„Welterbe Griechenland“ in der Stadtbücherei in Neumarkt

NEUMARKT in der Oberpfalz: In Zusammenarbeit der Stadtbibliothek Neumarkt mit einem Projekt-Seminar des Ostendorfer Gymnasiums unter der Moderation von StD Helmut Wagner entstand die Themenausstellung „Welterbe Griechenland – was die Welt Griechenland verdankt“. Die Ausstellung ist im Juli in der Stadtbibliothek Neumarkt zu sehen.

Die Griechen haben unsere Kultur in einzigartiger Weise geprägt. Schon unser Erdteil ist nach einer Figur des griechischen Mythos benannt. Wenn wir reden, gebrauchen wir viele Wörter, Ausdrücke und Bilder, die von den alten Griechen kommen. Die Begriffe sehr vieler Wissenschaften stammen (neben dem Lateinischen) aus der griechischen Sprache – kein Wunder, haben doch die Griechen diese Wissenschaften fast alle gewissermaßen „erfunden“. So enthält etwa der Satz „Der Arzt diagnostiziert ein Hämatom“ zwei deutsche und vier griechische Wörter. Die Gattungen unserer Literatur sind griechischen Ursprungs – Lyrik, Epik und Dramatik. So gesehen, ruht unsere Stadtbibliothek fest auf griechischem Fundament.

Ein P(rojekt)-Seminar des Ostendorfer-Gymnasiums hat sich zum Ziel gesetzt, diese Sachverhalte ins Bewusstsein zu rufen und dabei auch einige Tipps für lesenswerte Bücher zu geben. Nicht zuletzt die Jugendliteratur der letzten Jahre verdankt der griechischen Literatur und Mythologie überraschend viel.

„Hellas sei Dank! Was Europa den Griechen schuldet“ von Karl-Wilhelm Weeber ist eine umfassende „historische Abrechnung“ (so der Autor) mit allem, was die Griechen uns gebracht haben und womit wir tagein-tagaus, oft ohne es zu wissen, umgehen. Da sind etwa die Kapitel Von „Auto“ bis „Zerberus“- Unser tägliches Griechisch“, oder Asklepiosstab und hippokratischer Eid – Ohne Griechen keine Heilkunst oder Bühne frei für Dionysos – Theater ist Kult oder Macht und Magie der Rede- Rhetorik als Ausdruck des Menschseins … und viele mehr. Man kann das Buch von Anfang bis Ende durchlesen (was sich sehr lohnt!) – oder sich gezielt die Wisssensgebiete herausnehmen, die einen besonders ansprechen. In jedem Fall: Es ist keine Zeile langweilig. Weebers Stil ist, bei aller sachlichen Korrektheit, locker, flüssig, elegant, oft witzig. Selbst der Griechischlehrer (Autor dieser Zeilen) hat am Ende mehr gewusst als vorher!

In dem Buch „Musen am Telefon – Warum wir alle wie die alten Griechen sprechen, ohne es zu wissen“ schreibt Karl-Wilhelm Weeber mit viel Witz und Charme über den sprachlichen Einfluss des Griechischen aufs Deutsche. Nebenbei erfährt der Leser auf sehr unterhaltende Art und Weise Wissenswertes über die griechische Kultur. Weeber greift die unterschiedlichsten Themenbereiche auf, von Begriffen aus der Küche über neueste Wörter der Jugendsprache – nahezu alles ist zu finden. Man lernt Dinge, die man nie auch nur geahnt hätte, und es wird nie langweilig, da das Wissen informativ und interessant vermittelt wird – beispielsweise in einem fiktiven Gespräch zwischen Michael Schumacher und Archimedes. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch!

