Nikos erzählt…. „Mit dem Billigflieger nach Hellas“.

Nikos erzählt…. Sylvester in Thessaloniki

Auf diversen Internetforen wollten wir uns vor dem Flug nach Thessaloniki schlau machen, nicht was die Stadt und die Leute anbelangt, da kennen wir uns aus, da fühlen wir uns daheim, da werden wir immer gut empfangen. Ich meine hier, was die Fluggesellschaften betrifft. Bedingt durch das sehr schmale Zeitfenster, das uns zur Verfügung stand, wählten wir zum ersten Mal einen Billigflieger aus dem englischen Sprachraum, der durch eine doch hohe Flugfrequenz beeindruckte.

Ok, die Erfahrungsberichte waren nicht unbedingt so verfasst, dass wir bedenkenlos die Reise angetreten sind, aber wir trösteten uns damit, indem wir uns sagten, gegoscht wird überall und immer, wir testen es mal selber aus.

Von Frankfurt-Hahn nach Thessaloniki

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Der weisse Turm von Thessaloniki

Als Abflugstation war Frankfurt- Hahn angegeben, was das mit Frankfurt zu tun hat weiß ich nicht, Frankfurt liegt über 120 km entfernt. Der Flughafen könnte auch Pumuckl heißen. Bei Wikipedia erfuhren wir dann, dass es ursprünglich ein amerikanischer Militärflughafen war und dass viele Amerikaner Schwierigkeiten hatten, die Namen der benachbarten Gemeinden „Lautzenhausen“ und „Büchenbeuren“ auszusprechen, weshalb man aus praktischen Gründen den Ort „Hahn“ als Namenspaten wählte.

Also fuhren wir 235 km von unserem Wohnort zum Flughafen. Über die offizielle Seite der Fluggesellschaft hatten wir auch für unseren 52- Stundentrip einen überdachten Parkplatz gebucht, Kostenfaktor € 33.–. Exakt gegenüber von der Scheune, in der unser Auto Unterschlupf fand, hätten wir in einer Hoteltiefgarage die gleiche Leistung für € 15. — erhalten können. Ursprünglich, so war´s zu lesen, hätten wir das Terminal nach 700m erreichen können. Ok, es waren knapp zwei Kilometer, aber wir wollen nicht kleinlich sein.

Im Ostfriesennerz auf dem Airport

Wir checkten ohne Handgepäck ein. Unseren Koffer hatten wir abgeben und dafür für Hin- und Rückflug € 90.– bezahlt. Wir waren froh, dass der Nieselregen gerade zu dem Zeitpunkt aufhörte, als ein mit Ostfriesennerz bekleideter Führer uns den Weg über die Startbahn zur Maschine zeigte. Wir wären mit Sicherheit pitschnass geworden, wenn das Boarding fünfzehn Minuten früher gewesen wäre. Direkt an der Treppe zum Flugzeug stand ein pickelgesichtiges Wichtelchen, das später sich als Steward abmühte, das Eröffnungsbalett zu absolvieren. Er selektierte das Handgepäck und die etwas größeren Teile wurden in den Bauch der Maschine verfrachtet. Die Chefstewardess, später stellte es sich heraus, dass sie eine Oberbayerin war, hatte Gummistiefel an und sprach nur englisch. Dass das Essen und Trinken extra kostet, wussten wir und so wunderten wir uns nicht, dass fast kein einziger Passagier später irgendetwas trank oder verspeiste. Das enttäuschte mich ein klein wenig, weil ich mich sonst immer köstlich amüsiere, wenn im Flugzeug fast jeder Tomatensaft bestellt.

Was ist ein Priority-Ticket?

Wir hatten uns vorher auch ein Priority Ticket gelöst, was Beinfreiheit bedeutet und das für die Fluggäste in den ersten zehn Reihen ausgestellt wurde. Die Sitze waren jedoch so schmal, dass man, wenn man nicht unbedingt ein Hering ist, zwar durch sein Eigengewicht Platz nimmt, das Aufstehen jedoch Schwierigkeit bereitet, weil man in den Sitzen eingeklemmt ist. Wie auch immer fiel mir der Vergleich mit einer Sardinenbüchse ein und ich gelobte, mir im Supermarkt einen Sardinenbüchsenöffner zu besorgen, um die armen Sardellen zukünftig vom Los des Eingesperrt Seins befreien zu können.

Ein Verkaufsflug: Rubbellose und Parfüm

Dass die Bordtür sich erst nach dem fünften Versuch schloss, möchte ich der Unerfahrenheit meines Stewards zugute schreiben. Erfahren und clever jedoch erwies er sich später, als wir hoch über den Wolken waren und er tatsachlich Rubbellose verkaufte, wobei alles an diesem Tag 10% günstiger war. Nachdem er seine Lose nicht los bekam, versuchte er, Parfüms an den Mann/die Frau zu bringen. Es versteht sich natürlich mit einem Nachlass von 10%. Dann machte er erneut seine Runde. Diesmal waren es wieder Rubbellose, die wie aus Zauberhand nur noch die Hälfte kosteten. Ich erinnerte mich an die Verkaufsfahrten, die früher meine Mutter mitmachte. Es war wirklich amüsant und interessant, wie die vier, ja tatsächlich vier Flugbegleiter, sich eine Beschäftigung suchten, da die Passagiere nicht sehr einkaufswillig waren. Sie fanden sie: ohne Scheiß, zwei der netten, zwar weniger hübschen aber dafür jungen Damen saßen auf ihren Notsitzen und falteten Toilettenpapier! Ich fragte meine Frau, ob sie dieses Papier vorher oder nachher noch bügeln, doch sie gebot mir, etwas mehr Respekt vor dieser doch sehr anspruchsvollen Arbeit zu haben.

Dann kam unsere Gummistiefel- Lady und meinte, dass wir gleich mit dem Landeanflug beginnen werden, merkte sehr bald, dass sie deutsch sprach und schaltete sofort wieder auf Oxford- Englisch um. Ich bekreuzigte mich, als wir landeten, verspannt, steif, verkrampft und hölzern hievte ich mich hoch und verließ die Maschine. Der Gedanke. keine fünfzig Stunden später wieder so zurück fliegen zu müssen, ängstigte mich, aber es würde ja ein neues Jahr beginnen und wer weiss, vielleicht würde alles ganz anders kommen. Als wir im Flughafen waren, rief ich Kosta an und berichtete vom Flug.

Er meinte lapidar: „Lieber Gott, wir haben doch nur ein Leben, danke dass ich es als Grieche leben darf.“
Fortsetzung folgt….

Euer Niko


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