Nikos erzählt…. Argiris und der Bankkredit.

Nikos erzählt…. Geschichten von Kreta und anderswo

Argiris ist ein alter Freund von Kosta. Wir hatten ihn vor circa drei oder vier Jahren kennen gelernt. Argiris ist, wie man so schön zu sagen pflegt, etwas einfach gestrickt, was nicht heißen soll, dass er nicht intelligent sei. Nein, ich meine, er sieht weiß als weiß und schwarz als schwarz. Für ihn würde 1 plus 1 immer 2 sein.

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Eine Bank auf Kreta

Argiris lebte eine Zeitlang in Deutschland. Im Frankenland hatte er eine gute Arbeitsstelle und als fleißiger und gewissenhafter Kreter kaufte er sich ein kleines Haus als Sicherheit für „später mal“ und um seinen Kindern etwas zu hinterlassen. Fast den ganzen Kredit hierzu hat er sich über eine Lebensversicherung und einen Bausparvertrag absichern lassen.

Dann geschah das, was man nicht planen kann. Sein Vater wie auch sein Bruder starben bei einem Verkehrsunfall und über kurz oder lang musste sich Argiris entscheiden, ob er nicht die kleine Ölmühle seines Vaters weiter betreiben sollte. Der Familienrat entschied sich, nach Griechenland zurück zu kehren, um nahe der Lassithi Hochebene den kleinen Familienbetrieb fortzuführen. Die Schulden für das Haus betrugen noch gute Einhunderttausend Euro.

Wir überspringen knapp sieben Jahre

Die Ölmühle entwickelte sich nicht so, wie man es sich erhofft hatte. Mit der Dresdner Bank einigte man sich auf eine Stundung der Zahlungen. Argiris, inzwischen in den Ortsvorstand seiner Gemeinde gewählt, war wie jeder logisch denkende Mensch, der nicht nur bis auf 3 sondern auch weiter zählen kann, empört über die Oberlehrerart mancher Politiker, die mit erhobenem Zeigefinger alle anderen nur nicht sich selbst in die Pflicht nehmen.

Die Tatsache lässt sich nicht leugnen, dass Deutschland elf Milliarden Euro aus einer Zwangsanleihe aus dem Zweiten Weltkrieg Griechenland schuldet. Der mit der Anleihe verbundene Zwangskredit in Höhe von ursprünglich 476 Millionen Reichsmark war 1942 der Deutschen Reichsbank von der griechischen Zentralbank gewährt worden, um die Besatzungskosten zu decken. Die Rückzahlung, die noch vor dem Ende des zweiten Weltkriegs begann, wurde 1953 beim Londoner Schuldenabkommen verschoben. Die Bundesregierung war damals der Meinung dass erst nach einem Friedensvertrag diese Zahlungen fortgesetzt werden, da nicht nur die Hälfte Deutschlands (BRD) dafür aufkommen sollte. Die Rückzahlung wäre noch sehr verfrüht. 1990 gab es jedoch keinen FRIEDENSVERTRAG, sondern einen 2+4- VERTRAG. Nach Wiedervereinigung Deutschlands hieß es wiederum, dass es jetzt für das Erheben eines Anspruchs sehr spät sei.

So kann man auch alles schön weg reden.

In einer lauen Sommernacht hatte Argiris nach dem Studium der geschichtlichen Fakten eine Idee, die ihn veranlasste, Kosta zu kontaktieren, der mich daraufhin ansprach. Die Grundidee: Seit dem Januar 2009 ist die Commerzbank alleiniger Eigentümer der Dresdner Bank. Die Verschmelzung der Dresdner Bank AG zur Commerzbank AG wurde im Mai 2009 in das Handelsregister eingetragen. Im Oktober 2009 stellte die Commerzbank ihr neues Firmenlogo als „sichtbares Zeichen des Zusammenwachsens“ vor. Da sagte sich Argiris: „Meinen Kredit habe ich ja bei der Dresdner Bank. Die gibt es nicht mehr, also ist mein Kredit auch nicht mehr existent.“

So kann man auch alles schön wegreden.

Am Mai 2015 wird er nun nach Deutschland reisen und ich solle ihm dabei behilflich sein, seinen Gedanken umzusetzen. Kosta, der sich als Argiris‘ Fürsprecher entpuppt hat, meinte:

Lieber Gott, wir haben nur ein Leben, danke dass ich es als Grieche leben darf.

Euer Niko


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