Nikos erzählt…. „Eine Geschichte aus Heraklion“.

Nikos erzählt…. Gedanken am Löwenbrunnen

„Ich will mich nicht für Dieses oder Jenes entscheiden. Ich will das Richtige tun,“ sagte der Mann zu seiner Frau, die neben uns an einem kleinen runden Tisch saßen und sich ihren Frappe in einem kleinen Café neben dem Löwenbrunnen in Heraklion schmecken ließen.

Meine Frau und ich sprachen griechisch miteinander, so dass die beiden, mit einem deutlichen schwäbischen Akzent behaftet, sich zwanglos und nicht gerade leise unterhielten und wir dieses Zwiegespräch mit anhören mussten. Beide waren Griechenland-Fans, das erkannten wir sehr bald, nachdem sie über das Diktat der EZB und sonstigen wirtschaftlichen Institutionen herzogen.

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Der Morosinibrunnen [auch Löwenbrunnen], erbaut 1628 auf der von zahlreichen Straßencafés umgebenen Platia Venizelou, bildet das Herz der Stadt. Der aus acht reliefgeschmückten Wasserbecken mit einer von vier steinernen Löwen getragenen Wasserschale in der Mitte bestehende Brunnen wurde über ein 15 km langes Aquädukt aus den Quellen von Archanes gespeist.
„Der Druck auf Merkel wächst, das hört man zurzeit fast jeden Tag“, sagte die Frau. „Sie ist so flach wie eine Flunder, ihr macht der Druck nichts mehr aus“, erwiderte der Mann. „Hör mal“, sagte sie, „ich lese Dir einen Absatz vor“:

Der BND soll dem US-Geheimdienst NSA jahrelang geholfen haben, Ziele auch in Europa auszuforschen. Es geht dabei um große Datenmengen, die der BND an seiner Abhörstation in Bad Aibling abgreift und die die NSA nach europäischen Unternehmen und Politikern durchforstet haben soll. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, dem NDR und WDR nutzte die NSA die BND-Abhörstation auch zum Ausspähen hochrangiger Beamter des französischen Außenministeriums, des Élysée-Palastes in Paris und der EU-Kommission in Brüssel.

In Bad Aibling belauscht der BND internationale Satellitenkommunikation, angeblich vor allem aus Krisenregionen wie Afghanistan oder Somalia. Es ist aber nicht ganz klar, was dort tatsächlich alles abgefischt wird. BND und NSA vereinbarten vor Jahren, dass die Amerikaner nach bestimmten Suchmerkmalen (Selektoren) Zugriff auf diese Daten bekommen – zur Terrorbekämpfung und unter Einhaltung deutscher Interessen. Die Amerikaner hielten sich aber wohl nicht an diese Vereinbarung, sondern nutzten die Daten keineswegs nur für den Kampf gegen den Terror, sondern möglicherweise auch zur Wirtschaftsspionage und für andere Zwecke, die deutschen und europäischen Interessen zuwiderlaufen (Quelle dpa)“.

Das Lied vom Grexit

Sie trank einen Schluck Kaffee, ließ ihren Blick um den Platz streifen und atmete lauthals aus. „Da wird das eigene Volk als dumm verkauft, da spioniert man gegen die einheimischen Unternehmen und keiner geht auf die Barrikaden. Man schafft dabei Nebenkriegsschauplätze, schimpft auf die faulen Griechen und alle zwei Wochen werden die ‚Großen Worte‘ ausgepackt. Es wird ermahnt, gewarnt und gedroht und die Blicke in erster Linie der Leser von Boulevard-Zeitungen werden größer und man singt das Lied vom Grexit.

Der Mann wischte sich einige Schweißtropfen von der Stirn. „Ich habe gestern von Antonis einen Witz gehört, warte, vielleicht bekomme ich den noch zusammen: Also ein Bankier, ein Bild-Zeitungs- Leser und ein Grieche sitzen an einem Tisch. Mittendrin steht ein Teller mit zwölf Keksen. Der Bankier schnappt sich elf davon und sagt dann zum Bild-Zeitung Leser: ‚Pass auf, der Grieche will deinen Keks.“

In diesem Moment musste ich lauthals lachen und dem Mann wurde schnell klar, dass wir ihn verstanden hatten. Ich nickte ihm zustimmend zu. In der Zwischenzeit ist der Kellner gekommen, dem wir vor einiger Zeit zugewunken hatten, dass wir zahlen wollten. Er kassierte und das Paar am Nebentisch rief ihm auch zu. Der Kellner winkte ab und zeigte auf uns. „The bill is already paid“.

„Vielen Dank“, sagte der Mann, „sehr freundlich von Ihnen“. In der Zwischenzeit waren wir aufgestanden. „Kein Thema,“ sagte ich. „Erlauben Sie mir jedoch, Ihren Satz: Ich will mich nicht für Dieses oder Jenes entscheiden, ich will das Richtige tun, zu verwenden.“

„Wenn das auch unsere Politiker, egal wo auf der Welt machen würden, hätten wir viele Probleme weniger,“ sagte die Frau. Meine Frau ergänzte: „Vielleicht hätten wir dann keine Politiker“.

Am Nachmittag kam Kostas zu uns in den Hof und wir berichteten über diese Begegnung. Er meinte: Lieber Gott, wir haben doch nur ein Leben. Danke, dass ich es als Grieche leben darf.

Euer Niko


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