Nikos erzählt…. „vom Kloster Savathianon“.

Im Kloster Savathianon

In diesem idyllisch gelegenen Nonnenkloster unweit von Heraklion wollten wir die Osternacht verbringen. Unsere griechische Verwandtschaft sagte uns, dass wir das Auto weit weg parken müssten und uns den Weg zum Kloster mit Hilfe von Kerzenlicht suchen müssten.

Wir natürlich, als moderne Menschen, nahmen Taschenlampen mit. Kaum hatten wir den angekündigten Fußmarsch angetreten, waren wir auch schon da. Griechen und ihr Einschätzen von Entfernungen benötigt eine separate Geschichte. Es war eine wunderbare Atmosphäre, und das, was Cousine Vasso sagte, nämlich dass die Gebete und Psalmen der Nonnen unsere Ohren erfreuen würden, war auch nicht übertrieben. Es war wirklich so wunderschön, dass wir uns fest vorgenommen haben, das kommende Osterfest auch hier in Savathianon zu erleben.

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Moni Savathianon

Am Folgetag waren wir immer noch begeistert und beschlossen, das Kloster bei Tageslicht zu besuchen. Wir erfuhren, dass das Kloster während der Türkenherrschaft 1669 zerstört worden war, und als die damaligen Bewohner, es waren Mönche, viele Jahre nach ihrer Vertreibung als alte Männer zurückkehrten, fanden sie nur Ruinen vor. Sie bauten das Kloster erneut auf.

Ende des 19. Jahrhunderts starb der letzte Mönch, der das Kloster bewohnte. Erst nach dem zweiten Weltkrieg kamen Nonnen vom Peloponnes und hauchten diesem wunderschöne Kloster und den herrlichen Gärten wieder Leben ein. Was wir in der Osternacht nur andeutungsweise wahrgenommen hatten, kam uns an diesem Julitag noch erhabener und göttlicher vor. Eine Stille umfing uns, ok, nicht ganz, weil zwei kleine Kindergartenkinder sich gegenseitig mit Grasbüscheln bewarfen und dabei schrien und tobten, während ihre Mütter, auf einer Bank sitzend und rauchend, sich ebenfalls so lautstark unterhielten, dass sie mit Sicherheit auf der 416m hohen Bergspitze des Vovias Vounou zu hören waren. Sie sahen uns kommen und wurden um wenige Dezibel leiser, als wir an der Außenanlage der Kapelle zwei Kerzen anzündeten.

Wir gingen den mit Steinen angelegten Weg weiter und jeder Meter Garten, den wir zu Gesicht bekamen, war schöner und interessanter als der zuvor. Einige Meter entfernt machte sich eine Nonne an einigen Pflanzen zu schaffen, und wie immer erfasste mich die Neugier und der Wunsch nach Unterhaltung. Erstens bin ich orthodox, zweitens beherrsche ich die Sprache, also legte ich los und fragte die Nonne, die weiterhin unbeirrt vor sich her arbeitete:

„Ehrwürdige Mutter, guten Tag. Können Sie uns sagen was das für Blumen sind?“ Sie zeigte keine Reaktion. Sie musste uns doch gehört haben, wir waren doch nur zwei oder drei Meter entfernt und wir sprachen griechisch miteinander. Ich wiederholte die Frage. Nichts! Doch, wenige Sekunden später drehte sie sich zu uns um und nickte stumm. Wie gesagt, ich bin orthodox und begriff deshalb, dass die Nonne sicherlich ein Schweigegelübde abgelegt hatte, und schon war es mir peinlich, sie angesprochen zu haben. Ich nickte ebenfalls stumm und wir gingen weiter.

Als wir wieder zurückkehrten, wollten wir noch zur zweiten kleinen Kirche gehen, die dem Heiligen Antonius geweiht ist. Hier zündeten wir ebenfalls zwei Kerzen an, bekreuzigten uns und wollten die Kirche wieder verlassen, als eine andere Nonne, die in ihrer Bibel las, den Kopf hob und sagte: „Gott mit Euch.“ „Vielen Dank“, sagten meine Frau und ich gleichzeitig, und schon erhob sie sich und reichte uns die Hand. „Wartet, ich gebe Euch ein kleines Heftchen über unser Kloster mit“, sagte sie. Wir bedankten uns nochmals und beim Gehen fragte ich vorsichtig, ob nicht alle Nonnen ein Schweigegelübde abgelegt hätten. „Schweigegelübde? Nein das haben wir nicht.“ Als ich nach der älteren Nonne fragte, die im Garten draußen arbeitete, schaute sie mich lächelnd und ohne Ironie an. “Sie sprechen sicherlich von der Moni Ioanna, sie hört nichts, schon seit vielen, vielen Jahren.“

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Als wir wieder im Auto waren, sagte meine Frau nichts, aber ich begriff, dass sie meine Vermutung mit dem Schweigegelübde doch sehr amüsierte. Wie sagt mein Cousin Kostas: „Lieber Gott, wir haben doch nur ein Leben. Danke, dass ich es als Grieche leben darf“.

Euer Niko


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