Wenn man an Philosphie, speziell an die antike Philosphie, denkt, fallen einem sofort Namen wie Sokrates, Platon oder Aristoteles ein. Von einer anderen Philosophengruppe, den Kynikern, weiß man dagegen meist recht wenig. Und wenn, dann kennt man Diogenes, der in einer Tonne gelebt hat, Alexander den Großen „angemacht“ hat und tagsüber mit einer brennenden Laterne durch Athen gelaufen ist. Dabei hätte es die Philosophie der „Hunde“ verdient, mehr Beachtung zu erfahren. Georg Luck sorgt dafür in seinem Buch „Die Weisheit der Hunde“: Es ist kein Buch „über“ die Kyniker, sondern es beinhaltet Übersetzungen ihrer Texte und Quellen. Es werden verschiedene Kyniker, mit einer Einführung über ihr Leben, ihre Bedeutung und ihre Philosophie, chronologisch vorgestellt. So kommt der Leser in direkten Kontakt mit Krates, Bion und Co., ohne sich dabei allein gelassen zu fühlen, und bekommt einen guten Einblick in die philosophische Vielfalt der Antike.

In dem Buch „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder geht es um ein Mädchen, das von einem geheimnisvollen Absender Briefe zugeschickt bekommt, die die gesamte Geschichte der Philosophie behandeln, unter anderem auch die drei großen griechischen Philosophen Sokrates (470 – 399 v. Chr.), Platon (427 – 347 v. Chr.) und Aristoteles (384 – 322 v. Chr.). Im weiteren Verlauf der Handlung erhält Sofie außerdem Postkarten von einem sonderbaren „Major“ und erfährt auch etwas über eine gewisse „Hilde“. In zwei miteinander verwobenen Erzählsträngen wird Sofies eigene Existenz immer rätselhafter. Das Buch ist sehr interessant und lesenswert – das Ende wirklich überraschend!

„Griechische Geschichte – Von den Anfängen bis zum Hellenismus“ von Detlef Lotze bringt einen groben, aber klaren Überblick über grundlegende Ereignisse des griechischen Zeitalters. Durch landschaftliche Prägungen bildete sich das archaische Zeitalter – mit der Ausbreitung der Griechen im Mittelmeerraum – und schließlich das klassische Zeitalter der Griechen heraus. Durch den Aufstieg Makedoniens und die Eroberungszüge Alexanders des Großen kam es zur hellenistischen Staatenwelt, in die später das römische Reich eingriff. Insgesamt ist das Buch sehr sachlich geschrieben und klar strukturiert.

Einem – nicht unwesentlichen – Teilbereich der historischen Wissenschaft widmet sich das Buch „Militärgeschichte der Antike“ von Leonhard Burckhardt. Schon in der Antike war das Militär ein wichtiges Machtinstrument der Herrschenden und zeugte von der Bedeutsamkeit einer Region. Wie es zur Geltung kam oder wie die antike Kriegsführung gehandhabt wurde, erfährt man in diesem Buch. Abbildungen und zwei Karten liefern das nötige geografische und visuelle Hintergrundwissen. Das Buch ist chronologisch vom Zeitalter der „Heroen“ über die Peloponnesischen Kriege bis hin zum späten römischen Reich aufgebaut und umfasst damit ein ganzes Jahrtausend wichtiger historischer Geschehnisse der Militärgeschichte. Somit muss man nicht alle Kapitel nacheinander lesen, sondern kann Einzelnes, je nach Interesse, nachlesen.

Bei Raymond V. Schoders „Meisterwerke griechischer Kunst“ ist der Titel Thema. Zuerst wird zusammenfassend geschildert, wie sich die griechische Kunst in den letzten Jahrtausenden verändert hat. Anschließend werden Vasen, archaische Skulpturen, Münzen, Mosaike und Glasschalen zwischen dem 16. Jh.v.Chr. und 200 n.Chr. in Wort und Bild erklärt. In den Texten wird insbesondere auf die Verarbeitung eingegangen, aber auch zusätzlich über den Verwendungszweck und den Ausstellungsort informiert. Die ältesten hier aufgeführten Stücke sind goldeingelegte Dolche aus Mykene aus dem 16. Jh.v.Chr., es werden aber auch bekanntere Ausstellungsstücke beschrieben, wie der „Diskuswerfer des Myron“ oder das Mosaik mit der Alexanderschlacht von Issos. Dieser Bildband wird alle Griechenland- und Archäologie-Interessierte begeistern!

