Flugpatenschaft und das Chaos in Heraklion.

Nach langer Zeit war es neulich mal wieder so weit: ein Anruf! Naja, nichts ungewöhnliches, aber wenn ein Anruf von den PAWS-Tierschützern kommt und mit „Sag mal, arbeitest du eigentlich noch oder ist die Saison für dich schon zu Ende?“ anfängt, schwant einem dann doch schon was. Nun ja, es war gerade mein erster „freier“ Tag, was ich auch so mitteilte. Natürlich nicht ohne die nachgeschobene Frage: „Warum?“.

Antwort: „Naja, die 2 Hunde vom Boot könnten morgen schon ausfliegen und da dachte ich, du könntest sie vielleicht zum Flughafen bringen?“
Ich: „Ööööhm, im Prinzip ja, aber – wohin? Chania?“
Antwort: „Urgs, ähm, aaaalso, neeeeee – Heraklion. Das ist ja das Problem!“
Ich: „Wann ist denn der Flug?“ (befürchtend, dass die Antwort eventuell „naja, 5 Uhr morgens“ sein könnte….)
Erlösende Antwort: „Weiss ich nicht genau, aber irgendwie 13-Uhr-nochwas“.
Ich: „Na immerhin, uff! Lass mich mal kurz mit Männe quatschen, ich ruf gleich zurück oder komme vorbei!“

Nun ja, die Entscheidung war relativ einfach – kurz einige Pläne über den Haufen geworfen und zugesagt. Im Folgenden dann die Einzelheiten geklärt (wer mit wem, wann und wo etc.) und Samstag morgen um 8h war Treffen mit dem Flugpaten Andreas und den Hunden am Aris Hotel. Und schon ging’s los.

Die Hunde hätten gut und gerne jede Menge Platz auf der Rückbank des Autos gehabt, bevorzugten es aber – relativ verschüchtert – ganz eng aneinander gekuschelt hinter meinem Fahrersitz zu pennen, nachdem der erste Stress weggehechelt war, also so kurz vor Kandanos.

Die Fahrt verlief prima und schneller als geplant, wir waren ziemlich genau um 11h am Flughafen Heraklion – der Flug sollte um 13h55 nach Wien gehen. Easy, sollte man meinen….

Und dann das. Der Flughafen Heraklion.

Mag sein, dass es daran liegt, dass ich schon lange nicht mehr dort war, könnte auch sein, dass ich durch die vielen Hunde-Transfers zum Flughafen Chania im vergangenen Winter und Frühling infrastrukturtechnisch total verwöhnt bin – wahrscheinlich ist es eine Kombination aus Beidem, die mich beim Betreten der Abfertigungshalle in einen kurzfristigen Schockzustand versetzt hat.

Was mir zuerst auffiel ist, dass es dort total finster ist. Keine Oberlichter, keine Tageslichtquellen außer den Eingangs- und Ausgangstüren, auch recht bescheidene Neon-Beleuchtung und alles ziemlich chaotisch.

Airport Heraklion. Staubwischen tut not.

Der ganze Abfertigungsbereich viel zu klein, die Schlangen standen fast bis auf den Bürgersteig, für den Flug nach Wien war zwar bereits um Viertel nach 11 das Gate angeschrieben, allerdings noch nicht die Abfertigungsschalter. Da hätte ich allerdings gerne mal vor Beginn des Ansturmes nachgefragt, wie das dort denn mit der Verfrachtung von Hundeboxen und sonstigem Sperrgepäck aussieht…. Fiel aber aus wegen „is nicht“…

Nun denn, den Flugpaten mit den Hunden, die sich mittlerweile in der Hundebox befanden, eben mal stehen lassen und auf Erkundungstour gegangen. Serviceschalter? Fehlanzeige. Sonstige auskunftsfreudige Mitarbeiter? Keine. Na gut, da ich eh schon unterwegs war, gleich auch mal zur Toilette. Nächster Schock. Komplett veraltet, keine Klobrillen, kein Toilettenpapier, keine Seife, keine Papiertücher zum Händetrocknen, alles nicht nur alt, sondern auch nicht wirklich sauber. Und ausserdem m.E. viel zu wenige dieser Einrichtungen, wenn man den täglichen Besucherandrang bedenkt.

Auch nicht viel besser. Am schönen Strand von Nea Chora in Chania.

Derart erneut negativ beeindruckt, aber immerhin zumindest rein physisch „erleichtert“, setzte ich meine Erkundungsrunde weiter fort. Und wendete mich dann einfach – Frechheit siegt! – an die zwar etwas gelangweilt, aber nett aussehende Damen am Schalter „General Aviation“. Und die fragte ich dann, ob sie vielleicht wüsste, wie das mit den Hunden funktioniert. Sie meinte, dass wir da am Besten am Check-In Schalter unserer Airline nachfragen sollten, fragte aber auch gleich nach, welche Airline das denn sei. Auf meine Antwort „Austrian Airlines“ hin suchte sie gleich in ihrem Computer nach und kam zur selben Erkenntnis, wie wir: noch keine Check-In-Schalter angegeben….

