Lieferdienst setzt in Griechenland auf Elternliebe

Krisenkinder bekommen Essen von Mutti gebracht

Athen (AFP) – Die Dauerkrise in Griechenland treibt viele Menschen in die Verzweiflung, findige Unternehmer aber auch zu cleveren Geschäftsideen. So macht sich eine neue Start-Up-Firma den Umstand zunutze, dass viele junge Leute wegen finanzieller Nöte wieder auf die mütterliche Kochkunst schwören: Der Lieferdienst Vanakias bringt das Essen direkt vom elterlichen Herd ins neue Heim der ausgezogenen Kinder. Weil deren Taschengeld so nicht in ungesundes Fast-Food wandere, schlage sein Geschäftsmodell gleich „zwei Fliegen mit einer Klappe“, sagte Firmen-Mitgründer Dimitris Balomenos.

Lieferdienst Vanakias macht sich Krise zunutze

Das Geld sitze in griechischen Haushalten eben nicht mehr so locker wie früher, und sein Unternehmen könne Abhilfe schaffen: „Die Mutter kann Kosten sparen, wenn sie jeden Tag zuhause kocht und das Essen dann mit uns liefern lässt. Das Kind wird gesund und günstig ernährt.“

Auch Matoula Dovinou kann diesem System etwas abgewinnen, zumal die 38-jährige Mutter ihrem schmerzlich vermissten Sohn so wieder näherkommt. Mit Balomenos‘ Hilfe kocht sie ihrem Jungen jetzt wieder regelmäßig dessen Lieblingsmahlzeiten, packt sie ein und lässt sie in seine Wohnung liefern. „Es ist doch klar, dass Mamas Essen viel gesünder und günstiger ist, als Geld zu schicken“, sagte Dovinou der AFP.

Dass der Lieferdienst solchen Erfolg hat, schreibt die Soziologin Laura Maratou-Alipranti vom Nationalen Zentrum für Sozialforschung auch einem gesellschaftlichen Einstellungswandel zu. Wer bei den Eltern lebe, „braucht heute kein schlechtes Gewissen mehr zu haben“. Denn viele flüchten zwar vor der allgegenwärtigen Krise und Rekord-Jugendarbeitslosigkeit von 62,4 Prozent ins Ausland, andere aber müssen bei Mama und Papa bleiben – weil es günstiger sei. Auch wer sich eine eigene Wohnung oder WG leisten kann, ist trotzdem oft auf die Hilfe der Eltern angewiesen.

Griechenland sei schon immer ein Land mit starker Familienbande gewesen, sagt Maratou-Alipranti. Und in der Krise habe sich dieser Effekt noch verstärkt: Habe es früher noch öfters Sticheleien gegen „Muttersöhnchen“ gegeben, die sich nicht aus dem warmen Nest trauten, sei der späte Sprung ins kalte Wasser jetzt wieder salonfähig geworden. Und so hat die Krise zumindest einige Gewinner: Besonders fürsorgliche Eltern, die ihren geliebten Nachwuchs jetzt auch auf Distanz verhätscheln können.

Quelle: dtoday.de

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