Kreta Schild

Mitso’s Welt: Griechenland – Das organisierte Gebrechen.

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Mitso und die Politik.

Da war ich doch neulich mit meinen Herrchen auf großer Reise, und da sind wir auch mal in Athen hängen geblieben. Und da trug sich – soweit ich das alles richtig verstanden habe – folgendes zu (was dann aber auch so ähnlich in der Süddeutschen Zeitung stand, von daher kann ich ja nicht so ganz falsch liegen):

Vor dem Gesundheits- und Sozialamt traf der Bürgermeister einen alten Bekannten. „Wie geht’s? Wo arbeitest du jetzt? Auch bei der Firma?“ „Firma“ nennt man hier wohl nicht wie mancherorts das organisierte Verbrechen. Die „Firma“ ist der griechische Staat. Das organisierte Gebrechen.

Auf den ersten Blick sieht Griechenland ja eigentlich aus wie ein modernes europäisches Land, ist ja auch schon lange genug in der EU. Dann hört man allerdings, wie die Leute sagen: „Wir fahren nach Europa.“ Und in dem Zusammenhang habe ich auch noch ein neues Wort gelernt. Es heißt Rusfeti – ein Wort, das Mensch sich hier wohl merken sollte. Das ist nämlich das Wort für eine Gefälligkeit. Die Rusfeti ist eigentliche Münze des Landes, der Euro nur Zweitwährung.

Und was dieses komische „Bruttoinlandsprodukt“ angeht: meines Wissens produziert Griechenland fast nichts. Es gibt die Inseln und die Sonne. Es gibt die Reeder mit ihren Schiffen (letztere liegen aber fast alle in Piräus rum und haben nix zu tun).

Und es gibt den Staat.

„Zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes stellt der öffentliche Sektor. Er ist der größte Käufer“, sagt der Rechtsanwalt Thanos Tsevas. „Deshalb hat das Klientelsystem alles im Griff.“ Ziel einer Partei ist es, den Staat zu erobern, um ihn unter den eigenen Leuten aufzuteilen.

„Was meinst Du, wo das Bestechungsgeld von Siemens hin ist?“, fragt Lakis Lazopoulos: „Das verteilen sie. An ihre Leute. An die Journalisten.“ Lazopoulos ist der bekannteste politische Komiker Griechenlands. Er hat eine Show auf Alpha TV. Es ist ihm bitterernst.

Da passieren aber auch echt schräge Sachen. Nach den Feuern von 2007 zum Beispiel teilte die Regierung aus: 3000 Euro auf die Hand, für jeden Bewohner der Brandgebiete. Es reichte, den Pass vorzuzeigen. Leute reisten aus dem Ausland an.

Im Monat darauf fanden Wahlen statt. Die Regierung gewann. „Hier kaufst du alles, auch den Führerschein“, sagt Lazopoulos: „Ämter funktionieren hier wie Firmen. Eine Hausbaulizenz kostet eigentlich 300 Euro? Dann bezahlst du 5000.“

Jeder macht mit. Geht doch!

Krankenhausärzte laden zur Folgeuntersuchung in die Privatpraxis. Jobs stehen nicht im Stellenmarkt. „Ihr Sohn möchte die Stelle als Hafenbeamter? Ich höre, Sie haben da einen schönen Orangenhain.“

Reformen?

„Karamanlis ist gescheitert. Papandreou wird scheitern. 1000 Prozent“, sagte Lazopoulos vor den Wahlen im Oktober 2009. „Sie reißen nicht ein, was sie selbst aufgebaut haben.“ Karamanlis, der Konservative; Papandreou, der Sozialist. Zwei Familien, ein System.

„Als mein Vater noch ein Kind war in den 1930er Jahren, war der alte Karamanlis Abgeordneter. Jetzt leben meine Kinder wieder unter einem Karamanlis“, sagt Rechtsanwalt Tsevas: „Wir hatten den Großvater Papandreou, den Sohn Papandreou, nun bekommen wir den Enkel Papandreou.“ Regierungsangestellte schaffen Jobs für ihre Verwandten.

