Nikos erzählt…. „Filmgeschichten.“

Nikos erzählt…. Eine unendliche Liebe

Immer schon war es ein Traum von mir, einen Kinofilm zu drehen.

Überdimensional und herausragend sollte mein Monumentalfilm sein. Klar müssten von irgendjemandem die enormen Produktionskosten übernommen werden, die durch die große Anzahl von Statisten und Kostümen entstünden. Es versteht sich auch, dass verschwenderische Kulissen her müssten. Wenn ich so darüber nachdenke, würde ich am liebsten eine monumentale Komödie oder ein Melodram drehen, besser gesagt, wir haben uns ja geeinigt, dass ich lediglich darüber schreiben wollte. Dass es eine unendliche Liebesgeschichte werden sollte, war mir bis vor einem halben Jahr nicht bekannt.

In einer stillen Stunde versuchte ich, die Filme, die ich mag, Revue passieren zu lassen. 2001 Odyssee im Weltraum, Heaven’s Gate, Cleopatra, Ben Hur, Gladiator und und und.

Aber im Nachhinein eine Kritik über diese Klassiker zu schreiben, über die schon so viel geschrieben wurde, war auch nicht das, was mir vorschwebte.

„Angie und Alex“, der Film.

Und darum liebe Freunde möchte ich den Film „Angie und Alex“ vorstellen. Bevor ihr jetzt gleich die Kinoseiten aufschlagt möchte ich hinzufügen, dass dieser Film noch nicht fertig gedreht wurde.

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Nikos neuer Film: Angie und Alex.

… es beginnt in einem unendlichen Nichts. In einer rot-gelb- schwarzen Welt ist Angie zuhause. Milch und Honig fließen überall und Angie badet in einer stilvollen goldenen Badewanne. Die andere Welt ist die von Alex, eine blauweiße Welt. Milch und Honig kennen die Bewohner nur noch aus dem Fernsehen.

Man lebt im Einklang mit der Natur und die letzten vierzig Jahre hat man über sich ergehen lassen, dass einige primitive, ferngesteuerte Roboter diese Welt beherrscht haben.

Es gibt klare Vorgaben in dieser wie in jener Welt. So ist auch der Film aufgebaut. Und nachdem wir in den ersten zwanzig Minuten die Unterschiede kennen gelernt haben, erscheint eine dritte Welt. Wir sehen heile-heile-Gänschen-Bilder und die Grausamkeiten dieser Welt existieren nicht. Die Grausamen sind nicht mehr grausam und die guten auf einmal noch besser. Trotz dem großen Unterschied ist der Garten Eden, den Angie und Alex sich erschaffen haben, frei von Konflikten und Spannungen.

Wir schreiben das Jahr 2015 Ende Juni. In einem verriegelten Hotelzimmer in Brüssel treffen sich die zwei Hauptdarsteller und bekunden sich gegenseitig ihre Zuneigung. In einer enormen Tiefenschärfe der Darsteller, einer fast digitalisierten Ausstrahlung, absolut visuell beeindruckend, sehen wir im Mittelteil des Films, wie aus zwei Menschen zwei Liebende werden.

Es ist kein Erotikdrama, es sind keine Sexbesessenen, die sich zufällig trafen und nach einer Nacht des Verlangens wieder ihre Wege gehen, nein, es sind zwei Menschen, die auf der großen Leinwand das interpretieren, was sie im wahren Leben sind: Regierungschefs.

Ein cineastisches Non-Plus-Ultra. Sie mit ihrer holden Weiblichkeit und er, der charismatische Bad-Boy aus einem Athener Vorort, so wie es Szenen in der Filmgeschichte gibt, die kein Cineast jemals vergessen wird: die Tanzeinlage von Travolta und Uma Thurman in Tarantinos Meisterwerk Pulp Fiction, den vielleicht schönsten Satz in der Filmgeschichte: „Ich schau dir in die Augen, Kleines!“ aus Casablanca, oder die Skrupellosigkeit in dem von vielen als besten Film der Welt empfundenen Citizen Kane. Rebellen und Outsider werden in „denn sie wissen nicht, was sie tun“ gezeigt und trotzdem gibt es Räumlichkeiten für die Liebe. Niemals wurden Frustration und Einsamkeit besser in Szene gesetzt als von Ingmar Bergman in „Das Schweigen“.

Aber unser Film hat sehr viel mit Alexis Sorbas zu tun. Hier wird die archaisch-philosophische Frage in den Mittelpunkt gestellt: Kopf oder Bauch. Zwei grundverschiedene Charaktere lernen voneinander. Der eine hemdsärmelig und mit einem Bartansatz, die andere kultiviert im schicken Hosenanzug mit einem erotischen Festspiele-Ausschnitt. Die Prämisse des Griechen lautet: erst leben, dann denken.

Der Film zeigt uns, wie die Hauptdarstellerin von einer vom Volk verhassten Amazone zu einer schmusenden Sissi der Neuzeit wird.

Man könnte dem Film vorwerfen, seine politische Richtung verlassen zu haben. Die Balance jedoch zwischen tragischen und emotionalen Szenen ist gegeben. Ein kraftvoller Inszenierungsstil, überragende Darsteller und ein Kameramann, der die Massenszenen ebenso wie leere Räume grandios einfängt. Das Tempo wechselt und das Leben in Bildern wird zur Magie. Als Angela Merkel brilliert Scarlet Johansson und Alexis Tsipras wird von keinem geringeren als Bradley Cooper dargestellt. Als Komparsen haben sich Christine Lagarde und Wolfgang Schäuble dem Regisseur angeboten, der sich jedoch lieber für Dagobert und Daisy Duck entschieden hat.

Wenn der Nachspann nach 120 Minuten beginnt, wird im Kinosaal kein Auge mehr trocken sein. Die Zuschauer gehen nach Hause mit dem Gedanken: Was ist Dr. Schiwago, Angie und Alex muss man gesehen haben.

Kostas hat das Drehbuch durchgeblättert und meinte: Lieber Gott, wir haben doch nur ein Leben. Danke, dass ich es als Grieche leben darf.

Euer Niko


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