Niko erzählt… „Von Erdbeermarmelade“.

Nikos erzählt….  Geschichten von Kreta und anderswo

Kostas, mein Cousin, ist ein sehr feinsinniger Mensch, der nicht versucht, einem ständig auf der Pelle zu sitzen, obwohl er sich immer sehr freut, wenn wir nach Heraklion kommen.

Er lässt uns trotz der räumlichen Nähe sehr viel Privatsphäre. Als Beispiel möchte ich von unserem morgendlichen Ritual erzählen. Wenn es irgendwie geht, frühstücken wir im Hof. Kosta wartet dann ab, bis wir mit dem Frühstück fertig sind, um dann herunter zu kommen, damit wir gemeinsam eine zweite Tasse Kaffee trinken. Der Wahrheit muss ich schon gerecht werden, Kaffee trinken wir, Kosta trinkt ein Schokogetränk. Ein Dreiundsechzigjähriger mit Vollbart und guten 130 Kg Lebendgewicht braucht seinen Schokotrunk. Dieses Baby ! Aber wie sagt der gemeine Lateiner: Über Geschmäcker kann man sich streiten.

Eines Morgens saß also Kostas bei uns und sah nachdenklich aus. „Was ist mit Dir los,“ fragte er mich,  „brauchst Du Hilfe, hast Du irgendwelche Schwierigkeiten?“ Verdutzt schaute ich ihn an. Ich kenne seinen Humor und meinte, ich würde grimmig schauen, um mal seinen Gesichtsausdruck nachzuahmen. „Quatsch jetzt, was hast Du? Seit 40 Jahren bringst Du immer aus Deutschland Deine wie Du sagst „einzigartige Marmelade“ mit, und ich habe es gestern beobachtet wie auch heute: Du hast keine da. Hast Du sie vergessen oder sind die pleite gegangen?“

Unsere Lieblingsmarmelade

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Nikos Lieblingsmarmelade

Wie fast immer hatte Kostas Recht, jedes Mal wenn wir verreisen nehmen wir einige Gläser Erdbeermarmelade und zwar die Sorte Erdbeere Extra von XY (Will keine Schleichwerbung machen) mit. Als ich früher beruflich ganz Europa bereiste, hatte ich auch immer, wenn eine  Übernachtung anstand, ein Glas mitgenommen.  Ob Birmingham, Madrid, Barcelona, Amsterdam, Kopenhagen, Mailand, Athen, Erdbeermarmelade von XY war stets mein Begleiter.

Es versteht sich, dass auch meine Frau immer einige Gläser mit in den Urlaub nahm. Thessaloniki, Zakynthos, Mytileni, Thassos, Kreta. Zum Frühstück kam mir nichts Anderes auf den Tisch. Was war passiert…

Einige Wochen vor dem Trip nach Heraklion merkte ich, dass die Konsistenz der Marmelade eine ganz andere war. Wir kauften auch einige Gläser von einem anderen Geschäft und sehr bald wusste ich, dass diese Charge mit einer bestimmten Nummer nicht gekauft werden kann. Beim nächsten Einkauf jedoch kam dasselbe Problem auf, und somit war ich gezwungen, an den Hersteller zu schreiben. Die Antwort die ich erhielt erfreute mich nicht.

Dort war zu lesen: „Wir haben die Rezeptur im vergangenen Jahr in einer Konsumentenforschung auf den Prüfstand gestellt. Aus dieser Markforschung ging hervor, dass unsere Konfitüre geschmacklich zwar sehr beliebt ist, viele unsere Verbraucher sich jedoch eine weichere und streichfähigere Konsistenz wünschen. So haben wir reagiert…….“

Hier sollte ich erwähnen, dass ich jemanden kenne, der ein Leberwurstbrötchen nimmt, Nutella noch draufschmiert, dieses dann in eine Sardinenbüchse tunkt und dann isst.

Wenn diese Konsumentenforschung mit Leuten ähnlichen Geschmacks durchgeführt wurde, verstehe ich das Ergebnis.

Kostas fragte dann, was ich jetzt zum Frühstück esse, und ich wusste eigentlich keine gute Antwort, weil ich alle möglichen Marmeladensorten ausprobiert hatte und keine an meine Ex-Heißgeliebte Erdbeermarmelade heranreichen konnte. Kostas meinte dann, ich würde doch wöchentlich Kolumnen bei Radio Kreta schreiben und ich solle diese Geschichte erzählen und es wird sich bestimmt jemand finden, der mir hier auf der Suche nach der richtigen Erdbeermarmelade behilflich sein kann.
„Du hast wie immer die richtige Idee“, sagte ich zu Kosta und er meinte lapidar:

„Lieber Gott, wir haben nur ein Leben, danke dass ich es als Grieche leben darf“.

Euer Niko


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