöl und frisches Brot. Und alles ausnahmslos lecker. Das Essen war toll, aber was mich noch viel mehr beeindruckt hat, war die herzliche Aufnahme, die ich durch meine neuen kretischen Freunde erlebt habe. Ich wurde als „Susana, mia kopela ap´tin Germanía“ vorgestellt und alleine die Tatsache, dass ich offensichtlich eine Freundin des mich vorstellenden Scheffredakteurs war, öffnete mir Türen und Tore. Ne Freundin von Jörg? Alles gut. Setz dich, hier hast du was zu trinken und hier den Teller mit der größten Portion des armen Zickleins  aus dem Ofen. 

Freunde für´s Leben – einfach so!

Niko´s Papa und Mama liebten mich von Anfang an (dabei sprach ich damals noch kein einziges Wort Griechisch und konnte mich nur über Gestik und Mimik verständigen) und auch seine Kumpels Nikos, Antonis (der Fischer, also Psarantonis), Erontas, der eigentlich Jorgos heißt, aber ganz viele Kräuter und Tees – vor allem eben den Diktamos, der hier auch „Erontas“ genannt wird – anbaut, Antonis „mit dem appen Bein“ – alle alle alle akzeptierten mich ohne wenn und aber. Und ich bin mir sicher, dass ich – sollte ich mich eventuell mal alleine in diese Gegend verirren – in den allerbesten Händen wäre!

Eine schöne Geschichte eines Treffens im Dorf von „Adonis mit dem appen Bein“ haben wir bereits beschrieben, aber es gibt noch so unendlich viele kleine und schöne Geschichten, die irgendwie immer im Tagesgeschehen untergehen, trotzdem aber immer noch präsent sind.

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Adonis mit dem appen Bein.

So auch der Tag,  an dem wir in Nikos´Elternhaus eintrudelten, aber keiner zu Hause war. Also nicht im Elternhaus, denn nebenan, bei Onkel und Tante, war durchaus jemand da. Und natürlich gab es was zu knabbern und zu trinken.

Zum Knabbern Granatapfelkerne (Onkel hat mir damit mein weißes T-Shirt super und großflächig eingesaut, aber egal….), zum Trinken Raki. Morgens halb zwölf im Süden Kretas. Jammas dann auch….! Wohlgemerkt: das waren Menschen, die wir noch nie zuvor im Leben gesehen haben! Aber wir waren Fremde, Ausländer, die nach dem Neffen Nikos fragten – also wurden wir spontan eingemeindet und warteten gemeinsam auf die Ankunft besagten Nikos´……

Jammas! Gesundheit pur bei Niko´s Verwandten.

Auch Erontas – besagter Kräuter- und Tee-Jorgos-  war ein extrem gastfreundlicher Mensch. Außer der Tatsache, dass ich für meine Lieben zu Hause ein paar Kräuter aus seinem Shop mitnehmen wollte und angesichts meines Ansinnens, den ganzen Kram auch noch zu bezahlen, beinahe der dritte Weltkrieg ausgebrochen wäre – lud er uns auch noch an meinem letzten Abend zu sich nach Hause ein. Und das passiert nicht oft – und schon gar nicht so schnell – hier auf Kreta! Ich fühlte und fühle mich immer noch sehr geehrt!

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Jorgos „Erontas“ – der tollste kretische Kräuter- und Teebauer aller Zeiten!

Dann gab es da noch ein paar Küken, die Nikos mir geschenkt hatte, die standesgemäß mit Raki getauft wurden (Agathe und Thekla), dann allerdings von einem Bussard gemeuchelt, aber durch ein Pärchen neuer, erwachsener Hühner von Adonis mit dem appen Bein ersetzt wurden – weil ich doch so traurig war…..

Ich hab mich spontan in all diese Griechen verliebt. Aber nicht mehr, als in meinen norddeutschen Sturkopp, dem ich dann auch im Frühjahr 2009 sowohl auf dem Standesamt als auch in der katholischen Kirche in Heraklion mein ultimatives „Ja“-Wort gegeben habe und daraufhin dann im Oktober 2009 von München nach Kreta umgezogen bin. 

Suse heiratet Joerg
Die Hochzeit. Danke, Pastor Dr. Otmar Hesse!

Und seit dem hat sich nicht viel geändert, was meine liebe- oder doch zumindest respektvolle Aufnahme auf der Insel angeht. Die Griechen/Kreter, mit denen wir zu tun haben, haben uns komplett akzeptiert oder gar annektiert, wir werden oft zum Mittagessen eingeladen, zu dem wir allerdings auch fast immer etwas beisteuern – und wir hören natürlich nur allzugerne alte Geschichten „von damals“, aber auch neue Ansichten z.B. über die derzeitige politische Situation.

Wir bekommen Hühner, kleine Karnikel und frisch geborene Kanarienvögel angeboten, unsere Essenseinladungen bei uns zu Hause werden auch oft genug dankbar an- und wahrgenommen – es ist einfach schön und unkompliziert. Solange man selbst auch unkompliziert ist und die lokalen Traditionen, Gegebenheiten und Umstände akzeptiert und respektiert. 

Ach ja – und wenn man die griechische Sprache auch noch ein bisschen beherrscht, geht das alles sogar noch ein bisschen besser….

Radio Kreta – schöne und wahre Geschichten von der schönsten Insel der Welt.

Was ist das eigentlich, die „kretische Seele“?

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