Tierschutz – Ein Offener Brief von Anna Pouliou.

Ein Offener Brief an Griechenland….

seine Behörden, seine Medien und seine Bürger
von Anna Pouliou, Brüssel

Serres 1981….

Ich war um die 8 Jahre alt. Unser Auto fuhr auf der Strasse einen Hund an. Mein Onkel stieg aus und schaute auf die Marke am Halsband des Hunds, die durch den Zusammenstoss verbogen war. Wir fuhren davon. Heute frage ich mich, was aus dem Hund geworden ist…

Thessaloniki 1994….

Penelope (so nannte sie mein Freund Kostas), eine graue Katze, die auf dem Universitätscampus von Thessaloniki lebte, spielte mit ihren zwei Katzenkindern. Es war so schön anzusehen. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen, ihnen zuzuschauen. Einige Tage danach hörten wir von ihrer grausamen Folter durch vorbeikommende Drogenabhängige. Die Schreie der armen Kreatur waren für Stunden hörbar. Wahrscheinlich war keiner davon berührt.

Athen 1997….

Im Margarita Park vergiftet ein Nachbar systematisch alle Katzen (Streuner und andere). In Kostas Nachbarschaft ist eine Großmutter stolz darauf, Fleisch, gefüllt mit gemahlenem Glas an alle Streunerhunde zu füttern. Niemand sagt etwas.

Das ist das Land, in dem ich aufgewachsen bin. Ich denke, jeder Grieche/jede Griechin kann sich an ähnliche Ereignisse in ihrem/seinem Leben erinnern.

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Tierschutz geht uns alle an.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die griechische Schule, die ich so sehr mochte, mir jemals beigebracht hat, wie man mit Tieren umgeht. Ich habe das viel später selbst herausgefunden, als ich mich um Informationen über Tierschutz in Griechenland und im Ausland bemühte. Ich suchte nach der verborgenen Weisheit in den Werken der alten griechischen Gelehrten. Ich dachte an meine Großmutter, die in einem kleinen griechischen Dorf aufgewachsen war… in einer anderen Zeit, die vielleicht wusste, Tiere zu respektieren und zu lieben?

Dann kam der Tag, als ich ein besserer Mensch wurde. Ich rettete einen hungernden Streuner, der mir seine bedingungslose Liebe zeigte.

Brüssel, Belgien 1994….

Ein türkischer Einwanderer schlug gnadenlos seine Deutsche Schäferhündin und warf sie mit gebrochenem Bein auf die Strasse. Es schien, dass die Hündin erkrankt war und damit zur Last des Türken wurde, der sie dann auf diese Art loswerden wollte. Jacqueline, meine Nachbarin in Brüssel, nahm sich Luna (so nannte sie sie) an, behandelte sie mit viel Aufwand und adoptierte sie schließlich. Sie gab ihr Liebe und sorgte für mehrere Jahre für sie. Jacqueline weinte, als Luna vor zwei Jahren starb. Sogar heute noch, wenn sie an Luna denkt, kommen ihr die Tränen. Sie denkt nie an die 2.000 Euro, die sie für ihre Behandlung und Rettung ausgegeben hat.

Mailand, Italien 2000….

Die Nachbarn meiner Freundin Roberta adoptieren ein Kätzchen. Sie möchten, dass ihre Kinder lernen, Empfindsamkeit, Mitleid und Verantwortungsgefühl zu entwickeln. Wie viel besser, als sie in einen Zoo zu führen! Ich könnte so viele Beispiele geben. Und es ist für mich als Griechin so schwer, sagen zu müssen, dass ich in keinem anderen Land der Europäischen Union (vor ihrer Erweiterung) so wenig Empfindsamkeit und soviel Ignoranz gesehen habe wie in meinem eigenen Land. An keinem anderen Ort in Europa habe ich soviel schweigendes Tierelend gesehen, wie ich es täglich in Griechenland antreffe.

Reims, Frankreich 2004….

