Nationalfeiertage auf Kreta – der 17. November.

Denkmal in Ierapetra

Dass die Griechen im Allgemeinen und die Kreter im Besonderen gerne feiern, ist ja wohlbekannt. Wahrscheinlich gibt es deswegen in Griechenland auch gleich mal 3 Nationalfeiertage – für alle Fälle!
Und die sind am 25. März, am 28. Oktober und am 17. November.

Letzteren wollen wir aus aktuellem Anlass (siehe Datum) – einmal näher beleuchten, damit Ihr Euch nicht wundert, wenn Euch an diesem Tag jede Menge Kinder und Jugendliche begegnen, die zu dieser Zeit eigentlich in der Schule sein sollten, stattdessen aber Blumen an (Freiheits-) Denkmälern niederlegen.

Hier der historische Hintergrund eines großen griechischen Tages:

Am 17. November 1973 wurde in Griechenland der Aufstand der Studenten des Athener Polytechnikums gegen die herrschende Militärdiktatur blutig niedergeschlagen. Vorausgegangen war eine jahrelange Serie von Ereignissen und darauf folgenden Protesten der Bevölkerung – vor allem der Studenten.

Seit April 1967 herrschte in Griechenland eine Militärdiktatur unter der Führung von Georgios Papadopoulos. Diese Diktatur verhaftete kategorisch und vorsichtshalber einfach mal alle politischen Gegner. Die Demokraten, darunter auch der spätere Ministerpräsident Konstantin Karamanlis (Onkel des bis vor 6 Jahren amtierenden gleichnamigen Ministerpräsidenten) wurden ins Exil geschickt. Anhänger der linken Parteien wurden gefoltert, getötet, auf abgelegenen Inseln inhaftiert oder unter Hausarrest gestellt.

Ab 1970 fing die griechische Junta an, sich auch in interne Strukturen der griechischen Studenten in ganz Griechenland einzumischen. So wurden z.B.  die Studentenwahlen abgeschafft und statt dessen Junta-Anhänger als Vorsitzende der Studentenvereinigungen eingesetzt. Das erste Zeichen des Widerstandes der griechischen Studenten gegen die Junta setzte ein Geologiestudent, der sich im italienischen Genua selbst anzündete, um auf das griechische Militärregime aufmerksam zu machen.

Am 5. Februar 1973 beschlossen die Studenten der Technischen Universität in Athen, dem Unterricht fern zu bleiben. Am 13. Februar demonstrierten hunderte Studenten auf dem Campus der Technischen Universität. Die Junta gab den Befehl, das Gelände durch Polizei und Militär stürmen zu lassen. Es wurden mehrere Studenten verhaftet und zum Militärdienst zwangseingezogen, wodurch das Regime sie im Auge behalten wollte.

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Kinder am Nationalfeiertag

Am 21. Februar 1973 besetzten mehrere Hundert Studenten der Athener juristischen Fakultät ihre Universität und verbarrikadierten sich im Gebäude, um gegen wiederholte Verhaftungen und den Einzug zum Militärdienst ihrer Kommilitonen zu protestieren. Sie schworen auf dem Dach des Gebäudes, den Kampf gegen die Junta und ihre ungerechten Gesetze nicht aufzugeben.

Diesmal verletzte die Polizei zwar nicht nochmals das griechische Universitätsasyl, verprügelte und verhaftete aber auch wieder mehrere Studenten, die außerhalb des Gebäudes demonstrierten. Am 14. November 1973 beschlossen die Studenten der Technischen Universität Athen wieder, vom Unterricht fern zu bleiben und verbarrikadierten sich auf dem Universitätsgelände. Durch den Befehl der Junta wurde das Universitätsgelände  durch Polizei und Militär mit Panzern umstellt, es wurde aber nicht eingegriffen.

Ein eigener Radiosender

Und nun dachte sich ein Student der Elektromechanik eine ganz besondere Art des Protestes aus: er bastelte in wenigen Stunden einen eigenen Radiosender zusammen. Ab sofort wurde immer wieder gesendet, dass das Volk und die Studenten einen gemeinsamen Kampf gegen das Regime führen sollten. Mehrere Studenten sendeten rund um die Uhr die Parolen gegen das Regime. Am 17. November um 3 Uhr Nachts gab die Junta dann schließlich den Befehl, das Universitätsgelände zu stürmen. Einer der Panzer fuhr sogar gegen das massive Gittertor, obwohl darauf mehrere Studenten saßen, und überrollte einige davon.

Der Student am Radiosender flehte die Soldaten an, sie sollten die Befehle doch bitte nicht befolgen und sang in seinem Radio schließlich ob seiner Hilf- und Ratlosigkeit einfach die griechische Nationalhymne als Appell an beide Seiten.

Leider hatte diese Aktion aber auch keinen Erfolg: Polizei und Militär eröffneten das Feuer gegen die Studenten. Auch Scharfschützen auf umliegenden Gebäuden schossen gegen die flüchtenden Studenten. In ganz Athen kam es zu Ausschreitungen, die mehrere Tote forderten. Noch heute ist nicht klar, wie viele Leute ums Leben kamen und wie viele verletzt wurden.

Die Militärdiktatur sprach von identifizierten 23 Toten und 16 unbekannten. Reporter gingen von annähernd hundert Toten und vielen Hundert Verletzten aus. Ausgelöst durch diese Ereignisse fiel das Millitärregime wenige Zeit nach dieser tragischen Nacht in Athen.

Seitdem wird  jedes Jahr am 17. Novembern den Opfern gedacht. In Schulen und Universitäten wird kein Unterricht, dafür aber werden  Gedenkveranstaltungen abgehalten, Kränze niedergelegt und Parolenlieder der damaligen Zeit damals gespielt und gesungen. Geschäfte, Behörden und Restaurants sind allerdings zu den üblichen Zeiten geöffnet – feiern kann man ja auch während und nach den Arbeitszeiten… 😉

Radio Kreta – immer gut informiert!


streamplus.de

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2 Kommentare

  1. Hallo Susanne, zu erwähnen ist jedoch, dass Papadopoulos von Joannidis gestürzt worden ist, weil P. kleine „Reformen“ durchführen wollte, wie Freilassung aller politischen Gefangenen. Joannidis wurde gestürzt, nachdem sein Abenteuer In Zypern misslang, was damals der Nato so gar nicht gepasst hatte und die griechische Invasion in Zypern militärisch ein Misserfolg war und den Zusammenbruch der Junta beförderte.
    Am 24.7.1974 wurde K. Karamanlis im Flugzeug von D`Estaing in Athen eingeflogen, wo er dann zum Ministerpräsidenten ernannt wurde.

  2. Soo lange ist es ja noch gar nicht her, aber man vergisst so schnell…… Gut, wenn dieser so wichtige Teil der jüngeren griechischen Geschichte immer wieder in Erinnerung gebracht wird. Danke!!!

Kommentare sind geschlossen.