Nikos erzählt…. Es war einmal eine Hochzeit.

Nikos erzählt…. Geschichten von Kreta.

Früher….

Es war Brauch, dass der Freier selbst dem Mädchen seine Liebe erklärte, vielleicht am Brunnen oder auf dem Dorfplatz, indem er ihr einen Apfel oder eine Blume zuwarf, was als Heiratsantrag galt. In manchen abgeschiedenen Dörfern war es üblich, dass der Bräutigam um ein Mädchen anhielt, das er noch nie gesehen hatte, indem er einen Verwandten, der in der Familie desselben Zutritt hatte, mit der Werbung beauftragte.

Hatte manch junger Mann sich in ein Mädchen verliebt, das ihm ihre Eltern nicht geben wollten, so kam es nicht selten zu blutigen Szenen, indem sich manchmal die ganze Dorfschaft gemeinsam aufmachte, um die Geliebte ihres Mitbürgers mit Gewalt zu entführen. In manchen Landstrichen griffen verzweifelte Liebhaber häufig zu dem extremen Mittel, dem Mädchen ihrer Wahl öffentlich das Tuch vom Kopfe oder das Halstuch von der Brust zu reißen, was für eine solche Schmach gehalten wurde, dass die Eltern in die Heirat einwilligen mussten, um die Ehre ihrer Tochter und ihres eigenen Namens wieder herzustellen.

Die Hochzeit auf den Inseln

Da auf den Inseln Dienstag und Freitag als Unglückstage gelten, wird vielerorts gern am Sonntag oder Donnerstag geheiratet. In den Städten lässt man sich auch Samstags trauen. Am Abend vorher wurde dem Brauch gemäß die Braut zum Schminken geführt und ihre Ausstattung auf Pferden im Dorf zur Schau umher geschleppt, während zur gleichen Zeit ihre Kleider von Kindern in Körben in den Straßen herumgetragen wurden. Im Hochzeitshaus fingen inzwischen die Tänze an, und die Braut, mit Goldfäden im Haar und einer Purpurbinde um den Kopf, ging allen eintretenden Männern entgegen, um ihnen demütig die Hand zu küssen.

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Eine Hochzeit auf Kreta.

Bei der Trauung war es Sitte, dass sie wie ein Opfer dem Altar zu schwankt, und abends musste sie sich mit Gewalt aus den Umarmungen der Ihrigen losreißen und, geleitet von ihren weiblichen Verwandten, unter unzähligen Glückwünschen und dem Gesang von Hochzeitsliedern das Haus der Eltern verlassen. Ein Kind, das ihr einen Spiegel vorhielt, ging ihr voran, und auf der Mitte des Weges kam ihr der Bräutigam mit seinem Gefolge entgegen, um sich an die Spitze des Zuges zu setzen.

Hatte man das Haus des Mannes erreicht, stellte sich dieser zur Linken seiner Frau auf, und nun wurde das junge Paar mit einem wahren Regen von Blumen, Früchten, Nüssen und Zuckerwerk überschüttet. Die junge Frau wurde, da es eine Vorbedeutung schlimmster Art sein würde, wenn sie beim Eintritt in das neue Haus den Boden berührte, rasch über die Schwelle gehoben, und musste, bevor sie zu Bett gebracht wurde, zum Beweis ihrer Jungfräulichkeit noch auf ein Sieb aus Fell steigen, um es zu durchtreten.

War der Vater der Braut außer Stande, die Mitgift sogleich bei der Hochzeit zu geben, so blieb bis zu einem mit dem Mann verabredeten Termin die junge Frau im Hause ihrer Eltern, ohne irgendwelchen Umgang mit ihrem Gatten zu haben.

Sobald sie vor ihrem Gatten stand, warf sie sich ihm zu Füssen, küsste ihm die Hände und legte einen Sack und einen Strick vor ihm nieder, um auszudrücken, dass sie die Lasten des Hauses tragen und die Vorräte für den Haushalt bewahren werde. Im Hause selbst versammelten sich die Frauen der Nachbarschaft und priesen in einem mit monotoner Stimme gesungenen Hochzeitslied die Tugenden und Vorzüge der neuen Gattin.

Heute…

Ca. 100 Hochzeitsgäste haben sich in der kleinen Kapelle des Agios Sawas bei Rodgia versammelt. Eine kleine Gruppe, was eine Hochzeitsgesellschaft betrifft, da jedoch Sie wie auch Er zum zweiten Mal den Bund der Ehe schließen wollen, ist das Fest etwas dezenter geplant. Zum Ausgleich sind drei Popen anwesend, die die Zeremonie unter freien Himmel vollziehen. Braut und Bräutigam kommen gemeinsam in einem Auto an und alles ist moderner.

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Bilder von der Hochzeit in Rogdia.

Nach dreißig Minuten abwechselnder Segenssprüche ziehen die Gäste am Brautpaar vorbei, geben dem Bräutigam das obligatorische Geldkuvert, küssen die Braut, wünschen „Na Zeisete“, gratulieren einer gefühlt langen Schlange von engsten Verwandten und dann geht es in die Taverne zum Feiern. Und die Kreter können feiern und essen, doch das ist eine andere Geschichte. Wie sich doch die Zeiten ändern, dachte ich mir nach dem siebten oder achten kretischen Raki.

Sag mal Helga“, sagte ich zu meiner Frau, „wer heiratet als nächstes?“ Yiamas !

Euer Niko


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