Nikos erzählt…. „Wir haben die Wahl“.

Nikos erzählt…. „Rechts, Links, Rechts, Links“.

Zeitungen, Radio, Fernseher sind voll davon. Und jetzt kommt eine weitere Nikos- erzählt- Geschichte mit dem Thema Tsipras?

NEIN! Ich unterstelle mir zwar gesunden Alltagsverstand, aber ein Politologe bin ich nicht. Stattdessen möchte ich gerne einige Telefonate, die ich mit Verwandten und Freunden in Kreta in der letzten Woche führte, zusammenfassen.

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Karikatur von Freund Klaus Stuttmann.

Ich fragte meinen Freund Stamatis, was er über die neue Regierung denkt und er meinte lapidar: „Ich habe mit meinen 64 Jahren niemals links gewählt, aber dieses Mal wählte ich Tsipras. Ich will doch nur ein bisschen leben und nicht im Sumpf untergehen. Ob Tsipras das schafft weiß ich nicht, aber ich weiß, dass über vierzig Jahre lang die Familien Samaras und Papandreous das Land kaputt regiert haben. Jetzt sehe ich in den Nachrichten, wie die Minister und Präsidenten der großen europäischen Länder warnen und drohen.

Wissen die überhaupt, was hier alles los ist?

Wissen sie, dass die Menschen hier sterben, weil sie keine Medizin bekommen oder sich diese nicht leisten können? Dass Familien frieren, weil der Strom abgeschaltet ist? Dass in Athen die Selbstmordrate auf das Doppelte gestiegen ist, weil die Menschen keinen Ausweg mehr sehen? Dass die Renten nicht einmal das Existenzminimum erreichen? Die Menschen sind geschlagen und die offene Einsamkeit breitet sich aus. Wir wollen doch wirklich nur ein bisschen leben. Wir wissen, dass morgen die Sonne wieder scheinen wird, aber nicht für uns. Schau mal die Leute nun an.

Wo ist die Lebensfreude geblieben?

In den Augen der Menschen herrscht Traurigkeit. Die Menschen in Europa müssen erfahren, dass wir Griechen nicht faul und untätig sind. Die Leute in Europa sagen: ‚Ihr habt so viele Milliarden erhalten, wo sind diese?‘ Das habe ich mich auch gefragt, bis die neue Regierung uns zeigte, dass über 90 Prozent dieser Gelder lediglich zur Tilgung von Zinsschulden verwendet wurden. Die, die bis jetzt regiert haben, waren willenlose Marionetten.

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Es reicht nicht zu sagen: Ich tu mein Bestes, man muss es auch angehen. Wir haben eine demokratisch gewählte Regierung und die Damen und Herren in London, Paris und Berlin müssen es akzeptieren. Sicherlich verstehe ich die Angst, weil man merkt, dass in Italien wie auch Spanien auch „Tsiprase“ groß werden. Dieses links, rechts denken ist doch für Unterbelichtete. Da kommen Politiker zu Wort, die meinen, dass Syriza „Populisten“ und „Pegida“ besorgte Bürger sind.

Welche Ironie !

Früher gingen die Leute ins Kino und gruselten sich bei Edgar Wallace, heute sieht man in Alexis Tsipras einen Albtraum mit roter Sichel. Ist die einzige Logik die, dass nur eine Wirtschaftslogik existiert? Oder wird das Schreckensszenario vom Linksruck in den Medien so hochgehalten, weil das Individuum, der einzelne Mensch, nichts mehr zählt?

Tsipras ist nun das Sprachrohr der Alternative, und wenn die Roboter mit Krawatte, die sich Troika nennen, endlich aus Griechenland verschwinden, wird das griechische Volk frei atmen können. Demokratie, was für ein schönes Wort, ein Wort wie Freiheit und Ehre.

Und sag mal“, fuhr Stamatis fort, „warum gönnen uns das die Europäer nicht? Ob Tsipras links oder rechts ist, interessiert mich nicht. Er hauchte jedem Griechen wieder Mut ein und er schenkt uns Hoffnung. Etwas später rief ich Kostas an, er wiederholte fast die gleichen Worte, die Stamatis verwendete und schloss:

„Lieber Gott, wir haben doch nur ein Leben. Danke, dass ich es als Grieche leben darf.“

Euer Niko


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