Wacholder – Das Küchengewürz mit heilender Wirkung

Wacholderbeeren

Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, was das eigentlich für lustige schwarze Kügelchen im Sauerkraut sind, oder wonach genau dieser köstliche geräucherte Schinken – außer nach Schinken – eigentlich sonst noch schmeckt?

Wir haben uns mal im Küchenstudio erkundigt et voilà die Lösung: es ist der „Allrounder“ Wacholder!

Bei dieser Information wollen wir es aber natürlich nicht bewenden lassen, wir haben uns auch mal über diese Pflanze und ihre sonstigen Verwendungsmöglichkeiten informiert und teilen unser neu gewonnenes Wissen wie immer gerne mit Euch:

Bereits in altgermanischer Zeit war Wacholder weit verbreitet. Zahlreiche Legenden ranken sich um dieses immergrüne Nadelholzgewächs:

So soll der Wacholder beispielsweise vor neidischen Nachbarn schützen, wenn man beim Hausbau einen Wacholderstock in die Grundfesten legt (gut zu wissen!). Räucherungen mit Wacholder galten im dunklen Mittelalter als Schutz vor allem Übel, allen voran vor Hexen und dem Teufel (die evtl. in Form und Gestalt o.g. Nachbarn daher kommen…?). Aber auch bei Seuchen sollen Wacholder-Räucherungen hilfreich gewesen sein.
Heute weiß man, dass Wacholder wenn auch nicht den Teufel, dann doch zumindest viele Krankheitskeime das Fürchten lehrt.

Der Wacholder in freier Wildbahn:
Der gemeine Wacholder, botanisch Juniperus communis genannt, gehört der Familie der Zypressengewächse an und kommt vorwiegend – je nach Gattung – auf der nördlichen Erdhalbkugel vor. In Baum- oder Strauchform bevorzugt er trockene Böden, beispielsweise in der Halbwüste oder Steppe und Heideland.

Der Wacholderstrauch steht außer auf Kreta und Gavdos auch noch auf der Roten Liste und ist geschützt.

Der Wacholder in der Küche:
Die blauschwarzen Wacholderbeeren – genauer gesagt handelt es sich um Beerenzapfen und keine echte Beeren – sind in rohem Zustand leicht giftig und können zu Reizungen führen. Sie haben einen leicht süßlichen und zugleich harzig-bitteren, tannenartigen Geschmack.

Die getrockneten Wacholderbeeren verwendet man in der Küche leicht zerdrückt (so entfaltet sich das Aroma besser), zum Beispiel als Gewürz für Sauerkraut, in der Beize von Wildgerichten, zu deftigen Fleischragouts, bei denen er die Verdauung fördern soll und als Räucherzutat, die so köstliche Produkte wie Wacholderschinken hervorbringt.

Wer nicht auf die Beeren beißen mag, kann sich auch ein Wacholderöl ansetzen: Einfach eine Handvoll Beeren in eine Halbliterflasche mit weiter Öffnung geben, mit neutralem Öl oder Olivenöl auffüllen und einige Wochen stehen lassen. Einfach zwischendurch probieren, ob der Geschmack intensiv genug ist – wenn ja, das Öl von den Beeren abseihen und fertig.

Yiamas

Der Wacholder in der Bar:
Aber auch in flüssiger Form wird Wacholder gern genossen: Schon um 1600 kannte man den Wacholderschnaps ‚Genever’, aber auch der Gin und der Steinhäger verdanken ihr Aroma teilweise den Wacholderbeeren.

Der Wacholder im Medizinschrank:
Auch in der Hausapotheke ist Wacholder fast unverzichtbar, denn die Beeren beinhalten Pinen, Limonen, Terpinen, Flavonoide, Catechingerbstoffe, Proanthocyanidine, Invertzucker und ätherisches Öl. Die nierenanregende Wirkung des Wacholders wird dem Terpinen-4-ol zugeschrieben. Das enthaltene ätherische Öl regt die Durchblutung, den Stoffwechsel und die Verdauung an und wirkt entspannend auf die Muskulatur – super auch als Badezusatz nach körperlicher Anstrengung.

Verwendet werden nicht nur die Beeren, sondern auch die Nadeln und die Rinde. Ein Tee aus den jungen Blättern, beziehungsweise den Nadeln, ergibt einen milden Blutreinigungs-Tee. Und kocht man Blätter und Rinde, so kann man diese Abkochung für Einreibungen und für Voll- oder Teilbäder verwenden.

Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hat Wacholder seinen Platz. Die thermische Wirkung ist warm, die zugeordneten Organe sind Blase, Dickdarm, Gebärmutter, Magen und Nieren. Wacholder-Tee wirkt entwässernd und eignet sich besonders gut bei diversen Stoffwechselerkrankungen, bei Gicht, Rheuma und Ekzemen.

Schwangere sollten jedoch keinen Wacholder zu sich nehmen, auch das ätherische Wacholderöl sollte in diesem Fall gemieden werden, weil die enthaltenen Reizstoffe frühzeitig Wehen auslösen können

Bereits vor Jahrtausenden verwendete Hippokrates Wacholder zur Behandlung von Wunden. Und im Mittelalter, als zahlreiche Seuchen die Menschen heimsuchten, war man sich der positiven Wirkung ebenfalls bewusst: „Vor dem Holunder zieh’ den Hut, vor dem Wacholder geh’ in die Knie“ hat Hildegard von Bingen einmal gesagt. Sie kannte die Wirkung des Wacholders sehr gut und wandte ihn auch bei Lungenkrankheiten an.

Quelle: kochmix.de

Wir werden jetzt zum Feierabend die anregende Wirkung eines gediegenen Gin-Tonics im Selbstversuch ausprobieren und zu gegebenem Zeitpunkt berichten – Yiamas!

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