Zu Gast bei Radio Kreta: Professor Dipl.jur.Dr.,Dr.sc./Dr.habil.(DSc) Panos TERZ

Heute zu Gast bei uns am Studiotelefon: Panos Terz.

Panos erläuert uns den Unterschied in der deutschen und griechischen Mentalität:

Zu der deutschen Mentalität

Panos Terz

Es wird in methodischer Hinsicht dialektisch vorgegangen, d.h. die Vorzüge und Nachteile der deutschen Mentalität werden in ihrem dialektischen Wechselverhältnis untersucht. Es gilt auch, die Frage nach dem Warum zu stellen. Hierbei handelt es sich um eine philosophische Fragestellung. Dies soll getrennt geschehen.

Vorzüge der deutschen Mentalität

Einleitendes: Die Mentalität der Völker ist das Ergebnis einer jahrtausendealten Entwicklung, die von äußeren Bedingungen, wie z.B. Klima, Ernährung, geographischer Lage etc. sowie von deren Widerspiegelung in den Anschauungen, in der Tradition, in der Religion etc. abhängig ist. Am Anfang stehen die materiellen Lebensbedingungen. So erfordern das strenge Klima und die davon abhängigen schwierigen Lebensbedingungen eine effektive soziale Organisation, einen Verantwortlichen (Führer), Disziplin und Selbstdisziplin, Fleiß, Ausdauer, Geduld, Zielstrebigkeit, Erfindergeist usw.

Außerdem sind bestimmte Ereignisse von historischer Tragweite zu berücksichtigen, wie z.B. die Entstehung des Protestantismus mit seiner bewundernswerten und geschichtsgestaltenden Arbeitsethik. Zu erwähnen sind auch die bekannten “Preussischen Tugenden”. Dieses methodische Vorgehen erleichtert es wesentlich, die Vorzüge der deutschen Mentalität schneller zu orten.

Hier spielt das dialektische Wechselverhältnis von Sein und Bewußtsein eine entscheidende Rolle, während die wohl bekannte einseitige Sicht, daß das Sein das Bewußtsein bedingt, eher vulgär-materialistisch anmutet.

Es handelt sich im Wesentlichen um die folgenden Vorzüge:

Arbeitsliebe, Disziplin, Willensstärke, große Ausdauer, Zuverlässigkeit (“Ein Mann , ein Wort “), hochentwickeltes Organisationstalent, Erfindergeist, Gründlichkeit, Systematik, Methodik, Effektivität, Zielstrebigkeit, Ordnungsliebe, (“Ordnung ist das halbe Leben”), Pünktlichkeit, Ratio vor Emotio, entwickeltes Rechtsbewußtsein, Gemeinsinn (Gesellschaftsbewußtsein), Staatsbewußtsein und Steuerbewußtsein.

Aus Sicht der Systemtheorie stellen diese Vorzüge Elemente eines ontologischen (tatsächlichen) sowie eines gnoseologischen (theoretischen) Systems dar. Dabei sind sämtliche Elemente aufs engste miteinander (jedes mit jedem) verflochten. Zwischen ihnen bestehen gegenseitige Abhängigkeiten und Beeinflussungen, Hierdurch entsteht aus den Eigenschaften der einzelnen Elemente nicht etwa lediglich eine einfache Summierung, sondern vielmehr eine neue Qualität, die sich durch eine hohe Dynamik auszeichnet. Dies ist die solide Basis für die heutige Kraft Deutschlands.

Nachteile der deutschen Mentalität

Auch in diesem Falle bedarf es unbedingt der Beachtung jener Faktoren und Umstände, die zu den Nachteilen geführt haben. Die Vorfahren der heutigen Deutschen lebten jahrtausendelang unter extrem schlechten Bedingungen. Ihnen ging es stets um die nackte Existenz. Man denke an das tragische Schicksal der Teutonen, die sechs Jahre in Folge keine Ernte hatten. Die alten Germanen hatten weder Zeit noch die Muse, um sich mit feinen Umgangsformen und mit schönen Künsten, geschweige denn mit Theorie und Philosophie zu befassen. Dies ist mit geballter Kraft im 18./19. Jh. höchst erfolgreich nachgeholt worden (Kant, Hegel). Sie haben die Kultur in erster Linie von den Römern und sie wiederum von den alten Griechen übernommen. Die Germanen führten ständig Kriege gegeneinander sowie gegen kulturell überlegenere Eindringlinge. So stand die Kampfkraft stets im Mittelpunkt und nicht unbedingt die Geisteskraft.

