Warum Griechenlands Rückkehr zur Drachme verschleppt wird

BERND SKYRA (Die Presse)

Mit einem Bruchteil der aktuell geleisteten Zahlungen könnte man den Griechen zu einem wirtschaftlichen Neuanfang verhelfen.

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Weitere Schulden anhäufen und die Wirtschaft ruinieren ist das „Rezept“ der Hilfe für Griechenland. Ein Neuanfang mit echter Hilfe für die Griechen wird verhindert. Mit hartem Auftreten gegen die „faulen Hellenen“ will die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, ihren Steuerzahlern weismachen, das eingesetzte Geld könne man wieder zurückholen; dafür gilt sie als Wiedergängerin nazideutscher Besatzer. Das ist kein Beitrag zum Friedensprojekt Europa!

Die Hauptgründe, warum gegen jede wirtschaftliche Vernunft die Rückkehr der Griechen zur Drachme verschoben wird, sind:
•Erstens: Griechenland habe noch nicht genügend privatisiert. Dies ist die Medizin der ökonomischen Quacksalber, um Volkswirtschaften zum Erblühen zu bringen. In Wahrheit dient sie zum Herauspressen der letzten Werte eines Landes. Nach den Vorgaben des IWF sollte das Vermögen des Staates den Finanzhaien vorgeworfen werden.

Wenn US-Außenministerin Hillary Clinton gemeinsam mit ihrem Mann Bill (vertritt Erdölkonzerne) in Athen auftritt, geht es nicht um unbewohnte Eilande. Erdöl- und Erdgasvorkommen sind das Objekt der Begierde. Nach dem unvermeidlichen Zusammenbruch hat Griechenland dann nichts mehr, um eine Zukunft zu finanzieren.

•Zweitens: Europas Umbau nach neoliberalen Vorgaben wäre plakativ fehlgeschlagen. Banken, Fonds, Spekulanten etc. würden blank dastehen. Private Zukunftsvorsorge und Pensionskassen – jetzt schon schwer angeschlagen – wären als Chimäre noch klarer erkennbar. Der heilige Gral kapitalgedeckter Zukunft zerbräche.

•Drittens: Die Europäische Zentralbank muss Zeit gewinnen, um den Bank-Freunden Mario Draghis die Schrotttpapiere abzukaufen. Dann kann der Verlust auf alle europäischen Steuerzahler aufgeteilt werden. Schuldknechtschaft für ganz Europa, weil man aus Griechenland nichts mehr herauspressen kann. Draghis Goldman & Sachs hat ja bei der Bilanzfälschung der Hellenen ganze Arbeit geleistet. Die getäuschte EU hat nun den Bock zum Gärtner gemacht – oder es wurden schon damals die europäischen Bürger einvernehmlich betrogen.

Bedrohliche Stimmung
Das Wirtschaftsforschungsinstitut hat unlängst im Gleichklang mit Brüssel verkündet, Griechenlands Rückkehr zur Drachme würde in Österreich zum Verlust tausender Arbeitsplätze führen. Wir könnten dann nicht mehr dorthin exportieren. Derzeit ermöglicht der Euro, dass Griechenland Waren importieren kann, für die es keinen Gegenwert gibt – einer der Gründe für die Katastrophe. Das Handels-/Leistungsbilanzdefizit der Griechen bedeutet, dass wir unsere Exporte selber bezahlen müssen – mit Griechenland-Hilfe, ESM und unserem Anteil an der EZB. Österreich ist dabei ein dummer Mitläufer, der Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie Deutschlands und Frankreichs finanziert.

Mit einem Bruchteil der aktuellen Zahlungen könnte man den Griechen wirklich helfen, nachdem das Land nach einem geordneten Konkurs neu anfängt. Derzeit wird die Wirtschaft aber krankgeschrumpft, die Schuldenlast steigt. Es gibt ein Heer von Arbeitslosen. Dafür haben die Krisenmacher aus Brüssel aber ein Rezept: die Sechstagewoche! Kein Wunder also, wenn die Menschen in Griechenland wütend sind – auf Frau Merkel und die eigene politische Klasse. Zuletzt war eine bedrohliche Stimmung spürbar. Es hat schon einmal einen Militärputsch und auch Bürgerkrieg gegeben.

Bernd Skyra (geb. 8.11. 1941) war nach seiner Tätigkeit als Architekt in Deutschland bis zur Pensionierung HTL-Professor in Österreich.

Quelle: Presse.com

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Ein Kommentar

  1. sind sicher ein paar gute denkanstöße dabei, aber das meiste ist blödsinn und wunschdenken. nur weil wer herr professor ist, hat er auch nicht die weisheit mit dem löffel gefressen.

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