Nikos spricht…. mit Lavrentis Maheritsas

Ein Interview mit dem großen Maheritsas

Im Spätherbst 2014 hat Lavrentis Maheritsas zwei Konzerte in Deutschland gegeben. Wir hatten uns in Frankfurt verabredet, doch dieses Treffen konnte leider nicht stattfinden, weil die dortige Organisation es nicht zuließ. Maheritsas‘ Management und ganz besonders Kostantinos Balagoudas verhalf mir zu der Möglichkeit, mit dem Künstler ein telefonisches Interview zu führen.

Als ich ihn am Freitagabend anrief, waren die Hintergrundgeräusche so stark, dass er mir kurzerhand seine private Festnetznummer gab und so haben wir folgendes Gespräch geführt:

Niko: Lavrenti, danke für Deine Zeit und vielen Dank für die wunderbaren Werke, die Du komponiert hast. Ein großes Kompliment zu Deiner neuen CD, die mich absolut begeistert hat.

Maheritsas: Na ise kala, danke für Deine Worte.

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Lavrentis Maheritsas

Niko: Mit sechs Jahren sollst Du angefangen haben, Musik zu machen. Wer hat Dich dazu ermutigt?

Maheritsas: Mein Vater war Chefdirigent, er starb leider viel zu früh mit 36 Jahren, aber er hat mir das musikalische Gen vermacht. Seit ich denken kann beschäftigte ich mich mit der Musik.

Niko: Deine Tochter studiert Kunst. Ist sie Fan Deiner Musik?

Maheritsas (lacht): Meine Tochter hat Film- und Videokunst im Sinn, aber sie ist sehr stolz auf mich und nimmt meine CDs mit, und die hören sie dort in England gemeinsam in der Schule an.

Niko: Wenn wir Maheritsas‘ Kompositionen hören, dann finden wir eine große Vielfalt darin. Du hast sogar Kirchenmusik gemacht.

Maheritsas: Ja, ich habe mich früher sehr viel für byzantinische Musik interessiert und gab auch Kurse darin. Byzantinische Musik hat andere Codes und Rhythmen. Ich habe mich als Jugendlicher viel damit beschäftigt.

Niko: Hat Dich die Rockmusik von dieser Musik entfernt?

Maheritsas: Nein, gar nicht, meine allererste CD hatte viel mit dieser Musik zu tun. Es waren Teile der byzantinischen Musik gemischt mit Techno-Rock. Wir haben im Herbst im Irodion Theater ein Konzert mit dieser Musik gegeben, es war ein großer Erfolg.

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Konzert mit Maheritsas

Niko: Warum habt Ihr zuerst auf Englisch gesungen und später auf Griechisch?

Maheritsas: Wir wollten eine Band gründen, um die Welt zu bereisen und überall zu singen. Irgendwann kamen wir zur Erkenntnis: „Sei lieber in Deinem Dorf der Erste, als in der Stadt der Letzte.

Niko: Für mich persönlich ist die Aussage der Texte sehr wichtig. Wie ist Deine Zusammenarbeit mit Michalis Marmatakis, Giannis Spiropoulos und Issak Sousis?

Maheritsas: Das sind sehr wichtige Textschreiber inzwischen. Ich liebe diese Texte. Die neueste CD hat als Basis Gedichte von Manos Elefteriou, der aktuell wahrscheinlich der wichtigste Poet der griechischen Sprache ist.

Niko: Wie entstehen Deine Lieder? Bekommst Du die fertigen Texte und komponierst dazu die Musik oder ist es ein nebeneinander arbeiten?

Maheritsas: In der Regel bekomme ich zuerst die fertigen Texte.

Niko: Was in Mitteleuropa absolut nicht möglich ist, ist in Griechenland gang und gäbe. Du singst Lieder von Pliatsikas, Kotsiras singt Lieder von Dir und so weiter. Wie denkst Du darüber?

Maheritsas: Ich finde so etwas toll. Es ist eine Szene von zwanzig bis dreißig Personen und wir sind miteinander sehr gut befreundet. Wir arbeiten gerne zusammen, treten zusammen auf. Jeder hat Lieder geschrieben, bei denen der Andere stolz ist, diese auch singen zu können.

Niko: In Brüssel haben wir Dich mit Zouganelis, Mouzourakis und Aleka Kanelidou gesehen.

Maheritsas: Es war eine sehr beeindruckendes Konzert, schade das Aleka nicht mehr so viele Auftritte hat. Sie ist eine besondere Sängerin.

Niko: Es gibt so viele Lieblingslieder von uns, meine Frau und ich haben einige ausgesucht, vielleicht kannst Du mir kurz etwas darüber sagen.

Didimoticho Blues

Maheritsas: Das ist meine persönliche Geschichte bei den Soldaten. Ich bin zwar 1978 einberufen worden, nicht 1976 wie im Lied, aber das ist die poetische Freiheit. In Didimoticho begann ich, und dieses Lied soll die damalige Zeit wiederspiegeln.

Enas Tourkos sto parisi: Das ist so ein Lied, das zu einem riesigen Erfolg wird, ohne dass Du es vorher erahnt hast. Ich habe mir niemals die Eigendynamik, die dieses Lied genommen hat, vorgestellt.

Leo na to kano siga siga: Ja Du suchst jetzt aber ganz persönliche Lieder von mir heraus. Das ist eins davon.

Filise mou ta pedia: Du machst es mir wirklich schwer, weil das sind die schwierigen Lieder, die mir auch sehr gut gefallen.

O Notos: Dieses Lied war ein großer Erfolg damals auf der CD gemeinsam mit dem „Kater“.

Matia dichos logiki: Dieses Lied ist meiner Tochter gewidmet.

O Palios Stratiotis: Du verwunderst mich jetzt. Das ist auch eins meiner Lieblingslieder.

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Maheritsas in Frankfurt

Niko: Wir hatten das Glück, damals im Kalimarmaro zu sein. Zwei unter 50.000 Menschen. Eine wahnsinnige Veranstaltung. Lässt sich so etwas wiederholen?

Maheritsas: Ich bin mir nicht sicher, ob sich so etwas wiederholen könnte. Die Zeit damals zwischen zwei Wahlen war die Zeit der Suche. Die Menschen wollte, was Anderes und es war eine sehr wichtige Veranstaltung.

Niko: Es gibt nun eine neue Generation von Musikern, bestehend aus Eleonora Zouganeli, Natassa Bofiliou und Giannis Haroulis. Was rätst Du ihnen?

Maheritsas: Das sind hervorragende junge Leute, die ihren Weg schon gefunden haben. Die brauchen keinen Rat von mir. Das sind sehr schlaue Köpfe.

Niko: Von Deinem Management habe ich gehört, dass Du im Sommer eine Tournee planst gemeinsam mit Giannis Kotsiras.

Maheritas: Ja wir singen gemeinsam in vielen Städten. Vielleicht passt es Dir, dass Du mal einen Trip dahin machst.

Niko: Lavrenti, vielen Dank für Deine Zeit.

Maheritsas: Ich habe Dir zu danken und ich freue mich auf unser baldiges Treffen in Griechenland und Gruß an die Macher von Radio Kreta.


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