Nützliches auf Kreta: Ein Sturmfeuerzeug und Wind auf Kreta

Da es hier auf Kreta oftmals windig, wenn nicht sogar stürmisch ist, hier mal ein Tipp für alle, die Feuer brauchen oder auch ein gutes Buch lesen wollen.

Die hilfreichsten Kundenrezensionen bei Amazon

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Zuverlässig und geschichtsträchtig.
11. September 2010, Von Nummen, Rezension bezieht sich auf: Sturmfeuerzeug, für Benzin

1918 stellte man in der österreichischen Knopf- und Metallwarenfabrik Julius Meister & Co. (kurz IMCO) fest, dass so ein verlorener Weltkrieg den Absatzchancen für die bis dahin betriebene militärische Knopfproduktion doch gewisse Grenzen setzt. Irgendein findiger Geist in der Firma kam daraufhin auf den Gedanken, aus einer Partie abgeschossener Patronenhülsen der kuk-Armee (huh, wie gruselig) Feuerzeuge zu fertigen. Das tat man dann auch und offenbar mit so gutem Erfolg, dass die Firma noch 1936 existierte und sich an die Produktion des Imco-Triplex machte.

Die Verwandschaft zu den Patronenhülsen-Feuerzeugen ist beim Triplex noch sichtbar, hat aber weniger mit praktischen Gründen als der Anhänglichkeit an ein bewährtes Design zu tun (so wie ja auch die Vespa nur deswegen auch heute noch mit rundem Blech und dicken, gnubbeligen Reifen daherkommt, weil man Piaggio nach einem anderen verlorenen Weltkrieg die Produktion von Jagdflugzeugen partout nicht mehr erlauben wollte und die schönen Reifen und das herumliegende Blech ja noch irgendwie verwendet werden mussten). 1938 kam Triplex dann zusammen mit dem Rest von Österreich „heim ins Reich“, womit seine große Stunde schlug: Ein weiterer findiger Geist kam nämlich auf den Gedanken, das Triplex der Wehrmacht als Truppenfeuerzeug anzubieten, was die dann auch annahm und so zündelte es fortan von Narvik bis Tobruk und vom Atlantik bis zur Wolga. Damit ist das Triplex ja nun eigentlich „Autobahn“ und schließt seine Verwendung durch Betroffenheitsmenschen und berufsmäßige Antifaschisten aus, abers sei’s drum.

Ein Nebeneffekt der Wehrmachtsverwendung war, dass sich Millionen potentieller Nachkriegskunden von der Zuverlässigkeit des Triplex selbst in außergewöhnlichen Situationen überzeugten. Als ich mir mein erstes Triplex zulegte, sagte mir mein Bruder, so eines hätte unser (leider früh verstorbener) Vater auch gehabt. Mein Vater war ein sparsamer, praktisch denkender und kriegsgedienter Mann und ich muss wohl nur ein Mal raten, woher er das Triplex kannte.

Mein erstes Triplex war eigentlich ein Fehlkauf. Haben wollte ich (wegen akutem Feuernotstand, Raucher kennen diese missliche Lage) ein Einwegfeuerzeug und als solches kam das Triplex nach Preis und erstem äußeren Eindruck auch daher. „Das brennt ja gar nicht“, moserte ich den Bahnhofskioskbesitzer an. „Müssen Sie erst Benzin reinfüllen, kann ich Ihnen auch verkaufen“, gab der zur Antwort. Das tat ich dann auch und das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft (zum Feuerzeug, nicht zum Bahnhofskioskbesitzer), denn meine mittlerweile diversen Triplexe brannten in allen Lebenslagen.

Auf einer langen Autobahnfahrt befüllte ich es in meiner Not einmal mit Benzin aus dem Kanister (wobei mir ein halber Liter über die Hand schwappte und ich für den Rest der Fahrt stank, wie ein Tankwart) und während eines Krankenhausaufenthaltes mit dem blauen Händedesinfektionszeug, das da überall in Flaschen an den Wänden hängt. Meine Triplexe haben mich also nie im Stich gelassen, so lange ich sie den hatte und so komme ich zu seinem einzigem Manko, nämlich seiner Einwegfeuerzeughaftigkeit: Gefertigt wird es aus Blech, das die Wandstärke einer Konservendose hat und – nun ja – „preiswert“ daherkommt, was es ja nun unbestritten auch ist. Zum anderen hat es die gleiche Eigenschaft wie Einwegfeuerzeuge und Plastikkugelschreiber, nämlich zu „wandern“, also aus meinem Besitz heraus in den irgendeines anderen (sollte der geneigte Leser also ein Triplex finden, so bitte ich um Benachrichtigung, denn es ist meiheins…).

Und an diesem Punkt verhält es sich anders, als sein großer amerikanischer Cousin, das Zippo. Bei dem hat man nämlich einen schweren, haptischen Ziegelstein in der Hosentasche und weiß genau: Da ist mein Feuerzeug. Und obwohl das Triplex im praktischen Gebrauch (sparsamer im Verbrauch, double- statt single-Action, sicherere Flamme im Wind, wird im Dauergebrauch nicht heiß) besser abschneidet als das Zippo, habe ich das noch mehr lieb als das Triplex. Wegen des direkten Vergleichs mit dem Zippo und dessen unergründlicher Anziehungskraft (das kann man sich ja bei bestimmten, heißumschwärmten Frauen auch nicht abschließend erklären…) nur vier von fünf Sternen.

Mehr Nützliches auf Kreta.


streamplus.de

Und hier eines der schönsten Bücher über Kreta: „Wind auf Kreta“.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Facebook Post to MySpace

Ein Kommentar

  1. Danke für diese wunderschöne Geschichte.Ich kenne dieses Feuerzeug auch,denn mein Bruder hatte so eins.

Kommentare sind geschlossen.