bloekendes-Schaf

Wie haben wohl die altgriechischen Schafe ge“bäh“t?

Einigen von Euch wird ja bekannt sein, dass die Verfasserin dieses Artikels in linguistischen Dingen recht wissbegierig ist (manche nennen das sogar „neugierig“, tststs…. Honi soit qui mal y pense!) – und mitteilsam!. Und sie hat nun auch noch eine absolut Seelenverwandte gefunden – unsere liebe Freundin Melitta Kessaris, die ihreszeichens nicht weniger „wissbegierige“ und mitteilsame polyglotte Autorin und Dichterin mit wundervollem (manchmal recht morbidem Wiener) Humor und österreichisch-ungarisch-griechischer Abstammung.

Es begab sich also zu der Zeit, da in Paleochora/Südwestkreta das 3. griechisch-deutsche Lesefestival stattfand. Es wurden Freundschaften geschlossen, man fand seine Seelenverwandten oder brachte diese im Idealfall sogar zusammen – so geschehen in vorliegendem Falle…

Die Initiatorin und Mitorganisatorin des Festivals Edit Engelmann (ebenfalls neugierige und sprachinterressierte hellenophile und in Hellas ansässige Buch-Autorin) traf auf Melitta – das Bindeglied zwischen den Beiden war der weibliche Teil der Radio-Kreta Scheffredaktion (also ich).

taenzer-paleochora
Paleochora im Südwesten Kretas.

Man saß also im vorabendlich ruhigen Paleochora am Bücherbuffet und unterhielt sich über dies und das. Vor allem natürlich über Bücher und Texte, zukünftige Projekte und vergangene (Sprach-) Historie.

Und da kam Melitta mal wieder zum Zuge, ist sie doch eine unglaublich gebildete und in literarischen Aspekten sehr bewanderte Zeitgenössin, die nach eigenem Bekunden eine gewisse jugendliche Albernheit nie abgelegt hat (das können wir übrigens bestätigen – und das ist herrlich so!).

Da Melitta von uns drei Grazien die in der griechischen Sprache am besten Bewanderte ist, erheiterte sie uns mit einem kleinen Ausflug in´s Altgriechische:

Es ist wohl so, dass Sprachwissenschaftler, die sich mit der alt- und neugriechischen Sprache beschäftigen, sich immer noch nicht so ganz einig darüber sind, wie die alten Griechen denn nun wirklich gesprochen haben. War ein „Vita“ (Β oder β) schon immer eine Art „W“-Laut, ein „Ita“ (Η oder η) schon immer ein „i“, oder wurden diese Buchstaben komplett anders ausgesprochen?

Tja, wie sollte man dieses Rätsel lösen? Zeitzeugenbefragung schied ja nun mal aus, auf verwertbare Bild/Ton-Aufzeichnungen musste aus offensichtlichen Gründen auch verzichtet werden.

Aber zumindest in Teilbereichen wurde man fündig – und natürlich mal wieder bei einem alten Griechen: Aristophanes. Aristophanes, der Komödien- und lustspielschreibende Schlingel, hat sich nämlich in einem seiner Werke auch mit Schafen beschäftigt und deren Gemeckere, das wohl damals wie heute wie „Bäh“ klingt, wie folgt geschrieben: „βη“.

Scheff mit Schaf
Scheff-Schafsprachenforscher

Der große Erasmus von Rotterdam zog daraus den Schluss, dass das altgriechische β ein „B“ und das frühere η ein „Ä“ gewesen sein muss – das ergibt zusammen ein „BÄ“, denn sonst hätten die altgriechischen Schafe ja „WI“ geblökt und wären somit Pferde gewesen…

Melitta stellte nach diesem kurzen Exkurs zu Aristophanes und Erasmus von Rotterdam zwar noch kurz flapsig in den Raum, dass über die Jahrhunderte und -tausende ja vielleicht auch im Schafbereich Sprachreformen durchgeführt worden waren (oder die Schafe von damals tatsächlich doch Pferde), was zu extremer Belustigung aller Beteiligten führte – was man auf dieser Aufnahme sicher deutlich sehen kann:

Ta koritsia gelane
Bääääääääää! v.l.n.r: Melitta Kessaris, Su Krüger und die gut „behütete“ Edit Engelmann

Dieser Schafsprachenforscher und Komödienschreiber Aristophanes (griechisch Ἀριστοφάνης Aristophánēs) wurde – auch da scheiden sich die Geister – zwischen 450 v. Chr. und 444 v. Chr. als Sohn des Philippos in Kydathen, einem Stadtteil Athens geboren, wo er auch um 380 v. Chr. wieder verschieden ist. Er war ein griechischer Komödiendichter und hat einige, auch heute noch aktuelle, Aphorismen von sich gegeben, die dankenswerterweise irgendwie übermittelt wurden.

Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der griechischen Komödie, insbesondere der „Alten“ Komödie, und des griechischen Theaters überhaupt. Seine Komödien, vor allem „Lysistrata“, werden auch heute noch immer wieder gespielt.

Über das Leben des Dichters ist wenig bekannt, dafür gibt es – von seinen Komödien mal abgesehen – einige Aussprüche, Zitate und Aphorismen, von denen manche heute aktueller denn je erscheinen.

Eine kleine Auswahl meiner persönlichen Favoriten:

  • „Die Liebe zum Profit beherrscht die ganze Welt.“
  • „Das Alter ist nur eine zweite Kindheit.“
  • „Regieren ist kein Ding für Leute von Charakter und Erziehung“ und der wohl jedem bekannte Ausdruck 
  • „Eulen nach Athen tragen.“

Und da die Autorin mit der Recherche zu diesem Artikel noch neugieriger auf die Historie der griechischen Sprache geworden ist, gibt es demnächst noch mehr davon.

Radio Kreta – Neugierde bildet auch!


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Für´s Neugriechische zuständig sind hier übrigens Melitta und Su in individuellen Urlaubs-Sprachkursen!

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