Nicht wirklich umgesetztes „Nichtraucherschutzgesetz“: Griechische Regierung unter Druck.

Meine Güte, es kommt aber halt auch keine Ruhe rein – von allen Seiten gibt es Druck auf die griechische Regierung. Nun wird diese auch – laut Apokoronas-News und EURACTIV.com – wegen der nicht oder nur sehr lax umgesetzten europäischen Gesetzgebung zum Nichtraucherschutz unter Beschuss genommen. Laut diesem Gesetz aus dem Jahr 2008 ist das Rauchen an öffentlichen Plätzen untersagt.

Am vergangenen Mittwoch, dem 24. Mai, sagte der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos auf der Internationalen Konferenz über die Tabakkontrolle 2017, die vom Europäischen Netzwerk für Raucher und Tabakprävention (ENSP) in Athen veranstaltet wurde, dass die Anti-Raucher-Kampagne einen nationalen Charakter habe. „Ohne die bisher angewendeten Massnahmen gegen das Rauchen zu unterschätzen, ist für mich die Bekämpfung des Rauchens eine Frage der Bildung“, bemerkte er.

Während der Kommentar bzgl. der „Bildung“ vielleicht auf die immer noch fröhlich rauchenden griechischen Abgeordneten und Politiker zutrifft, die bekannt dafür sind, das Gesetz innerhalb und außerhalb des Parlaments quasi mit Füßen zu treten, scheint die allgemeine Öffentlichkeit langsam ein Verständnis dafür zu bekommen – im Moment beläuft sich das Verhältnis von Nichtrauchern zu Rauchern in Griechenland auf 2: 1.

Raucher vs. Nichtraucher – wie überall auf der Welt

Der Anteil der täglichen Raucher in Griechenland im Jahr 2014 betrug 27%, der dritthöchste in der EU. Ziemlich hoch, aber immer noch besser als die 42% im Jahr 2009, als Griechenland die Liga des Rauchens in Europa anführte. So sagen es zumindest die diesbezüglichen Eurostat-Daten.

Es gibt kaum ein Cafe, eine Bar oder ein Restaurant, wo nicht geraucht wird – auch wenn sich Nichtraucher beschweren sollten. Der Besitzer/Barkeeper/Kellner wird dann jeweils die Entschuldigung bemühen, dass diese Kunden (die Raucher) dann ja evtl. das Etablissement wechseln würden, was natürlich eine Umsatzeinbuße bedeuten würde. Aber immer mehr Menschen (Kunden, Gäste) beschweren sich und so langsam ändert sich die Haltung der Geschäfts- und Restaurant-Inhaber.

So geht´s auch…

Kurios ist, dass die doch – im Rahmen ihrer Möglichkeiten (und das dürften mittlerweile aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten relativ wenige sein) – fröhlich reisenden Griechen in Europa und darüber hinaus nicht dafür bekannt sind, Rauchverbots-Schilder in Großbritannien, Deutschland oder den USA zu ignorieren. Darüber setzt man sich nur im Heimatland hinweg, denn da geht´s ja….

In Griechenland ist die Einhaltung der rauchfreien Umgebungsbedingungen ziemlich schlecht“ – dieses Zitat können wir nur unterschreiben. Die von der Apokoronas News angeführte Begründung dafür allerdings nicht! Besagte Begründung lautet nämlich „zum Teil weil Zigaretten noch billig sind, während alles andere bis zum Umfallen von der Regierung besteuert wird“. Das ist absoluter Quatsch, wenn ein Päckchen Tabak à 30 Gramm mittlerweile € 7,- kostet und davon ca. € 6,50 Steuern und Abgaben sind!

Eine Frage der Erziehung?

Desweiteren findet in Griechenland und vor allem auf Kreta das Leben, also auch das in Restaurants, Tavernen, Kneipen und sonstigen öffentlichen Etablissements zu 80% im Freien statt – da sollte man sich vielleicht lieber mal über die luftverpestenden Mopeds und Pick-Ups beschweren…

Und noch eine Meckerei der berichterstattenden Quelle: Trotz des Werbeverbots gibt es kaum ein griechisches Programm oder einen Film im griechischen Fernsehen, wo die Darsteller sich nicht mehrmals während der Show eine Fluppe anzünden und sie auch noch sichtbar genießen.

Appell der Apokoronas News:
„Wie sollen wir versuchen, die Botschaft an junge Leute weiterzugeben, dass das Rauchen für Sie schlecht ist? Unter diesen Umständen zeigt die Tatsache, dass der Anteil der Nichtraucher zunimmt, ein bemerkenswertes Maß an Bewusstsein und Reife seitens der griechischen Bevölkerung.“

In eigener Sache: Diesen Artikel hat eine niemals nie rauchende Nichtraucherin veröffentlicht, die mit rauchenden Eltern aufgewachsen ist und einen bekennenden Raucher geheiratet hat. Das Thema für mich ist Aufklärung, Toleranz und Freiheit. Toleranz gegenüber dem Anderen und Freiheit der Entscheidung – in diesem Falle, ob man rauchen will, oder nicht. Mit allen Konsequenzen. Und wie ich aus meiner eigenen Kindheit und Jugend weiss, führen Verbote nur zu einem „und jetzt erst recht!“. Hab es nie verboten bekommen – habe nie damit angefangen. Habe Toleranz erfahren, praktiziere sie auch. Vielleicht auch ein Denkanstoß?

Radio Kreta – Freiheit oder Tod (Elefthería i thanatos – ελευθερια η θανατος). Frei nach Nikos Kazantzakis….


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Ein Kommentar

  1. Bravo Susanne.
    Dieser „Nichtraucherschutz“ ist ja mittlerweile zu einer richtigen Hysterie ausgeartet. Toleranz und nicht Diskriminierung – auch den Rauchern gegenüber. Früher ging’s ja auch. Ich finde es extrem fresch und unverschämt, wenn Touristen sich in einer griechischen Taverne, in der die Einheimischen verkehren, daüber beschweren, daß diese dort rauchen. Das tun die dort das ganze Jahr über und da kommt ein Touri, der 14 Tage hier ist, und möchte ihnen das verbieten? Na wo sind wir denn? Diese sollten sich erst mal darüber informieren, wie man sich in einem fremden Land als Gast verhält.
    If you go to Rome, do what the Romans do!
    Ich wurde selbst auch schon blöde angemacht, hier und auch in Deutschland.
    Sorry Leute, aber das „Nichtraucherabteil“ ist auch im Sommer und bei schönem Wetter drinnen.
    Die Schlimmsten sind die makrobiotisch-dynamischen Dinkelheinis, die mit ergonomischem Fahrrad und Helm vor dem Bioladen vorfahren und hinter sich einen Anhänger herziehen, der mit 4-5 Kindern, ebenfalls alle mit Helm, bestezt ist und genau in Auspuffhöhe liegt. Was soll man denn davon halten?
    Also bitte, etwas Toleranz und vor allem Respekt vor den Leuten, die in dem Land leben, in dem man zu Gast ist.

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