Ihre Ernährung war ebenso arm und einfach. Dabei spielten und spielen weiterhin das Schweinefleisch und insgesamt die tierischen Fette eine bestimmende Rolle. Trophologen (Ernährungswissenschaftler) haben jedoch schon längst festgestellt, daß der übermäßige Konsum von Schweinefleisch und von tierischen Fetten seit fast 42 tausend Jahren sehr negative Folgen haben kann, wie z.B. Aggressivität, langsames Denken-darauf haben schon Hegel und Klopstock indirekt hingewiesen- und Beeinträchtigung der Manneskraft. Letzteres hat Ende der 60er Jahre zu der für die nordischen Männer unangenehmen Erscheinung des Sex-Tourismus in Richtung Mittelmeerländer seitens der Frauen geführt.

Es gibt weitere Umstände, von denen die deutsche Mentalität negativ beeinflußt worden ist, wie das allseitige Zurückbleiben der Deutschen, verglichen mit anderen europäischen Völkern, wie z.B. den Italienern (Rennaissance), den Franzosen (bürgerliche Revolution, Menschenrechte, Kultur) und den Engländern (Industrie-Revolution, Kapitalismus, Parlamentarismus).

Speziell gegenüber den kulturell überlegeneren Franzosen sind nicht zu unterschätzende Minderwertigkeitskomplexe entstanden. Die deutsche Mentalität ist auch von den Grausamkeiten im 30jährigen Religionskrieg, der zur Verrohung führte, von der totalen Militarisierung des Lebens in der zweiten Hälfte des 19. Jh. (Untertan sowie von den mit dem Nationalsozialismus in Verbindung stehenden Barbareien und Bestialitäten, einmaligen in der Menschheitsgeschichte überhaupt, gegen die europäischen Juden und während des Zweiten Weltkrieges stark negativ beeinflußt worden. Es wird noch viel Zeit benötigt, bis die Deutschen sich normal wie die anderen Völker verhalten werden. Dieser Prozeß wird allerdings dadurch stark beeinträchtigt, daß international einflußreiche Kräfte die Vergangenheit des Deutschen Volkes auf die nationalsozialistische Zeit sowie auf die negativen Seiten reduzieren und außerdem die Deutschen unfairerweise unter Druck setzen, um eigennützige ökonomische Ziele zu erreichen.

Folgend sollen die Nachteile erwähnt werden :

Schulmeisterei gegenüber den anderen Völkern, Intoleranz, Xenophobie (Angst vor Ausländern), gestörtes Verhältnis zu Alten, Schwerbehinderten und den Kindern, nationale Arroganz, Schwerbeweglichkeit, Neigung zur Aggressivität und zu Gruppen- bzw. Herdenbildung , fehlendes Selbstbewußtsein, Duckmäusertum, Humorlosigkeit, Verklemmtheit ( Männer ), immer noch Hang zum autoritären Denken, Überbewertung der formalen Höflichkeit als Kompensation für fehlende Herzensbildung, ausgeprägte Neigung zum Masochismus (Selbstzerfleischung), Gefühlskälte, Unterschätzung der Sexualität (nur die Männer) und der Zärtlichkeit , Grobschlächtigkeit (Männer), Borniertheit, oft Instinktlosigkeit sogar in den internationalen Beziehungen, starke Neigung zu den Extremen (kein Maßhalten, was zwei mal zu den bekannten Katastrophen geführt hat), wenig entwickeltes ästhetisches Empfinden, fehlende private Gastfreundschaft, in der Sexualität Überlegenheit der Frauen gegenüber den Männern mit weitreichenden ethnopsychologischen Konsequenzen.

Aus der Anwendung der Systemtheorie auf diese Nachteile ergibt sich ebenso eine geballte negative Ladung, die man nicht unterschätzen sollte, denn sie birgt in sich nicht nur eine hohe Dynamik, sondern auch eine extrem starke Explosivkraft.

Zu der griechischen Mentalität

Methodisch-methodologisch wird ähnlich vorgegangen wie bei der Untersuchung der deutschen Mentalität.

Ausgangspunkt hierfür ist das milde mediterrane Klima, das im Allgemeinen angenehme Lebensbedingungen schafft und den Menschen in seiner Ganzheit wesentlich und genetisch zu beeinflußen vermag. Das milde Klima hat in den vergangenen 42 tausend Jahren ausgeglichene, aufgeschlossene und kommunikative Menschen mit einem heiteren Gemüt geschaffen. All dies hat bereits in der Antike seine Widerspiegelung in der griechischen Mythologie gefunden (“Olympisches Gelächter” in der Götterversammlung).

Die alten Griechen haben sich ihre Götter nach ihrem menschlichen Bilde geschaffen, d.h. wie sie selbst sind. Im Mittelpunkt der Götterwelt stand die Fröhlichkeit. Was speziell den Göttervater Zeus anbelangt, bestand seine Hauptbeschäftigung darin, die schönen Frauen nicht nur in Hellas zu verführen und zu beglücken. Also der Gott Zeus besaß sozusagen genetisch eine überschäumende Sexualität.