„Das antike Olympia – Götter, Spiel und Kunst“ von Ulrich Sinn: Wenn heutzutage das Stichwort „Olympia“ fällt, verbindet damit jeder sofort die Olympischen Spiele. Dass sich diese griechische Stadt allerdings nicht nur darauf reduzieren lässt, wird hier eingängig erklärt. Der Autor beschreibt die Geschichte vom antiken Olympia – von der Aufgabe der Stadt bis zu ihrer Wiederentdeckung – und geht auch auf die Verehrung der Götter und ihre Mythen ein. Natürlich werden auch die antiken Olympischen Spiele, die sich durchaus von den heutigen Spielen unterscheiden (sowohl in den Disziplinen als auch, was ihr „Outfit“ – die Nacktheit – betrifft, thematisiert. Erläutert werden hierbei nicht nur die Wettkämpfe selbst, sondern auch die äußeren Gegebenheiten vor Ort, von der Organisation bis hin zur Einquartierung der Kämpfer. Ein Buch, das nur so vor geschichtlichem und archäologischem Wissen strotzt, aber dieses durch vielerlei Bilder und Beispiele veranschaulicht.

Einer weiteren bedeutsamen Ausgrabungsstätte widmet sich das Buch „Delphi“ von „Orpheus“ (Herausgeber). Darin wird näher auf die Stadt Delphi und deren Heiligtümer und Gebäude eingegangen. Diese werden mit Bildern und dazu mit kleinen Texten erläutert, ihre Funktion und Bedeutung für die Griechen damals wird näher erklärt. Noch dazu gibt es auch aktuellere Fotos der Stadt in dem Buch, auf denen die Grundrisse der Gebäude und einige Ruinen sehr gut zu erkennen sind. Ein großer Teil des Buches beschäftigt sich aber vor allem mit den Denkmälern Delphis. Ein kleines Highlight ist die ausklappbare und ausführliche Karte des Apollon Tempels, welche im Buch enthalten ist.

Griechenland heute – ein nach wie vor bedeutsames Reiseland: ,,Griechenland, Athen & Festland“ vom Buchverlag Dorling Kindersley. Der Vis-á-Vis-Reiseführer informiert zunächst über die Geschichte Griechenlands sowie das antike Griechenland und bietet somit einen Überblick. Ein großer Teil des Buches befasst sich mit dem Festland, wobei Athen genauer betrachtet wird. Dabei empfiehlt das Buch einige Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel den Olymp, die Akropolis, den Tempel des Olympischen Zeus sowie zahlreiche Museen und vieles mehr. Außerdem bietet das Buch Infos und Tipps über die Urlaubsgestaltung für Reisende und wird durch viele Bilder veranschaulicht.

Auf Reisen spielt das Thema „Essen“ eine nicht unbedeutende Rolle. Einen Einblick sowohl in die klassische als auch in die moderne griechische Küche vermittelt das Buch „Griechisch Kochen“ von Reinhardt Hess. So werden im ersten Teil Informationen zum Essen in Griechenland vermittelt. Das Vorurteil, dass Griechen ihr Fleisch hauptsächlich gegrillt essen, wird widerlegt und auch die Vorliebe der Griechen für Gemüse wird dargestellt. Im zweiten Teil des Buches werden Rezepte, zum Beispiel von Salaten, Meeresfrüchten oder auch Fleischgerichten erklärt. Beim Betrachten der dazu abgebildeten Fotos von Rolf Seiffe bekommt man sofort Lust und Appetit auf die griechische Küche. Abschließend garantieren die 10 Erfolgtipps im dritten Buchteil ein gutes Gelingen der Rezepte. Alles in allem regt dieses kleine, jedoch feine Buch das Interesse zum Kennenlernen der griechischen Küche an und verführt zum Nachkochen der besonderen Rezepte.

Quelle: Neumarkt-TV.de


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