Nicht nur die EU verzweifelt an diesem Land.

Ich auch

Christa Braun, Sellia, Kreta

Im Sommer 2005, Juli oder August, entdeckte mein Nachbar gegenüber bei Grabungen auf seinem Grundstück eine Quelle, beziehungsweise einen Wasserstrahl mit einem Durchmesser von ca. 25cm. Mein Haus und Grundstück liegen unterhalb auf der gegenüberliegen Straßenseite und im Winter 2004/2005 zeigten sich in meiner Einfahrt (ca. 15cm Beton mit Eisen) Risse. Bei eben diesem Wasserfund waren Herren der Gemeinde (darunter der Bürgermeister der damaligen Gemeinde Finikas und der Ortsvorsteher von Sellia) und Herren der Präfektur Rethimnon anwesend. Ich habe die Herren auf die, damals noch geringen, Schäden in meiner Einfahrt hingewiesen. Nichts ist passiert.

Sellia Schild
Herzlich Willkommen in Sellia

Im Laufe der Jahre habe ich etliche Beschwerdeformulare bei der Gemeinde eingereicht und ich kann schon gar nicht mehr sagen, wie oft ich dort persönlich vorstellig geworden bin. Anno 2010 erhielt ich vom damaligen Bürgermeister des Bezirks (jetzt Agios Vassilios) ein Schreiben, in dem er mir mitteilte, daß das Problem an die technische Abteilung weitergeleitet und diese damit beauftragt wurde das Wasser abzuleiten. Nachdem innerhalb eines halben Jahres nichts passierte suchten wir den Herrn Bürgermeister persönlich auf und verwiesen auf sein Schreiben.

„Das habe ich nicht geschrieben“ war sein einziger Kommentar und hat uns nicht weiter beachtet. Dennoch gab es hilfreiche menschliche Wesen und es erschien irgendwann nochmals (ich kann nicht mehr sagen, wie viele davon bereits da waren) eine Delegation zur Begutachtung. Bis man dann nach Monaten entschied, daß dieses Problem Sache der Präfektur in Rethimno sei. Also ging alles wieder von vorne los. In der Zwischenzeit hatten die Risse in der Einfahrt bereits ca. 20cm erreicht und sich vermehrt. Die Natursteinmauern neigten sich bedrohlich und zeigten ebenfalls starke Risse.

sellia-collage

Eine Mauer hatten wir bereits neu errichten lassen, da sie drohte umzufallen. Das ganze Problem wurde auch von Seiten der Präfektur mehrmals begutachtet, notiert und fotografiert, aber nichts ist passiert. Im November 2014 schaltete ich dann einen Anwalt ein in der Hoffnung, daß mein Problem nun doch endlich gelöst und es dazu führen würde, daß das Wasser abgeleitet wird. Auch mit ihm gab es wieder dieses ewige Hin und Her zwischen Gemeinde und Präfektur, bis endlich eine Dame der Präfektur sich dazu bereit erklärte die notwendigen Arbeiten ausführen zu lassen. Angeblich würde dies die Firma, die die Strasse von Bale nach Kanevos gebaut hat, nächste Woche ausführen. Das Problem liege jedoch bei einem Nachbarn, auf dessen Grundstück das man arbeiten müsse und dieser wohne in Athen und sei nicht zu erreichen. Daraufhin rief diesen besagten Nachbarn an – er wohnt in Rethimnon. Das war vor 4 Wochen. Natürlich ist nichts passiert.

Vorgestern hatte ich nun gemeinsam mit meinem Anwalt einen Termin bei besagter Dame in der Präfektur, bei dem sie uns wieder bestätigte, daß das Problem gelöst wird. Es hinge jetzt lediglich an dem Baggerführer und ich möge mich mit ihm in Verbindung setzen und fragen, wann er denn gedenke zu beginnen. Ich rief ihn also an und er meinte es fehle nur noch ein Papier, aber er sei in 10 Minuten bei mir. Darauf warte ich jetzt noch. Gestern morgen rief ich ihn abermals an und er sagte mir, daß man nichts machen werde, da kein Geld vorhanden sei. Also rief ich wieder bei der Dame in der Präfektur an, die mir versicherte, sie würde sich mit dem technischen Leiter in Verbindung setzen. Auch diesen erreichte ich dann auch und er teilte mir mit, daß man auf den Nachbargrundstück, also bei mir nebenan, graben würde. Was soll das denn bewirken? Mein Problem liegt auf der anderen Straßenseite und nicht nebenan. Das versuche ich seit 10 Jahren den Behörden zu erklären, es wurde von selbigen oftmals gesehen, dokumentiert und fotografiert und dennoch wird nichts unternommen.

Sellia Dorf
Sellia oberhalb von Plakias auf Kreta

Heute telefonierte ich abermals mit der besagten Dame der Präfektur und auch diese bestätigte mir, daß man lediglich nebenan arbeiten könne, mein Anwalt wisse das – auf der gegenüberliegenden Straßenseite, da wo mein Problem liegt, sei das Sache der Gemeinde. AAAAHHHHH!!! Ich kämpfe seit 10 Jahren, habe und immer mit demselben Ergebnis – „das ist Sache der Gemeinde“ – „das ist Sache der Präfektur“. Nach zehn Jahren bin ich, auch mit Anwalt, der absolut gar nichts erreicht hat, wieder da, wo ich angefangen habe.

Frage: Wer soll das verstehen?

Woran liegt es, daß man derart gleichgültig mit einem Haus umgeht, welches bald nicht mehr bewohnbar ist, wenn nichts passiert? Warum werde ich permanent und absichtlich belogen? Weil ich eine Frau bin? Weil ich Deutsche bin? Weil ich eine Ξένη bin? Warum kommt man nicht, wenn man sagt man kommt? Warum ruft man mich nicht zurück, obwohl man es sagt? Warum geht man einfach nicht an Telefon, wenn man meine Nummer sieht?

Es ist nichts weiter zu tun, als einen Graben parallel zur Straße zu ziehen und Rohre zu verlegen, damit das Wasser umgeleitet wird. Bloß versteht das von den Einheimischen hier offensichtlich niemand. Und da frage ich noch mal:  WO ZUM TEUFEL SIND WIR HIER???

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2 Kommentare

  1. Liebe Frau Braun,
    Sie kennen vielleicht das Sprichwort:
    „Mit Freunden trink´und lach´,
    aber keine Geschäfte nicht mach´!“

    So ist das eben in Griechenland !
    Vielleicht hilft es, wenn Sie dem Baggerfahrer einen Schein in die Hand drücken und ihn bitten, den Entwässerungsgraben auszubaggern ? Wenn die Präfektur damit nicht einverstanden ist, soll sie Sie doch verklagen ! Dann ist
    a. das Problem gelöst und
    b. die Präfektur am Zuge und nicht Sie !
    Die müssen dann klagen und nicht Sie ! Das werden sie wahrscheinlich nicht wagen, weil sie dann ihr eigenes Versagen erklären müssten !
    Ich wünsche Ihnen weiterhin gute Nerven und viel Erfolg !

  2. Liebe Christa,

    …und da wundert es Sie noch, wie sich die griechische Regierung z.Zt. in den Verhandlungen mit der EU zur Schuldenkrise benimmt?

    Mit Verlaub: ich liebe die Menschen, das Land, das savoir-vivre und habe in über 25 Jahren in diesem Land viele gute Freunde gewonnen. Aber eins ist mir immer klar gewesen – bei aller Liebenswürdigkeit sind sie immer – wenn auch charmante – so doch aber kleine Halunken…

Kommentare sind geschlossen.