Post von Louis: Vom Mythos und Schicksal der Schiffskatzen.

Der beste Hund von allen, Louis ist Redaktionshund, Fotoassistenz, Personal-Trainer und Security-Mitarbeiter in einer Person. Louis hat seinen Namen von Spyridon Louis, dem ersten Marathon-Olympiasieger der Neuzeit. Er ist jeden Tag viele Kilometer durch seinen Wohnort auf der wunderschönen Insel Euböa unterwegs. Euböa ist nach Kreta die zweitgrößte Insel Griechenland. Und auf Kreta wohnt Mitso Krygerakis. Er ist der Redaktionshund und Security-Mitarbeiter von https://radio-kreta.de/. Sein Chef, Jörg Krüger hat am gleichen Tag (nur in einem anderen Jahr) wie Louis Personal Trainer Geburtstag. In der unregelmäßig erscheinenden Kolumne „Post von Louis“ geht es um das, was Louis seinem Kollegen am Südwestzipfel Kretas gern mitteilen würde. Louis schreibt am liebsten über Tierthemen. Er setzt dabei humane Intelligenz zur Hilfe ein.

Mitso.

Lieber Mitso,

Du weißt, die Katzen beherrschen die Welt. Es gibt eine bestimmte Karikatur in verschiedenen Variationen. Sie zeigt Gott, oder Petrus auf einem prachtvollen Thron. Vor ihm sind verstorbene Haustiere, die Eintritt ins Paradies haben wollen. Ein Hund redet apologetisch und beteuert, seinen Menschen gegenüber immer beschützend und treu gewesen zu sein. Danach ist die Katze an der Reihe. Sie läuft, ohne zu zögern und blickt Petrus – oder Gott – direkt an und tönt: „Du sitzt auf meinem Stuhl“. Es gibt Versionen der Karikatur, in denen Petrus aufsteht und den Platz frei macht.

Gut – ich habe mich wie du daran gewöhnt. Wenn wir eine fremde Katze sehen, knurren wir mal kurz oder bellen. Aber die Katzen, die mit uns leben, sind unsere Chefs. Zu Hause bei uns hat Penelopi, kurz Popi oder „Star“, unsere Katze, das Sagen. Die ist schon älter als neun Jahre. Sie hat kaum noch Zähne aber dafür verteilt sie mit ihren Krallen schnell man eine Ohrfeige. Aber wir kommen gut miteinander aus. „Star“ hat ihren Spitznamen davon, dass viele ihrer Fotos in der Presse landen und Clips mit ihr im TV.  Und Popi / Star – ein Popstar halt – kann viele Geschichten erzählen.

So wie über die Katzen auf Schiffen. Die waren wirklich einst die heimlichen Königinnen auf den Schiffen und Booten. Sie wanderten auf den hölzernen oder eisernen Planken und die Seeleute hatten tiefen Respekt vor ihnen. Die Katzen waren die Schiffspolizei. Sie schützten die Vorräte an Bord und die gesamten Seile, das Tauwerk vor den Ratten und Mäusen. Die Nager zerstörten das Tauwerk, raubten und verunreinigten den Proviant. So konnten die Katzen auch die Ausbreitung von Seuchen verhindern oder bremsen.

Stell dir mal vor, Mitso, die kleinen Viecher waren Leibwächter der Menschen wie wir es sind. Popi behauptet, dass sie sogar mehr als wir geleistet hätten und es deshalb in einigen Ländern zwar Hundesteuern gibt oder gab, aber niemals eine Katzensteuer eingeführt wurde. Das ist natürlich wieder eine ihrer Übertreibungen.

Aber sei es drum, für die Seeleute waren Katzen mehr als bloße Schädlingsbekämpfer. Sie waren mystische Figuren an Bord, mit denen die Seefahrer eine tiefe Liebe verband. Die glaubten sogar, die Katzen könnten Stürme abwenden und mit ihrem Gespür Wetter vorhersagen.

Der Seemannsdichter Nikos Kavvadias widmete ihnen ein Gedicht, „Die Katzen der Frachtschiffe“ (Οι γάτες των φορτηγών).Kavvadias beschreibt darin rund um die Katzen als Begleiter die Isolation, die psychische Härte und den Aberglauben des Seemannslebens. Das Frachtschiff dient dabei als kalter Mikrokosmos, in dem die Katzen als Spiegelbilder der sehnsüchtigen und einsamen Seeleute fungieren. Durch symbolische Elemente wie ein Kupferhalsband oder den drohenden Wahnsinn offenbart das Werk den fatalistischen und oft erbarmungslosen Alltag auf See. Wenn die Katzen der Seeleute sterben, berichtet Kavvadias, dann trauern sie wie „wenn wir eine herzliche, geliebte Frau verlieren.“

Dieses jahrhundertealte Band zwischen Mensch, Tier und Meer zerbrach im Kielwasser der Moderne.  Nach dem letzten Weltkrieg ersetzten moderne Desinfektionsmittel die – eigentlich doch – niedlichen Tiere. Schlimmer noch, mit Quarantänegesetzen bekamen die Katzen in den Häfen der Welt Probleme, wenn sie per Schiff kamen. Die Katzen verschwanden von den Schiffen – aber nun beherrschen sie zumindest in Griechenland die Häfen.

Und weißt Du was? Dort haben alle Respekt vor ihnen – auch ich. Die Katzen im Hafen, die sind für mich fast heilig – wie Popi zu Hause. Und sie posieren auch so selbstbewusst. Wie diese stolze schwarze Katze vorgestern Nacht. Fast unbeweglich saß sie in tiefer Dunkelheit.

Die wartet darauf, dass die alten Seeleute, die im Hafen ihren Club haben, sie füttern. Also irgendwie sitzen die Katzen dann doch auf einem Thron. Oder was meinst Du?

Bis demnächst

Dein Louis

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