Aber dann gab sie mir noch eine Insider-Auskunft, nämlich, dass sie glaubte, dass in Kürze die Schalter 23 und 24 dafür öffnen würden. Und dass Sperrgepäck ihres Wissens ganz am Ende des Flughafengebäudes abgefertigt würde. Na also – geht doch!
Tausendmal bedankt und mit diesen neuen Erkenntnissen zurück zum wartenden Flugpaten Andreas und seinem vierbeinigen „Sperrgepäck“.

Es geht los – zumindest in Teilbereichen.

Auf meine Berichterstattung hin, begab sich Andreas dann gleich mal in Richtung der Schalter 23 und 24, ich nahm meine Erkundungstour nun in die andere Richtung, nämlich in Richtung „ganz am Ende des Flughafengebäudes“ wieder auf. Hmmmm, ganz am Ende des Flughafengebäudes war nur noch die Security. Na gut, dann frag ich halt mal da! Gedacht, getan – und wieder Auskunft bekommen, die mich aber halbwegs verwirrte.

Denn erst sollten wir mal den Check-In machen und dann müssten wir zur Durchleuchtung „raus aus dem Gebäude und da links um die Ecke“. So hatte ich das verstanden, hoffte aber, dass meine Griechischkenntnisse mich diesbezüglich soweit im Stich gelassen hätten, dass das auf keinen Fall so sein konnte. Nun gut – bedankt und wieder zurück zu Andreas der – es geschehen noch Zeichen und Wunder! – an den eben geöffneten Austrian Airline Schaltern anstand – und sogar ziemlich weit vorne!

Die haben keinen Plan. Den hier haben wir selber gemacht.

Und dann waren wir an der Reihe. Andreas eingecheckt, er hatte nur Handgepäck, die 2 Hundepässe auf den Tresen gelegt, auch alles ok damit. Und dann sollten wir die ganze Fellnasen-Chose natürlich auf das Kofferband bugsieren, zum Wiegen. Blöd nur, dass so eine etwas größere Box da von der Breite her nicht draufpasst. Vorschlag des diensthabenden Wichtigtuers: „gut, dann nehmt die Hunde wieder raus und wiegt sie einzeln auf dem Band!“ Meine kurze, knappe aber sehr bestimmte Antwort war: „auf gar keinen Fall! Die sind eh nervös, haben sich grade mal ein bisschen beruhigt, die nehmen wir hier jetzt nicht mehr aus der Box – no way!“

Mit derart geballter Entschlossenheit konfrontiert, fragte der Schalterscheff dann, ob wir wüssten, wie viel die beiden denn wiegen. Andreas war gerade am Vortag noch mit ihnen bei der Tierärztin gewesen und konnte Auskunft geben: eine 12kg, einer 14kg. Scheffchen rechnete und rief der Schalterbediensteten zu „schreib 35 kg, die Box wiegt bestimmt 10kg!“ Nie im Leben, aber na gut, so waren wir schonmal aus der Nummer raus. Alle Aufkleber drauf auf die Box und uns dann mit den Worten „jetzt geht Ihr mit den Beiden nochmal Gassi, gebt ihnen vielleicht noch ein bisschen Wasser und kommt um 13h wieder hierher zurück, dann machen wir den Rest“. Blick auf die Uhr: 11h50 – nochmal über eine Stunde warten….

Andreas mit den Hunden. Danke, Andreas.

Wartezeit „im Grünen“

Wie angewiesen verfrachteten wir unsere vierbeinigen Passagiere wieder nach draußen, holten sie aus der Box und führten sie ein bisschen im „Grünen“ rum. Danach – Pause. Die Beiden total brav und kuschelbedürftig. Easy, aber Wartezeiten sind halt immer doof. Gegen 12h45 die Beiden wieder in die Box verfrachtet und zu besagtem Schalter zurück. Dort kurz angemerkt, dass wir herkommen sollten und nun auch da wären und – zack – knapp 10 Minuten später kam auch die Schalterkraft, die uns zur Durchleuchtung der Hunde begleiten wollte.

Und tatsächlich: der Weg führte uns wieder aus der düsteren Abfertigungshalle hinaus in den wohltuenden Sonnenschein, dabei war es eine kleine Herausforderung, den Gepäckwagen mit der Box über die „Rampe“ zu bugsieren, ist doch dort von der Straße aus eine Rampe, an deren Ende allerdings nochmal eine richtige Stufe ist – behindertengerecht kenn ich anders, aber nun gut. Doch unsere ortskundige Führerin lotste uns zielsicher zur einzigen durchgängigen Rampe – eine davon gibt es nämlich doch! Und dann ging es tatsächlich ganz an´s Ende des Flughafengebäudes, wo wir an einem Transportband aus Vorkriegszeiten angelangten.

