Wirtschaft in Griechenland: Schnecken ohne Ende…

Von FOCUS-Korrespondent Wassilis Aswestopoulos

Griechenland wünscht sich Investoren. Was ein Mann erlebt, der in Hellas ein 300-Millionen-Projekt starten will.

In ihrem Ranking der Investorenfreundlichkeit listet die Weltbank Griechenland auf Platz 100 von 183 Nationen – hinter Vietnam und dem Jemen. Nun verspricht Ministerpräsident Antonis Samaras, sein Land wolle für Investoren „einen roten Teppich ausrollen“. Hier ist die Geschichte eines Mannes, der sich seit Jahren bemüht, 300 Millionen Euro in Griechenlands Wirtschaft zu stecken.

Als „Kretomanen“ bezeichnet sich Dieter Otten, als einen unbedingten Fan Kretas. Der 69-Jährige war Professor für Soziologie an der Uni Osnabrück und Geschäftsführer des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen. Er hat weitere deutsche „Philhellenen“, Freunde Griechenlands, als Mitstreiter und Geldgeber für einen viel versprechenden Plan gewonnen.

Otten will das erste thermische Solarkraftwerk Kretas errichten. Die Anlage im Osten der Insel könnte 50 000 Haushalte mit Energie versorgen. 80 bis 90 Arbeitsplätze sollen entstehen. „Hyperion 1“ nennt Otten sein Projekt, nach einem Titanen der griechischen Mythologie, einem Gott des Lichts. „Kreta ist einer der besten Standorte für Solarenergie in Europa“, schwärmt Otten, „wenn nicht sogar der beste.“

Bislang verbrennen die Kreter Dieselöl, um Strom zu erzeugen. Das schadet der Umwelt und ist teuer. Die Elektrizitätswerke verkaufen jede Kilowattstunde mit mehr als zehn Euro-Cent Verlust. Das Solarkraftwerk wäre ein großer Fortschritt, Zeichen eines Aufschwungs.

Am 18. Oktober 2008 beantragt Otten eine Lizenz. Laut Gesetz sollte innerhalb von drei Monaten darüber entschieden sein. Zwar hat die Regierung bereits 2006 eine Regelung zur Einspeisevergütung beschlossen, aber die zuständige Behörde setzt sie erst 2010 um. Es fehlt der Sachverstand. „Wir Antragssteller mussten selbst die Ausführungsbestimmungen des Energiegesetzes erarbeiten“, berichtet Otten.

Der Griechenfreund wendet sich an Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Der FDP-Politiker setzt sich persönlich für das Vorhaben ein. Die Bundesregierung übernimmt Bürgschaften. Doch das reicht nicht. Auch Griechenlands Medien zeigen kein Interesse an dem Zukunftsprojekt, nicht einmal die Wirtschaftsblätter reagieren.

Anfang Oktober 2011 bemüht sich Otten darum, dass seine Kraftwerkspläne in das neue „Fast Track“-Programm der griechischen Regierung aufgenommen werden. Es verspricht Investoren schnelle und unbürokratische Unterstützung. Innerhalb von 45 Tagen sollte der Bescheid kommen. Otten erhält die Genehmigung schließlich am 6. Juni 2012.

Wie eine betrunkene Schnecke bewege sich Griechenlands Bürokratie, meint der Deutsche, langsam und unberechenbar. „Nie hat uns jemand informiert. Die Behörden gaben sich stets extrem geheimnistuerisch. Treffen fanden nur auf Druck statt und verliefen dann ergebnislos.“ Jeder Regierungswechsel hätte die Beamten zusätzlich gebremst. Bei jedem Inspektionsbesuch der Geldgeber-Troika aus EU, EZB und IWF ruhe die Arbeit.

Nun begegnet Otten neuen Widerständen. Die linksradikale Partei Syriza und die Kommunisten bekämpfen das Solarprojekt. Sie werfen Otten „Energiekolonialismus“ vor. Als er im Bürgerhaus von Sitia auf Kreta seine Pläne präsentiert, wird er als „Besatzer“ beschimpft. Offenbar, weil Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble vorgeschlagen hatte, Griechenland könne Solarstrom exportieren. Vergeblich argumentiert Otten, dass es dafür gar nicht die nötigen Leitungen gebe und dass sein Strom ja für Kreta selbst gedacht sei. Er befürchtet, dass die Linken versuchen werden, sein Projekt über eine Umweltgenehmigungsklage zu kippen.

„Ich fühle mich“, sagt der unwillkommene Helfer, „wie in die falsche Zeit gefallen. Aber ich gebe nicht auf.“

Quelle: Focus.de
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Beim meinem ersten Landeanflug auf Kreta 1982 meldete sich unser Pilot Andreas Müller aus dem Cockpit:

„Kameraden

Wir befinden uns im Landeanflug auf Chania.

Denkt bitte an die neue Zeitzone.

Stellt Eure Uhren um eine Stunde vor.

Und das Datum um vierzig Jahre zurück.“

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