Post von Louis: Goofy sucht ein Zuhause.

Post von Louis

Der beste Hund von allen, Louis ist Redaktionshund (Der Balkanisator), Fotoassistenz, Personal-Trainer und Security-Mitarbeiter in einer Person. Louis hat seinen Namen von Spyridon Louis, dem ersten Marathon-Olympiasieger der Neuzeit. Er ist jeden Tag viele Kilometer durch seinen Wohnort auf der wunderschönen Insel Euböa unterwegs. Euböa ist nach Kreta die zweitgrößte Insel Griechenland.

Louis
 

Und auf Kreta wohnt Mitso Krygerakis. Er ist der Redaktionshund und Security-Mitarbeiter von https://radio-kreta.de/. Sein Chef, Jörg Krüger hat am gleichen Tag (nur in einem anderen Jahr) wie Louis Personal Trainer Geburtstag. In der unregelmäßig erscheinenden Kolumne „Post von Louis“ geht es um das, was Louis seinem Kollegen am Südwestzipfel Kretas gern mitteilen würde.

Mitso

Louis schreibt am liebsten über Tierthemen. Er setzt dabei humane Intelligenz zur Hilfe ein.

Lieber Mitso,

ich bin sauer. Mein schöner, gewohnter Alltag wurde gestört. Wir haben nun eine neue auf dem Hof und im Haus. Ja, eine neue junge Hündin – schlimmer noch, eine Welpin. Sie ist laut, hektisch und jagt die liebe Katze, die Popi. Stell Dir das mal vor, die Popi, die seit neuneinhalb Jahren, seit ihrer Geburt hier das Revier hat. Die Königin vom Hof. Ich beschütze Popi, die mich so lieb aufgenommen hat, als ich kam. Das ist ein Dilemma, denn ich muss die neue, die noch keinen richtigen Namen hat, anbellen.

Schlimmer als alles ist der Grund, warum sie hier ist. Als sie kam, war sie nur ein zitterndes Etwas aus Haut und Knochen. Voll mit Zecken, Dreck und allem Möglichen. Die Menschen sagen, man hätte sie ausgesetzt. Die Kleine hatte Angst vor allem. Sie war beim Tierarzt. Impfungen, Medizin und Tipps gab es dort. Sie hat keinen Chip, wurde nie registriert. Jemand hat sie von der Mutter getrennt – vielleicht sogar schon, bevor sie zwei Monate auf der Welt war. Darauf steht eine dicke Geldstrafe. Und nicht nur das.


Das Aussetzen eines Welpen oder eines anderen Haustieres ist in Griechenland eine schwere Straftat (Verbrechen oder Vergehen). Gemäß Gesetz 4830/2021 über Haustiere sind die Strafen äußerst streng:

1. Verwaltungsstrafen (Geldstrafen):

a. Für das Aussetzen von Welpen: Die Verwaltungsstrafe beträgt 30.000 bis 50.000 Euro pro Tier.

b. Für das Aussetzen eines erwachsenen oder älteren Tieres: Die Verwaltungsstrafe beträgt 5.000 Euro pro Tier.

Diese Bußgelder werden direkt von der Polizei verhängt, unabhängig von der Justiz.

2. Strafrechtliche Sanktionen (Freiheitsstrafe):

a. Bei neugeborenen Welpen gilt die Tat als Verbrechen (Tötung/Misshandlung) und wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren und einer zusätzlichen Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro geahndet.

b. Bei einem größeren Hund gilt die Tat als Ordnungswidrigkeit und wird mit einer Freiheitsstrafe von 1 bis 5 Jahren und einer Geldstrafe von bis zu 18.000 Euro geahndet.

3. Weitere Maßnahmen: Dem Täter wird das Tier dauerhaft entzogen (Einziehung durch die Staatsanwaltschaft) und es ist ihm für einen Zeitraum von bis zu 5 Jahren untersagt, ein anderes Haustier zu erwerben.


Trotz dieser drakonischen Strafen hat man die Kleine ausgesetzt. Die Tochter vom Chef fand sie auf einem Feld. Ohne Wasser, ohne Futter bei fast 40 Grad Celsius. Die musste sofort zum Arzt. Sie beißt noch viel. Aber sie ist dankbar für alles, was man für sie tut. Dann freut sie sich. Und die Menschen hier sind dann zu mir noch lieber als sonst. „Er soll nicht eifersüchtig werden“, höre ich. Sie muss öfter raus als ich. Aber dafür hat sie noch keine langen Spaziergänge.

Wenn ich Pech habe, bleibt sie. Oder wäre das Glück? Das weiß noch keiner. Es gibt Menschen, die sich melden. Sie wollen sie adoptieren. Ein Mann hätte sie fast genommen, aber seine Frau wollte nicht. Wer ein Tier adoptiert, der muss wissen, wie viel Verantwortung das bedeutet. Es ist nun auch in Griechenland so, dass die Menschen verantwortungsvoller werden. Aber immer noch gibt es viele Verantwortungslose. Die setzen Tiere aus.

Und dann sieht man Rudel wilder Hunde durch die Felder ziehen. Wenn die kein Essen haben, kommen die in die Dörfer und in die Stadt. Die sind aggressiv und gefährlich. Aber ist es ihre Schuld? Wir wurden schon mal von einem Rudel angegriffen. Da nahm der Chef mich in den Arm. Ob die Kleine deshalb so viel Angst hat, wenn sie lautes Bellen hört? Hat man sie gejagt? Ich weiß es nicht. Der Chef will sie Goofy nennen, weil sie hier immer fröhlicher und gelöster wirkt. Wenn wir im Haus sind, schläft sie vollkommen entspannt.

Sie hat nun auch einen Haustierpass mit Impfeintragungen. Der Tierarzt hier ist toll. Der mag uns. Impfungen und Untersuchungen für die Kleine gab es mit Rabatt – denn der Tierarzt unterstütz den Tierschutz. Der Chef sagt, der Arzt habe ihm geholfen, streunende Katzen zu sterilisieren – zum Sonderpreis. Das tut er für alle Tierschützer. Habt Ihr auf Kreta auch solche Ärzte?

Vielleicht findet sich eine Familie für sie. 50 cm groß soll die Goofy werden, aber relativ leicht mit bis zu 25 kg. Sie ist ein Jagdhund-Mix. Die braucht viel Auslauf. Das ist für viele, die sie adoptieren wollen, ein Problem. Du siehst, auch ich fange an, sie beim Namen zu nennen. Aber noch habe ich Angst davor, denn der Name bindet. Und Bindung heißt, dass sie noch wahrscheinlicher bleiben könnte. Schaun wir mal. Vielleicht bleibt sie. Wir alle hier wissen nicht, was wird. Nach ihrer schlechten Erfahrung darf sie nur in Hände, die sicher für ihr ganzes Leben lang für sie da sein wollen. Sie soll nie wieder verstoßen werden. Das sind wir ihr schuldig.

So oder so, ich hasse die Typen, die Hunde und Katzen einfach so auf der Straße aussetzen. Hier ist übrigens ein Porträt von Goofy:

Goofy

Dein Louis