Derartiges findet man nicht in den eher düsteren Mythologien der nordischen Völker, wo die Hauptbeschäftigung des höchsten germanischen Gottes Wodan der ständige Kampf war. Außerdem verfügten die Griechen fast fünf hochspezialisierte Göttinnen und Götter für die Erotik und die Sexualität, während die germanischen Stämme nur die armselige Liebesgöttin (eigentlich Fruchtbarkeitsgöttin) Freya kannten, der sie großzügigerweise nur einen einzigen Wochentag , den Freitag, gewidmet haben !

Dazu hat auch die vortreffliche Ernährung entscheidend beigetragen : Oliven und Olivenöl vom “Heiligen Olivenbaum”, Fisch, Gemüse (u.a. Knoblauch) ,Obst, Käse, Hülsenfrüchte, um die Wichtigsten zu nennen, Diese vitaminreiche und vorwiegend aus ungesättigten Fettsäuren bestehende Nahrung hat sowohl ihre Sexualität, als auch ihre außergewöhnliche intellektuelle Mobilität gefördert.

In den letzten Jahren haben Spezialhistoriker, nicht Altphilologen mit ihren traditionell linguistischen Mikrokosmos, nachgewiesen, daß es bei den alten Griechen eine hochinteressante und in der Weltgeschichte einmalige Besonderheit gab und zwar die Einheit von Eros und Weisheit, von Sexualität und Wissenschaft. Die Wissenschaftler meinen, daß die entspannte Einstellung der Griechen zu der Sexualität zusätzliche Kreativität freigesetzt hätte.

Es wäre allerdings verfehlt, zwischen den alten und den neuen Hellenen kultureller Hinsicht eine direkte Verbindung herstellen zu wollen, wie dies im offiziellen historischen Selbstverständnis der Neugriechen der Fall ist. Schon während der Eroberung der griechischen Stadtstaaten im 2.Jh. v. Chr. hatten wohl die siegreichen Römer Grund, den Griechen ihrer Zeit verächtlich als Graeculus (Griechenlein) zu bezeichnen. D.h. die Römer wollten auf die unangenehme Tatsache aufmerksam machen, daß schon die Griechen ihrer Zeit, also vor zwei tausend Jahren (!) ihren glänzenden Vorfahren unwürdig waren. Jetzt ist es leider noch schlimmer. Speziell auf dem Gebiet der Wissenschaft sind die wahren Bewahrer und Beförderer des altgriechischen Erbes die Nachkommen der alten nordischen Barbaren und nicht die ökonomisch stets am Boden liegenden Neugriechen.

Die griechischen Nationalisten (“Ellinarades”) nehmen nicht zur Kenntnis, daß die Römer mehr als 650 Jahre Eroberer waren. Dennoch konnten sich die griechische Kultur und die griechische Sprache im Oströmischen Reich im 7. Jh. letztendlich durchsetzen. Im Unterschied zu der römischen Besatzung hatte die ca. 450jährige türkische Besatzung die neugriechische Mentalität nicht unwesentlich beeinflußt, Es verwundert daher nicht, daß zwei führende griechische Wissenschaftler, der Philosoph Stelios Ramphos und der Historiker Apostolos Vakalopoulos, unabhängig voneinander, die Ansicht vertreten, daß der Neugrieche sich immer noch auf dem Wege nach Europa befindet oder noch drastischer formuliert, daß die Griechen in ihrer Mehrheit noch keine Europäer sind. Ihre Mentalität stellt vielmehr eine Synthese der Balkan – und der orientalischen Mentalität , d.h. der Balkan-Bauernschläue und der orientalischen Bequemlichkeit, dar.

Vorzüge der griechischen Mentalität

Freiheitsliebe, Selbstbewußtsein, Ehrgefühl, Stolz, intellektuelle Mobilität, kreative Phantasie, Begeisterungsfähigkeit, Kontaktfreudigkeit, Freundlichkeit Fröhlichkeit , Aufgeschlossenheit, Toleranz, ästhetische Orientierung, hochentwickelter Familiensinn, Respekt vor den älteren Menschen, Galanterie, entwickelte Sexualität (Sinnlichkeit, Leidenschaft).

Die konsequente Anwendung der Systemtheorie könnte dazu führen, daß der Neugrieche eher der klischeehaften Einschätzung seitens touristischer Philhellenen mit einer gewaltigen Portion von Idealisierung entspricht. Eine solche Sicht wäre allerdings extrem weltfremd.