In einem Antiquariat entdeckte ich ein französisches Buch aus dem Jahr 1817 mit dem Titel „Wie sorge ich für Tiere“. 1817!! Stellt Euch vor!! Wo war mein Griechenland im Jahre 1817? Welche Schritte haben wir unternommen, unsere ekelerregende Geisteshaltung gegenüber Tieren zu verändern, seitdem wir von der türkischen Besatzung befreit sind – seit wir in die Europäische Gemeinschaft eingetreten sind?

In Homer’s Odyssee erinnere ich mich an Odysseus’ Hund, der geduldig auf sein Herrchen wartete, bevor er starb*. Was ist aus der Empfindsamkeit, dem großartigen Geist geworden, den die Griechen vor tausenden von Jahren bewiesen haben? Es tut mir leid, aber diese Bespiele aus unserer fernen Vergangenheit lassen den beklagenswerten Zustand, auf den wir uns reduziert haben, umso tragischer erscheinen.

Griechenland heute….

Alles drehte sich um die Olympischen Spiele. Und es ist traurig, dass deren ursprüngliche Bedeutung verloren gegangen ist. Anstatt – wie in früheren Zeiten – die Versöhnung von Staaten und Kulturen zu symbolisieren, wurden sie auf die Vorbereitung eines Gelages reduziert, eine Verspottung der internationalen Gemeinschaft und eine unfaire und völlig irrationale und rassistische Attacke gegen ausländische Tierfreunde. (Hier geht es um eine Diskussion über die Vergiftungen von streunenden Haustieren in Athen zu Zeiten der Olympiade 2004. Anmerkung von mir, Kirsten Voss). Ich möchte auf die Details der Massenvergiftungen nicht näher eingehen. Diese sind aufgrund der Zeitungsberichte (griechische wie auch ausländische) und Fernsehsendungen inzwischen ausreichend bekannt. Die Szenerie der gequälten und hungernden Tiere würde die Olympischen Feiern stören, und wir suchen nach Wegen, sie verschwinden zu lassen (hauptsächlich mit Gift!). Das einschlägige Gesetz von 2003 wurde erlassen, um der internationalen Gemeinschaft Sand in die Augen zu streuen. Es wird nicht angewandt und es sieht aus, als ob es nie angewandt werden wird. Sind wir nun zum Feiern bereit! Wie schrecklich ist mein modernes Griechenland geworden! Kein Mitleid für Kreaturen, die auf den Strassen unseres Landes um ihr Leben kämpfen, keine Ahnung von mitfühlender Zivilisation?

Bedauerlicherweise hast Du Recht, großer Giorgos Seferis mit Deiner Aussage: „Wohin ich auch reise, Griechenland schmerzt mich“.

Inzwischen erhalte ich in Brüssel, wo ich jetzt lebe, ständig (mit Beschämen) Artikel über das schändliche Benehmen der Griechen hinsichtlich der Streuner – Artikel, die den Globus umrunden und unserer Kultur, unserem Tourismus und unserer Würde Schaden zufügen. Ich habe auch einige Schreiben von meinen Landsleuten erhalten. Ich habe mich geschämt, denn in diesen Briefen – von Griechen – kommt ganz deutlich die fehlende Erziehung und die Ignoranz ans Licht. Einige Frauen wachten eines Morgens auf und bildeten sich ein, einige „Ausländer“ (wie sie sie nennen) würden Hunde und Katzen aus Griechenland für Pelze und Experimente exportieren!!!!!! Gleichzeitig wundere ich mich, welches Bildungsniveau und welchen kulturellen Hintergrund jemand hat, der eine unglückliche Kreatur „Straßen-Bastard“ nennt! Das Szenario (so die beschuldigenden „Damen“):