Besagtes Transportband führte in ein Kabuff hinein, in dem wir den Durchleuchtungsapparat vermuteten. Eine „Durchleuchterin“ war auch schon da – sie war ja extra unseretwegen dahin bestellt worden – und wir wollten gerade die mittlerweile auch zusätzlich mit Kabelbindern verschlossene Box auf das Transportband hieven, als sie uns anwies, doch bitte mit der Box direkt in besagtes Kabuff zu kommen. Das ging natürlich mit dem Rollwagen nicht (eine fette Stufe und die Breite bzw. mangelnde Breite der Tür hinderten uns daran…), also einer die Box vorne, der andere sie hinten gepackt und irgendwie durch diese Tür bugsiert.

Drinnen stellten wir die Box dann gleich auf dem Transportband ab, als die Dame meinte, wir sollten die Hunde dann jetzt doch bitte zum Durchleuchten rausnehmen. Und fing sich – wie könnte es anders sein – die selbe Antwort ein, wie o.g. Eincheck-Scheff: „No way!!“. Woraufhin Miss Röntgen leicht bedröppelt zum Telefon griff, irgend jemanden fragte, ob sie die Hunde denn IN der Box durchleuchten sollte und dann – die Antwort war offensichtlich „na logisch!“ (oder ähnlich) gewesen – und uns dann beschied, dass das so schon okay wäre…. Uff!

Nun gut, die Schnuppis wurden durchleuchtet und schon rollte die Box dann über eine ganze Menge Metallrollen weiter nach draußen. Kurz geschnieft, noch zugewunken und weg waren sie. Miss X-Ray nahm dann noch alle Daten des Flugpaten auf, auch von der Dame, die uns zu ihr gelotst hatte und damit war zumindest DAS erledigt.

Flugpate sein ist gar nicht so schwer.

Nur, dass Andreas mittlerweile zunehmend nervös mit den Hufen scharrte und meinte: „na prima, die Hunde fliegen jetzt – ich vermutlich nicht….!“ Auf meinen verwirrten Blick hin tippte er nur kurz auf seine Uhr – 13h15. Au Shit, er musste ja auch noch durch die Security, wo sich mittlerweile wohl gefühlte 300 Fluggäste nach Berlin auf die Füße traten, die gerade am Check-In waren, als wir uns um kurz vor 13h an unserem Schalter wieder einfanden! Das wird knapp…..

Kretischer Pragmatismus und Hilfsbereitschaft pur.

Die nette Dame, die uns zur Durchleuchtungsanlage gelotst hatte, merkte allerdings, dass irgendwas nicht stimmte und fragte, was denn los sei. Andreas sagte ihr dann nochmal das gleiche – die Hunde fliegen, er würde den Flieger nun wohl verpassen, weil es bereits 13h15 sei, der Flieger um 13h55 starten sollte und er ja noch durch die Security müsse.

Ein verwunderter Blick ihrerseits, eine beruhigende Hand auf Andreas‘ Arm, ein Lächeln und die Bemerkung „das ist doch kein Problem, ich geh mit dir da hin und dann gehst du einfach direkt durch – du musst dich da nicht noch anstellen, das regele ich schon für dich!“

Gesagt – getan, eine kurze Verabschiedung und weg war er.

Und ich machte mich frohen Mutes auf den über dreistündigen Heimweg und erfuhr noch am selben Abend, dass sowohl Andreas als auch die beiden Fellnasen wohlbehalten dort angekommen sind, wo sie auch hinsollten und -wollten. Ein anstrengender Tag für alle Beteiligten, aber mal wieder ein schönes Gefühl!

Tierschutz ist wichtig – und macht manchmal auch glücklich!

Tierschutz auf Kreta – So kann ich helfen.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Facebook Post to MySpace

4 Kommentare

  1. Ja das kann ich nur bestätigen Heraklion ist Chaos.Irgendwann bekommt man etwas Routine aber Herzklopfen gibt es jedes mal und wenn die Schützlinge dann auf dem Band verschwinden und ich im Flieger auf Anfrage die Bestätigung erhalte Hunde an Bord kann ich endlich in die Entspannungsphase übergehen. L.G.Wiebke

  2. Ähnliche Erfahrungen habe ich auch schon als Flugpate in Heraklion erlebt………, vor allem das zwingende „durchleuchten“ der Tiere ärgerte mich sehr. In Sitia am Airport ist es die reinste Erholung dagegen……..

  3. Kann ich genauso bestätigen. Ich wurde ebenfalls 5 vor Flug von der netten Dame durchgeschleust. Leider hatten es sich aber die Menschen aus Kempten anders überlegt, und Rosa sollte ins Tierheim. Das wollten wir nicht zulassen. Seither haben wir „unsere ROSA“ und Laika hat eine Freundin.

  4. Das ist die übliche Abwicklung in Heraklion. Die lernen seit Jahren nichts dazu. Wir mussten mehrmals den oder die Zuständige/n rufen, damit alles problemlos ablief. Vor allem im Sommer, wenn die Hunde in den Boxen nach der Durchleuchtung in der Sonne stehen gelassen wurden.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte Anti-Spam-Sicherheitsabfrage beantworten: *