Das ist jedoch die halbe Wahrheit. Selbstverständlich hat die neugriechische Mentalitätsmedaille eine andere, nicht gerade angenehme Seite, vor allem wenn entscheidende Vorzüge in der Anwendung übertrieben werden. So kann sich z.B. die Freiheitsliebe in Anarchie umwandeln.

Nachteile der griechischen Mentalität

Auch hier bedarf es einleitender Worte. Es ist nicht die Absicht gewesen, das antike Hellas zu idealisieren, Es darf daran erinnert werden, daß es nicht nur das Streitgespräch (Διάλογος), sondern auch die ständigen Kriege untereinander gab, bis das kulturell unterlegenere aber militärisch sehr starke Sparta den Stadtstaat Athen, das Zentrum der altgriechischen Kultur und Wissenschaft, zerstört hat. Nicht umsonst ist bei Platon der Satz Krieg aller gegen alle , bekannt in der lateinischen Übersetzung “Bellum omnium contra omnes” (“Kampf aller gegen alle”), geprägt worden. Noch heute herrscht im politischen Leben Griechenlands ständig der konfrontative Geist vor. Einvernehmliche Problemlösungen sind in der griechischen Tradition fast unbekannt.

Man darf außerdem nicht vergessen, daß die Hellenen die körperliche Arbeit zutiefst verachteten und auch deswegen als erste in der Menschheitsgeschichte auf die Idee gekommen sind, die Sklaverei massiert als Wirtschaftsfaktor zu erfinden, wobei kriegsgefangene Griechen zu Sklaven gemacht wurden, denen unglaublicherweise der größte Philosoph der Antike Aristoteles das Menschsein abgesprochen hatte, indem er sie als Ding (Πράγμα) bezeichnete.

Somit schufen sie eine neue Gesellschaftsformation, die Sklavenhalterordung, die zwar zur Explosion der Produktivitätskräfte führte (Karl Marx), die allerdings nicht gerade eine humanistische Errungenschaft war. Im Unterschied von den Hellenen kannten die anderen hochkultivierten Völker nur die Haussklaverei. Ich bin mir durchaus dessen bewußt, daß diese historischen Wahrheiten desillusionierend wirken, aber es handelt sich eben um objektive Wahrheiten und nicht um subjektive Interpretationen oder um nationalistische Phantastereien.

Desweiteren ist zu beachten, daß das griechische Volk weder die Renaissance, noch die Aufklärung, noch die bürgerliche Revolution erlebt hat. Es hat ferner weder das Individuum (Stelios Ramphos), noch den Citoyen (Staatsbürger) hervorgebracht. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die Neugriechen in ihrer Mehrheit weder ein Gesellschafts-, noch ein Staats-, noch ein Rechts,- und was für die Finanzlage besonders schwerwiegend ist, noch ein Steuerbewußtsein besitzen. Sie betrachten vielmehr den eigenen Staat fast als Feind und versuchen, ihn mit besonderer Freude zu betrügen, wie dies in der Zeit der Türkenherrschaft üblich war (Vgl. im Blogg die Artikel “Ατομο, Ατομικότητα,Ατομικισμός, Εγωϊσμός Φιλοτομαρισμός”, “Νεοέλληνας, Βαλκανοανατολίτης” und “Ελλάς, Ανατολή-Δύση”).

Diese antistaatliche Grundposition ist auch nach der Erringung der nationalen Befreiung im 19.Jh. nicht aufgegeben worden. So ist die Steuerhinterziehung ein sehr lohnender Nationalsport, auch wenn dadurch der Staat zugrunde geht, wie dies gegenwärtig der Fall ist. Hierdurch ist die eigene spöttische Formulierung entstanden, “Reiche Bürger, armer Staat”, was letzten Endes den Staat ruiniert hat und noch dazu die Verarmung der Mittelschicht und anderer Bevölkerungsschichten verursacht hat.

Für die Zwecke der nationalen Identitätsstiftung und Identitätssicherung ist bereits Mitte des 19. Jh. ein hochgezüchtetes Nationalbewußtsein entstanden, welches die absolut notwendige Herausbildung des Staats- und des Rechtsbewußtseins verhindert hat. Was Letzteres betrifft, so kann unschwer festgestellt werden, daß der Neugrieche seine Rechte wohl kennt und sie großzügig in seinem egoistischen Interesse interpretiert, jedoch geflissentlich übersieht, daß zum gedeihlichen Funktionieren eines Gemeinwesens auch Pflichten gehören. So sind solche Fragestellungen, wie z.B. das dialektische Wechselverhältnis von Rechten und Pflichten (“Böhmische Dörfer”) Vgl. im Blog dίe Artikel “Εθνική, κοινωνική, κρατική συνείδηση” und “Ατομο και κοινωνία-Πολίτης και κράτος”.

