Unbekanntes Kreta: Die Diktäische Höhle.

Die beeindruckende Höhle von Zeus, die Diktäische Höhle, auch „Die Höhle von Psychró“ genannt, liegt nur 10 Gehminuten von besagtem Dorf Psychro entfernt, am Westrand der Messará-Ebene auf dem Lassithi Plateau – und zwar auf einer Höhe von 1.025m.

Die Höhle ist leicht durch einen Spaziergang oder auch per Esel zu erreichen. Eine Biegung am westlichen Ende des Dorfes führt zum Parkplatz, von wo aus der Aufstieg zur Höhle beginnt. In der Hochsaison herrscht hier sehr viel Betrieb, deswegen ist ein Besuch am frühen Morgen – idealerweise sogar außerhalb der Saison – vorzuziehen.

Die Diktäische Höhle oder auch die Höhle von Psychro auf der Lassithi-Hochebene.

Gleich oberhalb des Parkplatzes kann man einen Esel mieten. Hier beginnen auch die Führungen, bei denen man auf manche Einzelheit und Besonderheit in der Höhle hingewiesen wird, das für die Entstehung der Sagen wichtig ist und das man ansonsten vielleicht übersehen würde. Von dieser Stelle aus steigt man auf einem mit Kopfsteinen gepflasterten Weg in Serpentinen nach oben und erreicht nach etwa 15 Minuten einen Kiosk, wo man den Eintritt (6€) bezahlt und eine weitere Gelegenheit hat, einen Führer zu engagieren. Der Weg zur Höhle ist großartig, da der Blick auf das Lassithi Plateau atemberaubend ist.

Dahinter öffnet sich im Felsen der Schlund der Höhle, der etwa 65 Meter steil nach unten in die Tiefen hinabfällt. Die Höhle selbst hat eine Fläche von ca. 2.200 qm. Unbedingt zu empfehlen ist das Mitführen einer Taschenlampe und das Tragen (rutsch-)festen Schuhwerkes, da der Abstieg in die Höhle sehr glatt und steil ist. Der Abstieg erfolgt auf einem gepflasterten und mit einem Geländer gesicherten Weg. Die dadurch gebotene Stütze ist auch notwendig, da Moose, Feuchtigkeit und die Wirkung abertausender Wanderer-Füße die Oberfläche zur Rutschpartie gemacht haben.

Während der Besucher sich langsam nach unten vorarbeitet, greift die nasskalte Luft den Hals an und bringt die vom Aufstieg verschwitzten Körper zum Dampfen. Die Wände sind mit Moos bedeckt, und beim Blick in die Tiefe erkennt man im Halbdunkel die wie Orgelpfeifen geformten, von der Decke herab“wachsenden“ Stalaktiten und unter ihnen die viel größeren Türme der Stalagmiten.

Der Höhleneingang erscheint bald nur noch als dünner, heller Schlitz, und während man sich dem Grund nähert, entzünden die Führer ihre Gaslampen. Hier unten ist es nicht mehr schwer zu begreifen, warum die Diktäische Höhle schon lange vor der minoischen Kultur zum Ort religiöser Verehrung werden und diese Bedeutung über Tausende von Jahren behalten konnte.

Wenn Du dich beim Aufstieg zur Höhle für den Ritt auf einem Esel entscheidest, dann sei nicht über den hölzernen Sattel überrascht. Mit einer Decke ausgelegt, ist er erstaunlich bequem. Oder geh lieber einfach zu Fuß und lass dem Esel seine Eselsruhe.

Nahe dem Grund der Höhle liegt auf der linken Seite eine leicht zu übersehende Kammer, welche die Hauptquelle der Sagen um die Höhle darstellt. Hier war der Geburtsort von Zeus, dem Gott der Götter. Seine Mutter Rhea war hierher gekommen, um die Geburt ihres Sohnes vor ihrem Gatten Kronos zu verbergen, der seine fünf zuvor geborenen Nachkommen verschlungen hatte, weil ihm durch ein Orakel der Sturz durch seinen eigenen Sohn vorhergesagt worden war. Kronos war aber anscheinend nicht mit allzu großer Intelligenz geschlagen, denn er schluckte den in Tücher gewickelten Stein, den Rhea ihm anstelle ihres Neugeborenen überreichte, ohne Murren.

Die Fremdenführer beleuchten hier mit ihren Lampen einen Stalaktiten, der wie eine Mutter mit Kind geformt ist, außerdem die Felsbank, auf der Zeus geboren wurde und die steinernen Brustwarzen, die ihn säugten.

Im späten 19. Jahrhundert entdeckten die Anwohner, meistens Hirten und Jäger, viele alte Gegenstände in der Höhle. Von da begann eine Reihe von begrenzten Ausgrabungen in der Höhle. Die meisten ausgegrabenen Gegenstände wie Opfergaben aus Ton und Bronze stammen aus illegalen Ausgrabungen und werden im Archäologischen Museum von Heraklion und in Oxford ausgestellt.

Der unberührte Charakter der meisten Höhlen auf Kreta steht im krassen Gegensatz zu den Trauben von Kundenwerbern, Führern und Eselstreibern am Parkplatz der Diktäischen Höhle oberhalb von Psychrò. Wie ein Honigtopf Bienen, zieht sie Touristen an und sorgt so dafür, daß andere Höhlen unbehelligt bleiben.

Leider war die Höhle im Laufe der Zeit offen, so dass viele wichtige Objekte vermutlich einfach „verschwunden“ sind. Objekte aus neolithischen, minoischen, subminoischen, geometrischen, archaischen, klassischen, hellenistischen und römischen Zeiten wurden entdeckt, was ebenfalls auf eine jahrtausendelange Nutzung der Höhle hindeutet. Die Diktäische Höhle scheint seit ca. 2.800 v. Chr. als Wohnsitz und für Bestattungen gedacht gewesen zu sein, seit 2.000 v. Chr. ist sie ein Ort der Anbetung geworden.

Der örtliche Volksglaube hat die Sage um Zeus in vielfältiger Weise aufgenommen und mit den Geschichten über andere und ältere Götter verwoben. in den kalten Tiefen der Höhle scheint der Stein noch heute einen leisen Widerhall dieser alten Kulte auszustrahlen.

Die Insel der Höhlen.

Auf Kreta gibt es enorm viele Höhlen. Gut über 2.000 sind erforscht, doch es muß noch viel unberührte geben. Der Kalkstein, aus dem die Insel hauptsächlich besteht, wird durch chemische Reaktion mit eindringendem Regenwasser ausgespült, aber auch von Flüssen, die im Inneren der Berge Gänge und Höhlen bilden. Die sichtbaren Höhlen sind nur Eingangstüren zu diesem unterirdischen System.

Öffnungszeiten der Höhle: Sommer 8:00 – 20:00 Uhr, Winter 8:00 – 15:00 Uhr (ohne Gewähr).

Und hier noch ein Buchtipp: Griechische Mythologie für Anfänger – die Gesamtausgabe.

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