Ausländische Tierärzte gehen nach Griechenland, sterilisieren, impfen und versorgen Streuner mit Therapien gegen Parasiten auf Kosten von ausländischen Tierfreunden, um sie anschließend für die Pelzgewinnung und Experimente ins Ausland zu verschicken. Haben denn meine Landsmänninnen nicht verstanden, dass die Kosten hierfür so hoch sind, dass es wirtschaftlich keinen Sinn macht, Streuner für diesen Zweck zu nutzen? Ich habe viele Briefe an Gesellschaften geschickt, die Experimente vornehmen. Und ich weiß, dass alle Kosten reduzieren. Sie haben es nicht nötig, 50 Euro pro Kilo für Tiere aus Griechenland zu zahlen… Und warum sie sterilisieren und impfen (zusätzliche Ausgaben), wenn sie für Experimente genutzt werden? Das Szenario wird immer mehr zur Science Fiction: Ausländische Tierfreunde seien „bezahlte Agenten“ der Firmen, wie anders würden sie sonst das Geld und die Zeit haben, sich mit Streunern zu befassen? Und noch wichtiger, warum beschäftigen sie sich mit Streunern? Die Wahrheit ist, weil sie ein Herz und Gefühl haben; weil sie in einer Gesellschaft aufgewachsen sind und in Schulen gingen, die ihre Empfindsamkeit gefördert haben. Sie besitzen Tiere und sie sind bereit, für deren Sicherheit und Gesundheit zu zahlen.

Liebe Griechen, liebe Landsleute…

…geht bei Euren Beurteilungen nicht von Euch aus. Woher haben sie das Geld für ihre barmherzigen Tätigkeiten? Es kommt in der Tat von Menschen, die glücklicherweise nicht so denken wie Ihr. Ich selbst habe Medikamente und Geld gespendet… wie andere Kollegen und Freunde in Brüssel auch. Viele von ihnen sind natürlich Griechen, die sich für das Streuner-Phänomen in unserem Land schämen. Ein anderes Argument von irregeführten Griechen: Warum retten sie nicht die Tiere in ihren eigenen Ländern? Wer hat Euch erzählt, dass sie nicht genau dasselbe dort auch machen? Tatsache ist, dass das Phänomen der Streuner in den Ländern Nord-West-Europas nirgendwo so schlimm ist wie in Griechenland. Ihr kämpft mit mitfühlenden Menschen, die auf dem ganzen Planeten für den Tierschutz kämpfen! Habt Ihr überlegt, warum sie alle nach Griechenland kommen, um Tiere zu retten? Weil Griechen zeigen, dass sie sich nicht kümmern!

Und zu guter Letzt, wieso interessiert es uns, was aus den Tieren wird, die ins Ausland gehen? Lasst uns annehmen, dass sie in Experimente gehen. Wenn wir so besorgt sind hinsichtlich dieser Möglichkeit, warum nehmen wir nicht diese armen Tiere in unsere griechischen Zuhause? Warum lehren wir nicht unsere Kinder, sie zu lieben? Weil die griechischen Veterinärbehörden des Landwirtschaftsministeriums den naiven Ansichten ihrer Bürger Glauben schenken, verschenken sie die Hoffnung vieler unglücklicher Tiere, im Ausland ein neues liebevolles Zuhause zu finden. Mit dem neuen Verfahren (wie mit jeder staatlichen bürokratischen Prozedur) wird es praktisch für einen Ausländer unmöglich, ein Tier in Griechenland zu adoptieren. Und die goldene Chance ist für ein paar Angestellte im öffentlichen Dienst gekommen, die guten Leute „abzufangen“, die Tiere in Zuhause im Ausland verschicken. Sind diese Klatschmaul-Weiber und das Landwirtschaftsministerium stolz auf ihre rufschädigende Public Relations Arbeit und ihre miserable Gesetzgebung? Sie haben sogar das griechische Rechtssystem, wonach der Kläger vor Verurteilung des Beschuldigten dessen Schuld beweisen muss, ins Gegenteil verkehrt. Aber mit Hilfe der irregeführten griechischen Medien wurde der Schuldspruch „schuldig“ gegen völlig unschuldige Tierretter ausgesprochen. Mein Ton gegenüber meinem geliebten Heimatland ist kritisch.

Jeder der sein Land liebt, hat zwei Wege: 1. Ihr/sein Land trotz seiner miesen Gesetze in jeder Situation zu verteidigen; oder 2. schlimme Gesetze ans Tageslicht zu bringen und nach Lösungen zu suchen, weil man an sein Land glaubt. Ich habe mich für den zweiten Weg entschieden, falls jemand danach fragt, warum gerade eine Griechin sich dazu entschieden hat, all dies zu schreiben.