Ausgerechnet in der dreißigjährigen Periode nach dem Sturz der Militärdiktatur fand ein gewaltiger allseitiger Umwälzungsprozeß statt, der nicht nur viele positiven Entwicklungen aufzuweisen hat , sondern auch verheerende Folgen bezüglich der Grundlagen der griechischen Mentalität hatte. Auf der Basis von Milliarden-Krediten wurde ein Wohlstand im Sinne des Eudämonismus und eines primitiven Hedonismus geschaffen, der eine regelrechte Vernichtung der bis zu diesem Zeitpunkt geltenden ethischen, sozialen, kulturellen, ästhetischen und nationalen Werten herbeigeführt hat.

Diese Katastrophe ist möglicherweise verhängnisvoller als die ökonomische. Die meisten Griechen haben gegenwärtig den Eindruck, ihre Würde, die Wertschätzung und die Anerkennung seitens der anderen Völker verloren zu haben. Scham breitet sich wegen dieser internationalen Blamage aus. Teilweise ist es zu einer Krise der nationalen Identität mit weitreichenden ethnopsychologischen Folgen gekommen. Der moralisch-ethische Schaden ist fast irreparabel.

Folgend sollen die Nachteile erwähnt werden :

Als generelle Prämisse sind zwei Hauptprinzipien des griechischen Nationalcharakters zu betrachten : das Leben in vollen Zügen geniessen (Αρχή της απόλαυσης της ζωής”, wenn nötig auch auf der Grundlage gewaltiger Schulden, die man ohnehin nie zurückzahlen wird und die geringste Anstrengung (“Αρχή της ήσσονος προσπάθειας”) .

Im Einzelnen: Starke Neigung zur Disziplinlosigkeit, schwach entwickelte Ausdauer, kaum besondere Liebe zur Arbeit, unterentwickelte Dynamik schwacher Wille, kein Gemeinsinn, konfrontativer Geist privat und insbesondere in der Politik, primitive Demonstration des Reichtums, Emotio vor Ratio (übertriebene Emotionalität, privat wie als Nation), Surrealismus (Verwechselung von Wunschträumen und der harten Realität, Traumtänzer, Tagträumer. Vgl. im Blogg die Beiträge “Περί του νεοελληνικού Σουρεαλισμου” und “Ευρωπαϊκή αντικειμενικότητα vs Ελληνικός σουρεαλισμός “) fast wie in Lateinamerika, Macht des Wortes aber Schwäche der Tat, Hang zum fast paranoiden spekulativen Denken, krankhafter Hang zu Verdächtigungen und zu Verschwörungstheorien  fast alle seien gegen Griechenland, deswegen die Finanzkatastrophe etc.), Neigung zum Voluntarismus und zur Rechthaberei, stark unterentwickeltes Organisationstalent, traditionell extrem starker Hang zur Demagogie und zum Populismus, Weltmeister in Korruption (speziell der Verwaltungsapparat ist wie ein Augiasstall oder sogar wie die “Magna Cloaca” im alten Rom), Neigung zum Nationalismus und zum Chauvinismus, Oberflächlickeit individuell und besonders in den Staasangelegenheiten , Unzuverlässigkeit (” Ein (griechischer) Mann, ein Wörterbuch” ), Übertreibungssüchtigkeit, Kritikfeindlichkeit (wer kritisiert ist Feind, wer übermäßig lobt, ist ein echter Freund), vollständiges Fehlen der Selbstkritik, unterentwickeltes Verantwortungsbewußtsein in Gesellschaft und Staat und zugleich für das eigene Versagen andere verantwortlich machen, beängstigendes Fehlen der Fähigkeit zu wirtschaften, Überempfindlichkeit  privat und besonders in nationalen Fragen), vollständiges Fehlen des Bewußtseins von der dialektischen Einheit der Rechte und der Pflichten gegenüber der Gesellschaft und dem Staat, maßlose Selbstüberschätzung, Nepotismus (Vetternwirtschaft, Familiendynastien eigentlich orientalischen Typs, (Vgl. im Blog die Studie “Οικογενειοκρατία”) als Grundübel und Crescendo korruptiven Grundverhaltens, “Gesellschaftsvertrag” neugriechischer Provenienz über die reziproke (” Do ut des”) Korrumpierung von Bürgern und Politikern.)

Es ist nicht unbedingt meine Absicht gewesen, die in der Tat vorhandenen Nachteile des griechischen Nationalcharakters so massiert zu erwähnen. Ich habe lediglich nach der demokritischen Widerspiegelungstheorie gehandelt, die darin besteht, die objektive Realität zu widerspiegeln.

