Nikos stellt vor…. Literatur gestern und heute.

„Die Steinsuppe!“ Eine hintersinnige Geschichte von den Freuden des Teilens und der Geselligkeit …

Bedeutende Werke sind die, die über Jahrhunderte und Jahrtausende immer noch dieselbe Ausstrahlung besitzen. In der dieser Rubrik wollen wir einen großen Bogen spannen, um die Kraft der Worte zu erfahren.

Heute : Die Steinsuppe, ein Märchen aus Irland

Ein Mönch ging betteln. Er kam an die Tür eines Bauern, aber sie wollten ihm nichts geben. Der Klosterbruder war zum Umfallen hungrig und sagte: „Na, dann will ich sehen, dass ich mir eine Steinsuppe mache.“ Und er hob einen Stein vom Boden auf, putzte die Erde ab und begann, ihn zu betrachten, ob er sich für eine Suppe eignete. Die Leute aus dem Haus konnten sich vor Lachen über den Klosterbruder und über seinen Einfall nicht halten. Da sagte der Klosterbruder: „Wie, habt ihr nie Steinsuppe gegessen? Ich kann euch sagen, das ist eine leckere Sache.“ Sie antworteten ihm: „Nun, dann zeig uns das mal“.

Das wollte der Klosterbruder nur hören. Nachdem er den Stein saubergemacht hatte, sagte er: „Könnt ihr mir wohl einen Topf leihen?“

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Ein Märchen aus Irland

Man gab ihm einen Topf aus Steingut. Er füllte ihn mit Wasser und legte den Stein hinein. Wenn ihr mich jetzt den Topf ans Feuer stellen ließet… Man ließ ihn gewähren. Sobald der Topf zu sieden begann, sagte er: „Mit ein wenig Schmalz würde die Suppe vorzüglich werden.“ Man holte ihm etwas Schmalz. Die Suppe kochte und kochte, und die Leute aus dem Hause ließen den Mund offenstehen vor Verwunderung. Da probierte der Klosterbruder die Suppe und bemerkte beiläufig:“ Sie ist ein wenig fad. Es fehlt unbedingt eine Prise Salz.“

Man gab ihm auch noch das Salz. Er schmeckte die Suppe ab und sagte: „Wenn jetzt noch ein paar junge Kohlblätter dazukämen, würde die Suppe himmlisch schmecken.“ Die Frau des Hauses ging in den Garten und brachte ihm zwei Kohlköpfe. Der Klosterbruder säuberte sie, zerpflückte sie zwischen den Fingern und ließ die Blätter in den Topf fallen. Als die Kohlblättchen gar waren, sagte er: „Also, ein Stück Wurst würde der Sache die Krone aufsetzen…“

Man brachte ihm ein Stück Wurst, er warf es in den Topf, und während es kochte, zog er Brot aus seinem Rucksack und schickte sich an, gemächlich zu essen. Die Suppe roch, dass es eine Wonne war. Er aß und leckte sich die Lippen ab, und nachdem er den Topf geleert hatte, blieb der Stein auf dem Boden zurück. Die Leute aus dem Haus hingen mit den Augen an ihm und fragten ihn: „Sagt, Herr Klosterbruder, und der Stein?“

Da antwortete der Klosterbruder: „Den Stein, den wasch ich und nehm ihn für das nächste Mal mit.“ Und so kam er zu einem feinen Essen.

Wie sagt uns das schwedische Sprichwort das Kostas mir am Telefon sagte: „Arm sind nicht die, die wenig haben, sondern die, die viel brauchen“.

Euer Niko


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