Nikos erzählt…. Schnappschüsse in Heraklion – Teil 2

Nikos erzählt…. Geschichten von Kreta

Wir leben wirklich in einer Zeit, die vielleicht in die Geschichte eingehen wird.

Europa hier, Griechenland dort, wie wenn man sagen würde Köln hier, Dom dort oder München hier, Theresienwiese dort. Kann man so eine Trennung machen? Nein und abermals nein ! Aber ein Kleindenkerhirn ermöglicht alles. Gerade in dieser Zeit verbrachten und verbringen wir Tage auf Kreta. Das Meer ist völlig überraschend wie immer blau, der Himmel auch total ungewöhnlich sonnig, das Wetter total befremdlich heiß und die Menschen na ja, fast wie immer. Stets freundlich, stets mit einem Willkommen auf den Lippen, trotzdem mit einer Bitterkeit, einer Verunsicherung in den Augen.

Einige der unzähligen Momenten von Glück und Trauer möchte ich gerne wiedergeben.

Die alte Frau

Eine der wirklich sehr wenigen Macken, die ich habe, ist die, dass ich zum Frühstück immer frisches Brot oder Brötchen brauche. Und da es hier auf Kreta ein wahnsinnig leckeres Weißbrot gibt (ich hoffe, dass mein Hausarzt das jetzt nicht liest), bin ich jeden Morgen beim Bäcker und hole zwei Brote. Eins mit und eins ohne Sesamkörner. Ich liebe Sesamkörner!

koulouri
Koulouri – der griechische Sesamkringel.

Also ich komme aus der Bäckerei, einen Sesamkringel im Mund und in der Tasche die zwei Brote. Da höre ich eine kaum vernehmbare Stimme. Eine ältere Dame, ich verwende absichtlich dieses Wort, gut angezogen und sehr gepflegt, stand vor mir. „Haben Sie mich angesprochen?“ fragte ich. Etwas beschämt zeigte sie mir zwei 20 Cent Stücke in ihrer Hand. „Haben Sie vielleicht noch 50 Cent, damit ich ein Brot kaufen kann?“ Sie sagte es mit demütiger und durchaus glaubwürdiger Miene.

Ich griff in meine Tasche, drückte ihr mangels Kleingeld einen Fünf Euro Schein in die Hand und wollte weiter, da hielt sie mich an der Hand fest. „Nein, nein, mein Herr, ich will lediglich nur 50 Cent, bitte warten Sie, ich kaufe ein Brot und gebe Ihnen das Restgeld.“ „Behalten Sie es,“ sagte ich. „Auf keinen Fall, vielen Dank, nein.“ Ich entzog ihr meine Hand und legte sie sanft auf ihre. „Bitte behalten Sie das Geld, und wenn Sie am Sonntag in der Kirche gehen, zünden Sie bitte zwei Kerzen zur Erinnerung an meine Eltern an.“

Ich denke, es gibt Augenblicke, die man niemals vergisst. Dieses war so einer für mich. Kostas sagte daraufhin: Lieber Gott, wir haben nur ein Leben. Danke, dass ich es als Grieche leben darf.


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Schnappschüsse in Heraklion – Teil 1

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