Erst die Anwendung der Systemtheorie auf diese Nachteile (neue Qualität, Dynamik) macht evident, warum Griechenland zusammengebrochen ist. Denn unter normalen Bedingungen würde man nicht verstehen, warum dieses Land, im Grunde genommen, aus eigener Kraft seine Bevölkerung nicht ernähren kann. Es fehlt mir schwer, das zu schreiben. Ohne es zu beabsichtigen, ist zum Schluß aus einer nüchternen Analyse eine Elegie geworden.

Schlußfolgerungen

1. Zwischen der deutschen und der griechischen Mentalität sind kaum Gemeinsamkeiten festzustellen. Es handelt sich ohne Übertreibung um zwei völlig unterschiedliche Traditionen, Kulturen, ja Welten.

2. Dies schließt jedoch unter bestimmten Bedingungen eine gegenseitige Beeinflussung nicht aus. Es gibt vor allem bei der deutschen Jugend Tendenzen, die mediterrane Lebensart zu mögen und vielleicht teilweise zu übernehmen. Andererseits haben sich die meisten der in Deutschland lebenden Griechen grundsätzlich an die deutsche Lebensart angepasst. Es gibt allerdings unter den in Deutschland ca. 350 tausend lebenden Griechen relativ viele, die kulturell immer noch in griechischen “Ghettos” leben. Sie interessieren sich nicht im geringsten für die deutsche Kultur, Tradition und Geschichte, geschweige denn für die schöngeistige Literatur, das Theater und die klassische Musik.

3. Die deutsche Mentalität eignet sich vorzüglich für die Beziehungen Mensch-Gesellschaft, Bürger-Staat sowie für die erfolgreiche Schaffung grundlegender Lebensbedingungen für die Menschen wie z.B. Aufbau einer gedeihlichen Wirtschaft, eines funktionierenden Verwaltungsapparates und einer blühenden Wissenschaft.

4. Die griechische Mentalität eignet sich in idealem Maße für das Genießen des Lebens sozusagen als menschliche Selbstverwirklichung, für die Erotik, für ausgeglichene zwischenmenschliche Beziehungen und für das Familienleben im weiteren Sinne des Wortes. Sie ist allerdings für die Schaffung solider Lebensbedingungen im breiten Sinne des Wortes ungeeignet.

5. Erfahrungsgemäß ist es durchaus möglich z.B. in erster Linie bei den in Deutschland lebenden Griechen, partiell eine Synthese der Vorzüge beider Mentalitäten herzustellen. Dies setzt jedoch Toleranz, Offenheit, Selbsterkenntnis, Ehrlichkeit, das entsprechende Wissen der anderen Mentalität sowie Willen und Bereitschaft voraus. Manch ein Grieche hat diese Synthese gezielt und systematisch schon längst sehr erfolgreich realisiert.

6. Grundsätzlich sollte es eigentlich möglich sein, daß die Deutschen von den Griechen solche Grundeigenschaften übernehmen, wie z.B. die Ausgeglichenheit Kontaktfreudigkeit, Aufgeschlossenheit, Freundlichkeit, Galanterie, Zärtlichkeit gegenüber den Frauen, gebührende Wertschätzung der sexuellen Komponente des Menschseins und die gesündere griechische Küche, vor allem das Olivenöl und die Oliven.

7. Die Griechen könnten im eigenen Interesse von den Deutschen Elemente des Fleisses, der Disziplin, der Ausdauer, der Zuverlässikeit, der Geduld, der Zielstrebigkeit, der Gründlichkeit, der Systematik und der Methodik übernehmen. Von anderen Völkern zu lernen ist wohl keine Schande. Nur die lernbereiten Völker können sich vortrefflich entwickeln, während jene Völker, die ewig narzistische Nabelschau betreiben, bleiben hoffnungslos zurück .

8. Es ist an der Zeit, daß es endlich zu der absolut notwendigen Europäisierung und Modernisierung Griechenlands kommt. Derartiges setzt allerdings den Willen voraus, radikale Strukturreformen konsequent durchzuführen. Es leuchtet wohl ein, daß die in Jahrhunderten entstandene griechische Mentalität nicht über Nacht verändert werden kann. Daher sollte schon jetzt bei der Bildung und Erziehung der Schulkinder nach Kriterien der entwickelten europäischen Länder begonnen werden. Auf alle Fälle bedarf es der gründlichen Auseinandersetzung mit dem mittelalterlichen Menschenbild der griechischen Orthodoxie. Vielleicht könnte sich in der Zukunft die verfahrene Situation grundlegend ändern und aus Griechenland ein richtiges europäisches Land wird. Andernfalls könnte der Spruch des großen Philosophen Hegel auch für diesen Fall gelten : ”Aus einer gebratenen Katze wird keine Hasenpastete”.

