Vanille – derzeit so ziemlich das teuerste Gewürz der Welt!

Wir schreiben das Jahr 2017, es sind noch knapp 3 Wochen bis zum Heiligen Abend und wohl so ziemlich in allen „christlichen“ Küchen laufen die Backöfen zwecks Herstellung der jeweils traditionellen Weihnachtsplätzchen oder sonstiger Leckereien auf Hochtouren. 

Hier auf Kreta gibt es ebenfalls verschiedene Weihnachtsgebäckleckereien. Kein Spritz- oder Buttergebäck, kaum Marzipan, keine Makronen wie wir sie kennen – aber dennoch Weihnachtsgebäck, das hier Kourabiedes (Κουραμπιέδες – Butterkekse), Melomakarona (Μελομακάρονα – Honigmakronen) oder auch gerne mal Methismena (μεθυσμένα – betrunkene Küchlein) heißt. Je nach Rezept variieren die Zutaten, aber Vanille ist meist irgendwie mit dabei. Wir reden allerdings von echter Vanille, also von dem Vanillemark, das aus schwarzen, trockenen Vanillestangen herausgekratzt wird und sehr aromatisch ist. 

Markthalle Eintracht
Eintracht in der Markthalle von Chania im Winter.

 Aber – Asche auf Scheffkochredakteuse´s Haupt – Backen von Klein- und Kleinstteilen ist nun mal gar nicht so meins. Also Ciabatta Brötchen als kleinste akzeptable Einheit gehen grade noch, ansonsten eher Schweinebraten oder Haxe, einen fetten Kuchen oder ähnliches, aber kleine Kekse? Och nööööö….

Nun kamen wir trotzdem dieses Jahr in die Bredouille, da die leidenschaftlich Weihnachtsgebäck backende Schwiegermutter sich während eines Telefongespräches bitterlich über die diesjährigen Preise für Vanillestangen beschwerte. Denn im Jahre des Herrn 2017 kostet da oben kurz vor Dänemark (und sicher auch im Rest der Republik) eine einzige Vanillestange 5,-€!!! Und Vanille braucht sie nun mal unbedingt für die Weihnachtsplätzchen, die ja auch alle Jahre wieder integraler Bestandteil unseres Weihnachts-Care-Paketes sind.

Scheffredakteur – voll in seinem Element als Retter in der Not – versicherte ihr, dass wir das hier ganz bestimmt billiger bekommen und dann eben mal eine Ladung in die umgekehrte Richtung schicken würden. Gesagt, getan – bzw. Scheffredakteuse los geschickt. Hmpf – Fehlanzeige. Keiner der ortsansässigen Supermärkte und/oder Gemüsehändler hatte Vanillestangen.

Chania im Winter
Chania im Winter.

Okay, kein Problem – wir müssen ja eh diese Woche nach Chania – da finden wir welche, ganz bestimmt! Aber weit gefehlt! Nix aufzutreiben! Kurz mit einem Gewürzhändler in der Markthalle in´s Gespräch gekommen, wussten wir dann auch warum: die Vanille-Ernte 2017 war dermaßen schlecht, dass die Preise so in die Höhe geschossen sind, dass sich ein Verkauf (vom Ankauf mal ganz abgesehen) überhaupt nicht lohnt. Denn das Kilo Vanilleschoten wird derzeit auf dem Weltmarkt zu 600,- €  gehandelt und ist somit teurer als ein Kilo Silber! Es gibt weltweit nur ein vergleichbar teures Gewürz, nämlich Safran. Und dann kommen schon die Edelmetalle…. Irre, oder?

Aber wie konnte es dazu kommen?

Ein entscheidender Faktor ist die Lust auf echte Vanille, die in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Lange verwendeten Hersteller günstigere Imitate – künstliche Vanille entsteht massenweise aus den Nebenprodukten bei der Herstellung von Papier. Inzwischen gibt es laut Vanillehändlern einen Trend hin zu authentischen, natürlichen Inhaltsstoffen. Lebensmittelhersteller verarbeiten das Gewürz stärker als zuvor in Eis, Kuchen, Keksen, Joghurt oder Bonbons. Auch ihre Parfums, Körperlotionen, Badezusätze, Seifen oder Raumdüfte verfeinern Produzenten zunehmend damit.

Schlachter Chania
Süßes ist manchmal ungesund. Fleisch ist ein Stück Lebenskraft. 

Madagaskar deckt rund 60 Prozent des weltweiten Vanille-Bedarfs ab und gibt damit die Preise vor. Als Anfang des Jahres ein Zyklon über die Insel fegte, zerstörte er große Teile der Anbauflächen. Sofort stiegen die Preise.