Die konservative Regierung würde die Wahlen verlieren, da war man sich sicher. Also hat sie im Jahr 2009 noch 70.000 neue Stellen geschaffen. Für Töchter, Söhne, Vettern, Onkel und Freunde. Junge Griechen träumen davon, Beamte zu werden. So viele Leute, die ihr Geld vom Staat beziehen, gibt es sonst nirgendwo in Europa: Jeder vierte Erwerbstätige. Dabei war der Staat schon damals praktisch bankrott.
„Griechenland pleite? Verzeihung, aber das ist eine Information die wir so nicht haben“, sagte Lakis Lazopoulos und lächelte: „Du sagst, du hast kein Geld? Komm schon …“ Er zwinkert: „Irgendwo hast du noch was versteckt. Jeder Grieche hat etwas versteckt. Auch der Staat. Daran glauben wir. Fest.“

Scheint so, als sei der Staat pleite, aber die Griechen nicht.

Die haben ihr Geld wohl unter’m Kopfkissen und zahlen alles bar – ob Ballerkarren, Häuser oder Kafedaki, egal. Nur Bares ist Wahres, und Banken oder Staat vertraut der Grieche eh‘ nicht. Offensichtlich zu Recht…

Und dann durfte ich mal beim Bürgermeister mitfahren und hab die Ohren gespitzt: im Wagen des Bürgermeisters lag nämlich in der Ablage des Ford ein Briefumschlag. Darauf ein Name: der Assistent des Polizeipräsidenten. Geld? Schon die Vermutung bringt Bürgermeister in Rage. „Ich habe noch nie Geld angenommen. Und ich habe noch nie jemanden geschmiert.“

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Wie lange das noch gut geht?

„Es ist eine Baugenehmigung für ein Haus in Xiloupoli. Wir kommen aus demselben Dorf. Und da ich gerade in der Gegend bin, bringe ich ihm die Unterlagen vorbei.“ Bürgerservice Mitten in der Servicewüste Griechenlands – beeindruckend! Der Beamte bedankt sich mit einem Frappé und der Versicherung, die ganze Familie werde beim nächsten Urnengang den Bürgermeister wieder wählen. Das ist doch mal ein Deal!

Der Geist von Olympia ist leider aber längst nicht mehr da. Aus Erzählungen meiner Festlands-Kumpel weiß ich, dass das wohl ein Riesending war. Zeitlich wurden sie zwar nur knapp mit den Bauarbeiten fertig – das kennt man ja aus dem „echten“ Leben – aber dann:

Die Olympischen Spiele 2004. Aufbruch. Begeisterung. Perfekte Organisation. „Damals dachten wir: Jawohl, das sind wir! Wir waren so stolz. Es hätte ein Neuanfang sein können“, sagt Thanos Tsevas. Der kranke Apparat, die grassierende Steuerflucht: „Das hätten unsere nächsten Spiele sein können. Alle hätten mitgemacht.“ Bloß einer machte nicht mit: Das alte System.

Eine Vollbremsung sei das gewesen 2004, meint auch der Verleger Fotis Georgeles: „Und wenn du eine Vollbremsung machst, dann haut es dich eben durch die Windschutzscheibe.“

In der vom Weltwirtschaftsforum erstellten Rangliste der Wettbewerbsfähigkeit stand Griechenland im Jahr 2000 auf Platz 33. Ende 2009 stand es dann auf Platz 71, hinter Botswana und Kasachstan…

Auch unter der neuen Syriza-Regierung hat sich nicht viel geändert. Schmiergeld gibt es noch immer, nur die Preise sind gefallen.

Naja, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Die nette EU wird uns bestimmt auch aus diesem Schlamassel raushauen, so großzügig, wie die in den letzten Jahren schon waren…


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Und wie sagte mir mein Freund Kostas: „Die griechische Mafia ist die einzige Mafia weltweit, die jemals pleite gegangen ist“.

Lentz

Und noch ein Tipp: Wer unverhofft in die Fallen des griechischen System gestolpert ist, der braucht professionelle Hilfe. Und die Profis gibt es: Detektei auf Kreta im Einsatz. Da wird dir geholfen.

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