Zu der Mentalitätsproblematik siehe weitere Beiträge im Blog in griechischer Sprache ; 1. Γερμανοί, Πρώσοι, Προτεστάντες. 2. Γαλλία-Γερμανία, Διαφορετικές Νοοτροπίες. 3. Νεοελληνικός Εθνοκεντρισμός. 4. Νεοέλλην, βαλκανοανατολίτης. 5. Νοοτροπία, Κλισέ ; 6. Βαλκανοανατολίτικοι Πολιτικοί. 7. Ξεπεσμός α la Greca. . 8. Αδράνεια, Εθνοψυχολογία. 9. Έλληνες και Γερμανοί, Εθνολογική Σύγκριση. 10. Ελλάς, Ανατολή, Δύση. 11. Κοινωνικό Συμβόλαιο της Αμοιβαίας Διαφθοροποίησης. 12. Νεοέλλην Πολιτικός : Κάθαρμα, Αλήτης, Μπάσταρδο.

Bemerkungen : a ) Es ist vorgesehen, in der Zukunft über diese Thematik ein Buch zu publizieren. b) Ich bitte freundlichst die Leser, Ihre kritischen Bemerkungen in dem dafür vorgesehenen Raum unter dem Beitrag nieder zu schreiben. Das eilt nicht.

Danke im Voraus. Panos Terz (www.panosterz.de)


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Der nächste Aufsatz von Panos folgt in Kürze: „Zur kretischen Mentalität“.

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4 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Prof.Terz,

    vielen Dank für diese interessante Analyse ! Sie mag in Teilen etwas klischeehaft wirken, weil es natürlich in allen Völkern sehr unterschiedliche Menschen gibt. Ich kenne sowohl Griechen mit deutscher Mentalität als auch Deutsche mit griechischer Mentalität. Aber natürlich gibt es zwischen den Völkern gewisse kulturelle Unterschiede, die Sie zwar generalisieren und wohl auch etwas überspitzt darstellen, um dies zu verdeutlichen, aber zweifellos im Prinzip zutreffen.

    Die Frage ist, wie man damit umgeht und was man daraus macht. Da die meisten Griechen, wie Sie selbst schreiben, nicht sehr anpassungsfreudig und -fähig sind, sollte man nicht versuchen, aus einem Land, dessen Wirtschaft überwiegend von Familienbetrieben geprägt ist, einen Industriestandort mit westlichen Standards zu machen, sondern die vorhandene Struktur und Mentalität optimal zu nutzen.

    Das geschieht bereits im Tourismus, weil viele Nordeuropäer gerne am Mittelmeer Urlaub machen – nicht nur wegen der Sonne, sondern auch wegen der Mentalität der Menschen (sie lernen ja meist nur die positiven Seiten kennen). Das erklärt auch den Boom des Tourismus in GR trotz der gegenseitigen Schmähungen in den Medien, die wir in den vergangenen Jahren erlebt haben. Für uns Deutsche sind die meisten griechischen Politiker zwar unfähig und korrupt, aber der Grieche als Gastgeber nach wie vor „eine Seele von Mensch“ ! Dieses Ambiente ist schon der halbe Urlaub !

    Ich könnte mir deshalb gut vorstellen, dass man diese Stärke nutzt, um den Winterurlaub für Senioren bis hin zum Angebot von Reha und Pflege auszubauen, denn das passt hervorragend zu diesem Bild – wohl besser als zu jedem anderen europäischen Land. Keine luxuriösen Megakliniken, sondern kleine Häuser mit einem Dutzend Gästen, die von einer Familie betreut werden. Da kann man diese Stärken voll ausspielen.

    Im übrigen sollte man den Austausch zwischen den Ländern fördern, also mehr Griechen, die im Ausland (nicht nur in Deutschland) studieren und arbeiten, und ausländische Unternehmensberater und Investoren, die den Griechen helfen, ihre Wirtschaft und ihre Unternehmen zu optimieren, damit sie produktiver werden und mehr Geld verdienen.
    Letzteres ist zwar im Prinzip schon erkannt und eingeleitet, aber sollte seitens der Regierungen (GR und D) intensiver gefördert werden. Auf diese Weise können wir wohl am besten voneinander lernen. Die Medien könnten dies im positiven Sinne gut unterstützen ! Dafür ist Jörg zweifellos ein gutes Vorbild !

    Mit den besten Wünschen für Ihre Arbeit und ein erfolgreiches Buch !