Ich möchte eine dringende Bitte an Griechenland richten…

An griechische Lehrer….. bitte sensibilisiert unsere Schulkinder für Tiere.
An griechische Geistliche …. bitte sensibilisiert Eure Schäfchen, sich Gottes unschuldiger Kreaturen anzunehmen.
An alle meine Landsleute – bitte schaut Euch um und achtet auf den traurigen Blick des leidenden Streuners … adoptiert ihn und sterilisiert ihn zu seinem eigenen Schutz. Es gibt keinen Grund für Tiere in großen Städten, sich unbeaufsichtigt weiter zu vermehren. Das Schicksal dieser Hunde- und Katzen-Welpen wird unter den Rädern der Autos enden.
Und zum Schluss bitte ich den griechischen Staat (allerdings mit wenig Hoffnung), aufzuwachen…

Wir Griechen sind besser als wir denken.

„Menschen, die Tiere töten, töten auch einander. Wer Tod und Schmerzen sät, kann natürlich keine Früchte der Freude und Liebe ernten“…. (PYTHAGORAS).

Übersetzung von Inge Kapsias, Quelle: Homepage Greek Animal Rescue – Canada (GARCANADA).


streamplus.de

Mehr zum Thema: Tierschutz auf Kreta.

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2 Kommentare

  1. Hallo aus dem Zillertal!
    Ich würde sagen, man müßte in Griechenland Hundeschulen einrichten. Wo vor allem die Kinder, auch Erwachsene mit ihrem Haustier kommen können und Hilfe bekommen bei allen Fragen, und gemeinsam mit ihrem Liebling mit Freude und Spaß trainieren können. Vielleicht wäre das über eine EU Förderung zu finanzieren, bis man Mitgliedsbeiträge einheben kann.
    Ich habe auf Kreta auch schon ein paar positive Ansätze mitbekommen. Ein Kreter hat zwei Hunde auf der National Road mitgenommen, einen hat er Freunden gegeben und den zweiten hat er selbst behalten und hat gesagt, er hat nie geglaubt, das ein Hund so lieb sein kann. Vorigen Winter haben wir in Rethymnon beobachtet wie ein junger Kreter, das was der Hund fallen hat lassen aufgehoben hat und in den Müll geworfen hat, wir haben gestaunt! In Maroulas beobachten wir einen Mann, der mit seinem Hund jeden Tag zweimal eine Runde geht.
    Hoffen wir, daß es aus Griechenland bald viele positive Meldungen vom Tierschutz gibt. Wir dürfen ihnen die Tiere nicht abnehmen und nach Deutschland bringen, sie müssen lernen selbst für das was da passiert Verantwortung zu übernehmen. Aufkärung ist oberstes Gebot!
    Liebe Grüße
    Maria und Gottfried

  2. Es gibt in Griechenland und auf der ganzen Welt was den Tierschutz betrifft wirklich noch viel zu tun.
    Wir sind seit vielen Jahren in allen möglichen Teilen Griechenlands unterwegs, aber es gibt auch wirkliche Ausnahmen die wir hier namentlich erwähnen wollen.
    Es ist Herr „MANOLIS SPATHARAKIS“ der seit vielen Jahren das Tierheim in GOUVES ANIMAL SHELTER vorbildlich betreut.
    Herr Spatharakis ist hauptberuflich am Flughafen Heraklion und verbringt seine gesamte Freizeit und seine Einkünfte bei seinen geliebten Hunden.
    Ihm zur Seite , seine Linke und Rechte Hand ist die Französin „ EVELYN ULMANN“ die permanent für die Hunde da ist.
    evelyn.ulmann@yahoo.fr
    http://www.gouvesanimalshelter.com
    Wir haben 3 Hunde, 2 davon aus diesem Tierheim. Einen aus Rhodos Animal Wellfare.
    „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“ – aus dem Talmud

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