+++Merkels Athen-Besuch im Liveticker+++

Athens Zentrum gleicht einem Sperrbezirk

Bundeskanzlerin Merkel besucht heute Athen. Inzwischen gleicht die Innenstadt einem Sperrbezirk. Viele Griechen sind wütend auf die Verfechterin der Sparpolitik. Für FOCUS Online berichtet Wassilis Aswestopoulos live aus Athen.

Zweieinhalb Jahre, nachdem das hoch verschuldete Griechenland erstmals Finanzhilfe beantragt hat, reist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erstmals nach Griechenland. Um 12.30 Uhr MESZ wird sie an diesem Dienstag für einen Kurzbesuch in Athen erwartet.

Es ist eine heikle Mission: Viele Griechen leiden unter der finanziellen Lage ihres Landes und den Sparauflagen, für die Merkel offensiv eintritt. Für den Besuch sind in der griechischen Hauptstadt massive Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, mehrere Tausend Polizisten sollen im Einsatz sein. Die linke Opposition und Gewerkschaften haben zu Protesten gegen die Sparauflagen aufgerufen.

Die seit Anfang Juni amtierende Athener Regierung unter Antonis Samaras hofft auf finanzielle Erleichterungen und Zugeständnisse der internationalen Geldgeber. Ohne Zustimmung der Troika, deren Bericht inzwischen spätestens November erwartet wird, kann Griechenland nicht mit dem neuen Kredit in Höhe von 31 Milliarden Euro rechnen. Die Eurogruppe setzte Griechenland inzwischen eine Frist bis zum 18. Oktober zur Umsetzung seiner schon vor Monaten vereinbarten Sparmaßnahmen.

Bei ihrem Besuch wird Angela Merkel Athen kaum wieder erkennen. Bei ihrem letzten Besuch, im Jahr 2007, gratulierte sie in einem überaus freundschaftlichen Klima Premier Kostas Karamanlis zum Rekordwachstum der Wirtschaft. Griechenland galt als europäisches Musterland.

Für FOCUS Online berichtet Wassilis Aswestopoulos aus Athen. Die Entwicklungen im Liveticker:


8.40 Uhr: Europaparlamentspräsident Martin Schulz (SPD) fordert Wachstumsanreize für Griechenland. „Die Griechen sparen inmitten einer schweren Wirtschaftskrise massiv, mit bitteren sozialen Folgen und negativen Effekten für die Wirtschaft“, sagte Schulz der „Rheinischen Post“ vom Dienstag. Griechenland benötige daher zusätzlich zu den Reformen einen „Impuls, um Wachstum und Beschäftigung zu stimulieren und so aus der Schuldenspirale herauszukommen“.

8.30 Uhr: Der CDU-Europapolitiker Gunther Krichbaum findet es „skandalös“, dass Linken-Chef Bernd Riexinger an den Protesten in Athen teilnehmen will und so weiter Öl ins Feuer gieße. Im Deutschlandfunk sagte Krichbaum, er halte Merkels Reise für eine „gute Geste“. Griechenland habe viele Jahre über seine Verhältnisse gelebt und müsse jetzt seine Hausaufgaben erledigen. „Auf der anderen Seite gibt es aber eben auch die Solidarität, dass man das Land nicht fallen lässt.“

8.20 Uhr: Linke-Chef Bernd Riexinger hat Angela Merkel am Dienstag im Deutschlandfunk vorgeworfen, mit ihrer Politik eine Erholung der griechischen Wirtschaft zu verhindern. Man sehe, dass die griechische Wirtschaft abgewürgt werde und die Politik tatsächlich scheitere. Deshalb könne er es auch verstehen, wenn die Menschen erbost über Merkels Politik seien und demonstrierten. Der Parteivorsitzende will am Dienstag in Athen bei einer Protestkundgebung als Redner auftreten.

7.24 Uhr: Der FDP-Europaabgeordnete Giorgos Chatzimarkakis erwartet, dass die Kanzlerin sich überzeugt „dass die Maßnahmen im Land mit der viertgrößten Rezession der Weltgeschichte so nicht durchführbar sind“. Der Deutsch-Grieche versuchte in der Vormittagssendung der TV-Station Skai, einen positiven Ausblick zu geben. Gleichzeitig warb er bei den Griechen für Verständnis für die streng erscheinende Haltung der Deutschen. Diese würden traditionell „immer ohne viele Worte alles machen, was sie versprechen.“

7.00 Uhr: Das Athener Stadtzentrum gleicht einem militärischen Sperrbezirk. Überall kontrollieren Polizisten die Bevölkerung, ohne Sondererlaubnis ist kein Durchgang möglich.. Zahlreiche Schulen sind geschlossen. Demonstrationen im Stadtzentrum, aber auch Menschenansammlungen sind von 9 Uhr bis 22 Uhr verboten. Im Internet werden Karten der Sperrzone veröffentlicht.

Wir sind ständig mit Wassilis in Athen verbunden. Über die neuesten Entwicklungen halten wir Euch auf dem Laufenden.

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