    Achim Behrenwaldt, Bremen

  2. Sehr geehrter Herr Prof. Terz,
    als Wanderer zwischen den beiden Kulturen habe ich Ihren Beitrag mit einem breiten Lächeln im Gesicht gelesen. Es ist ziemlich exakt so, wie Sie es beschreiben. (Haben nicht bereits die Ägypter Sklaven gehalten?)

    Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn Deutsche und Griechen sich unterhalten oder sogar Geschäfte miteinander versuchen zu machen. Deutscher: „Ich würde mich freuen, wenn wir das so und so machen könnten“. Grieche: „Ja, Ok. Entaxi“. Beide denken sie sind sich einig und wundern sich dann, dass „ich würde mich freuen“ und „Ja. Ok. Entaxi“ für den jeweils anderen eine ganz andere Bedeutung haben.

    Letztlich geht es doch darum, zu respektieren, dass man unterschiedlich ist. Dinge funktionieren in Griechenland ANDERS als in Deutschland und umgekehrt. Oft weder besser noch schlechter – sondern ANDERS!

    In Deutschland verkehrt der öffentliche Verkehr um den Fahrplan einzuhalten. Bitten Sie mal auf einem deutschen Dorf den Busfahrer, ob er sie denn schon hier rauslassen könnte, damit Sie nicht von der Dorfplatz-Haltestelle zurücklaufen müssen. Bestenfalls bekommen Sie einen Vortrag über versicherungstechnische Hinderungsgründe genannt. Meistens einfach nur ein Nein. Ist das Kundenfreundlich?

    In Griechenland: „Halt mal kurz an, ich will raus und habe auch einen Koffer im Kofferraum.“ – kein Problem! Dann hat der Bus nachdem dies ein paar mal auf der Strecke passiert ist 15 Minuten Verspätung. Ist diese Verspätung Kundenfreundlich?

    Beispiele in dieser Richtung sehe ich viele. Warum sollte ich werten, ob es besser oder schlechter ist. es ist halt ANDERS!

    Einen Unterschied zwischen Deutschen und Griechen, den ich zumindest vom Begriff her in Ihrem Beitrag nicht wiederfinde ist das Unrechtsbewustsein und der Umgang damit. Der Grieche weiß sehr genau, wann er gegen das Recht verstösst – so wie der Deutsche. Es ist ihm aber egal und er ist im Zweifel sogar stolz darauf. Ich verweise hier als Beispiel auf die Hinterziehung des griechischen Φ.Π.Α. bzw. der deutschen Mehrwertsteuer. „Eine Quittung willst du? Ach f**** dich doch!“. Wir sollten aufhören so zu tun, als ob es in Deutschland keine Hinterziehung der Mehrwertsteuer gibt. Ist dein Auto kaputt bringst du es zu deinem Kumpel in die Werkstatt. Stellt der „Kumpel“ immer eine Quittung aus? Der Maler? Der Gärtner? In Deutschland ist Korruption oder die Hinterziehung der Mehrwertsteuer kein Kavaliersdelikt. Dementsprechend wird sie nur hinter vorgehaltener Hand gemauschelt.

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich schlechter finde. Das Deutsche hintenrum oder das offene Griechische?

    Haben Sie einem Griechen mal von der deutschen Schneeräumverordnung (http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4um-_und_Streupflicht) erzählt. Erst werden Sie angeschaut, als kämen Sie von einem anderen Planeten und dann gibt es einfach nur noch Gelächter. Die griechischen Urteile zum Thema Schadensersatz (falls es sie geben würde) wegen einem Glätteunfall, könnte man in einem Satz zusammenfassen „As prosexe“ (Hättest du halt aufgepasst) – und jeder in Griechenland weiss, dass es so ist. Eigentlich ist das doch der mündige Bürger, den wir in Deutschland fordern!

    Es funktioniert! Aber ANDERS!

    Ich in Griechenland arbeiten? Niemals! Dazu bin ich zu deutsch.
    Ich in Deutschland meine Rente auf den Kopf hauen? Niemals! Dazu bin ich zu griechisch.

    In Deutschland muss ich mir immer das Genöle anhören: „Wer soll das alles Essen? Viel zu viel Öl! Viel zu viel Knoblauch! Viel zu viele Leute!“

    In Griechenland das Genöle: „Lass uns mal Pause machen! Wie lange willst du denn noch arbeiten? Warum können wir das nicht bis morgen liegen lassen?“

    Ich liebe einfach beide Völker mit ihren Vor-. und Nachteilen!

    Ihr
    Konstantinos Holzer

  3. Liest Herr Terz denn hier überhaupt mit, oder weiß er evtl. Gar nichts davon, dass sein Text von Radio Kreta geklaut wurde? Das Interview ist zumindest ein Monolog…

Kommentare sind geschlossen.