Unbekanntes Kreta: Die Höhlen von Azogires.

Azogires ist ein kleines Bergdorf, ca. 9 km nordöstlich von Paleochora gelegen. Bekannt ist dieses Dörfchen hier in der Gegend vor allem durch die überwältigende Natur, die viele Olivenbäume, Wildkräuter,  sogar kleinen Wasserfällen und beeindruckende Höhlen – und natürlich durch das alte Kloster, das heute das lokale Museum beherbergt und, last but not least, das Alpha-Café von Eftychios „Lucky“  Koukoutsakis.

Aber heute wollen wir uns den Höhlen „Charakas“ und „Soures“ widmen, die ganz in der Nähe des Dorfes liegen und tief mit der religiösen Überlieferung der Gegend verbunden sind.

Die „Charakas“-Höhle befindet sich südöstlich der Ortschaft. Diese Höhle besteht aus drei in Stein gehauenen Ebenen, von denen man behauptet, dass sie in der Antike als Grabstätten angesehener Toten genutzt wurden. Heutzutage kann man diese Ebenen nicht mehr erkennen, da zu späterer Zeit (1864) an der gleichen Stelle das Kloster der Heiligen Väter erbaut wurde, das noch erhalten ist.

Rund um Azogires.

In den Klosterbüchern steht geschrieben, dass 36 Mönche zusammen mit dem Heiligen Joannis aus Zypern nacht Attalien in Zentralasien und von dort in viele Städte des Gebietes zogen. Immer mehr neue Mönche schlossen sich an, so dass die Zahl auf 99 stieg, sie mit ihrem Führer Christus zusammen also eine runde Hundertschaft bildeten. Ein Schiff trug sie von Ort zu Ort und von Land zu Land, damit sie den christlichen Glauben lehren konnten. Ein starker Wind liess sie in Gavdos anlegen. Die Stelle, an der dies geschah, nennt man den „Felsen der Väter“. Ihre Ankunft ist zeitlich ungefähr dem Jahre 1300 n.Chr. zuzuordnen.

Während ihres Aufenthaltes an diesem verlassenen, wasserarmen Strand der Insel litten sie sehr unter dem Wassermangel. Der erste dieser Mönche betete und flehte viele Stunden lang und machte dann das Kreuzzeichen auf einem Felsen, aus dem sofort kristallklares Trinkwasser zu fließen begann. So konnte dann die Schar dieser heiligen Menschen 24 Tage lang auf der Insel verbleiben.

Als die Heiligen Väter von Gavdos abfuhren, hatten sie vergessen, den heiligen Joannis zu wecken (ups!). Die soll gemäß der Überlieferung passiert sein, weil Gott ihn preisen und den Menschen seine Tugenden offenbaren wollte. Er bedeckte ihn deshalb während der schlief, und so bemerkten die Brüder ihn vor der Abreise nicht. Als er aber wach wurde und sah, dass er alleine war, verrichtete er ein Gebet, auf dass Gott ihm helfen möge, die anderen Mönchen, die in Richtung Kreta segelten,  zu erreichen. Man sagt, dass er seinen Stab zum Boot und sein Gewand zum Segel machte, und es so schaffte, zu seiner Gruppe zu segeln, die ihn ihrerseits schon voller Besorgnis erwartete um gemeinsam ihre Lehre weiter zu verbreiten. Das Schiff mit den Heiligen Vätern legte in der Nähe von Paleochora am östlichen Strand an. Von dort aus zogen alle in nördlicher Richtung zu den Höhlen, von denen hier die Rede ist.

„Lucky“ Koukoutsakis und sein Azogires.

Sie machten in den Höhlen halt, um sich von den Anstrengungen der Seereise zu erholen. Und dort blieben sie dann. Einige siedelten sich in der Höhle „Charakas“, andere in der Höhle „Waráthro von Soure“ an, wo sie auch gestorben sind. Die Höhle von Soure befindet sich in 535 m Höhe, nordwestlich von Azogires. Drei Eisentreppen ermöglichen es, nach unten in die Höhle zu steigen, die sich ungeheuer ausdehnt. Sie ist felsig und sehr tief, mit einer Quelle und vielen Tropfsteinen. Nach dem Abstieg geht man noch ein gutes Stück, bis man an eine kleine Kirche kommt – die Kirche der 99 Väter.

Der Heilige Joannis trennte sich aus unbekannten Gründen von seinen Mitbrüdern und ließ sich auf der Halbinsel Akrotiri bei Chania nieder, wo er auch starb.

Die Höhle der 99 Väter kann man auch heute noch besichtigen, auf eigene Faust oder in Gesellschaft der einheimischen Pilger, die ihren Besuch dort gewöhnlich mit der Teilnahme am Kirchenfest „Panagiri“ verbinden, das jedes Jahr am 7. Oktober dort gefeiert wird. 

Und noch ein Tipp: Entdeckt Azogyres mit „Lucky“.

Gute Quelle: Das Buch Paleochora (Ein Rückblick in die Vergangenheit) von Nikolaos Pyrovolakis.

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