Doch der aktuelle Kostenschub hat noch eine andere Ursache, die deutlich länger zurückliegt. Um die Jahrtausendwende kostete ein Kilo Vanille nach starken Stürmen auf Madagaskar schon einmal rund 500 Euro. Viele Bauern erweiterten damals ihre Anbauflächen – in der Hoffnung, möglichst viel vom Boom abzubekommen.

Doch das Gegenteil war der Fall: Nach einigen Jahren war zu viel Vanille auf den Weltmärkten vorhanden. Die Schwemme drückte den Preis auf knappe 25 Euro das Kilo. Die Folge: „Die Farmer vernachlässigten ihre Plantagen und stiegen auf andere Produkte um, weil sich das Geschäft nicht mehr lohnte“, sagt Birger Schmidt-Wiking vom Vanillehandelshaus Aust und Hachmann. Als die Nachfrage nach natürlicher Vanille zuletzt langsam wieder stieg, war das Angebot gering.

Die hohen Preise locken Diebe an

Für die vom Vanilleanbau abhängigen Bauern ist der aktuelle Boom nicht nur Grund zur Freude. Denn die teuren Schoten locken Diebe an, die nachts die Ernte rauben. Deswegen sind viele Bauern dazu übergegangen, ihre Felder zu früh zu ernten, ehe die Aromastoffe voll entwickelt sind. Vanille ist oft die einzige Einnahmequelle der Madagassen. Einen Großteil des Geldes bekommen sie an einem einzigen Tag ausgezahlt, wenn sie auf einem Markt in der Küstenstadt Sambava ihre Schoten anbieten. Der Tag ist von der Regierung festgelegt.

Brauchen die Farmer schon vorher Geld, dann verkaufen sie die Bohnen unreif und deutlich günstiger an Zwischenhändler – und zwar zu ca. 45 Euro pro Kilo. Aus sieben Kilo grüner Vanillekapseln, kann ein Kilo schwarzer Schoten gewonnen werden. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bekommen die Produzenten im Schnitt weniger als fünf Prozent des internationalen Marktpreises. Oft wissen die Bauern nicht einmal, was der Rohstoff wert ist – ein Großteil des Geldes geht an die Zwischenhändler. Tja – es lebe der Kapitalismus! Und Schwiegermama backt dieses Jahr mit „Fake-Vanille“….

Neue Anbaumethoden

Doch die nächste Gefahr droht den Landwirten schon. Angesichts der derzeit hohen Preise sind bereits weitere Produzenten eingestiegen, darunter eine Firma in den Niederlanden, die jetzt im Dezember 2017 beginnen will, Vanille in Gewächshäusern zu züchten. Länder wie Indien, Uganda oder Indonesien produzierten früher ebenfalls Vanille, gaben ihre Farmen jedoch angesichts der niedrigen Preise auf. Klar, wenn nicht rentabel, dann weg damit! Kapitalismus in Reinform!  Inzwischen könnten sie ja aber neu gepflanzt haben…. Bevor durch ein steigendes Angebot die Preise fallen werden, wird allerdings noch Zeit vergehen:

Nachdem sie die Vanille gepflanzt und gezüchtet haben, müssen die Bauern jede einzelne Blüte per Hand bestäuben, ehe sie die Kapselfrüchte nach sechs Monaten ernten können. Dann tauchen sie die grünen Bohnen in heißes Wasser, um den Reifeprozess zu stoppen und legen sie für zwei Monate in Jutetüchern in die heiße Sonne, bis sie ihre typisch schwarze Farbe bekommen. Aus rund 600 bestäubten Blüten gewinnen die Bauern etwa ein Kilo schwarzer Vanillestangen. Bis dahin dauert es ab der Saat etwa vier Jahre, also eigentlich eine Legislaturperiode…. 😉 Wobei – ob das irgendeinen Politiker interessiert, der nicht selbst die Hände im Vanillegeschäft hat? Man wird es vermutlich nie erfahren….

Bis andere Produzenten ernten können, bestimmt folglich das madagassische Angebot den Preis – und der ist gerade sehr sehr hoch!

Radio Kreta – geht Alltagsphänomenen auf den Grund.

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Ein Kommentar

  1. Auch wenn ich den Plätzchen ja nichts abgewinnen kann, aber es riecht schon irgendwie gut, wenn Ersatzherrchen Gerd diese Dinger bäckt. Manchmal macht er auch welche mit Leberwurst drin, die sind dann für Leia und mich. Ich hab ihn gerade gefragt, wie er das gelöst hat mit der Vanille-Krise.
    Er hat mir erklärt, dass er noch Restbestände an Schoten vom letzten Jahr hatte und im Frühjahr bei Botano nochmal zugeschlagen hat. Was nächstes Jahr ist weiß er auch nicht, aber die diesjährige Weihnachtsbäckerei ist sicher.
    Und solang echter Vanille-Zucker nicht teurer ist als Edelmetalle oder Drogen, wird er auch weiterhin auf diesen zurückgreifen.

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