Aus dem Sportstudio – „Alles Gute, Schmetterling“

Von Lucas Rilke, Spiegel.de.

„Es ist schwierig, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist wie ich“

Ali wurde am 17. Januar 1942 als Cassius Marcellus Clay Jr. geboren. Im Alter von zwölf Jahren begann er mit dem Boxen. Wie es dazu kam, ist längst Legende, wie so vieles an Ali: Dem Jungen war sein Fahrrad gestohlen worden, er wollte dem Dieb eine Abreibung verpassen, „den Arsch versohlen“. Auf seiner Suche traf der Bestohlene auf den Polizisten Joe Martin, der in seiner Trainingshalle Boxer trainierte. Martin riet dem Bengel, er solle erst kämpfen lernen, bevor er jemanden herausfordert. Cassius gehorchte – und eine einzigartige Karriere begann.

Er schlug die härtesten Schlachten der Boxgeschichte und sagte die Runden seiner K.o.-Siege voraus. Das Internationalen Olympische Komitee (IOC) wählte ihn 1999 zum Sportler des Jahrhunderts. Sein Boxstil war einmalig, sein Motto lautete: „Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene.“ Leichtfüßig tänzelte er mit dem „Ali Shuffle“ durch den Ring, ließ aufreizend die Hände baumeln und wich den Schlägen aus statt sie zu blocken.

Schon früh genoss Ali weltweiten Ruhm. Auch in Deutschland weckten Väter nachts ihre Söhne, um mit ihnen Ali zu sehen. Seine große Klappe machte ihn auch zum Liebling der Medien. „Ich bin der beste Kämpfer aller Zeiten. Und gerade erst 22. Ich muss der Größte sein. Ich bin der König der Welt. Ich bin schön“, tönte er nach dem ersten WM-Sieg 1964 gegen Sonny Liston. Später sagte er: „Es ist schwierig, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist wie ich.“

Trotz seiner Großspurigkeit wurde er auch außerhalb des Rings für Millionen zum Vorbild. Mit Charisma und großer Überzeugungskraft, mit religiöser und politischer Geradlinigkeit durchbrach er unzählige Widerstände, vor allem für Afroamerikaner.

Zwei Tage nach seinem WM-Sieg über Liston konvertierte er zum Islam und legte den Namen Cassius Clay ab. „Das ist ein Sklavenname. Ich habe ihn mir nicht ausgesucht, und ich will ihn nicht.“ Muhammad Ali war geboren.

„Ich habe keinen Streit mit den Vietkong“

Er verweigerte den Kriegsdienst in Vietnam. „Ich habe keinen Streit mit den Vietkong“, sagte er 1967 zu seiner Wehrdienstverweigerung, „kein Vietkong hat mich jemals Nigger genannt.“ Für seine Überzeugung riskierte Ali seine Karriere. Am 28. April 1967 wurde er wegen Wehrdienstverweigerung zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, der WM-Titel war natürlich auch weg. „Er verzichtete auf Ruhm, Millionen von Dollars, um für das einzustehen, was sein Bewusstsein ihm rät“, sagte der US-Prediger und -Bürgerrechtler Martin Luther King damals.

Auf ewig in Erinnerung bleiben werden seine Jahrhundertkämpfe gegen Joe Frazier und George Foreman. Ringschlachten, die bis heute ihresgleichen suchen. Im „Rumble in the Jungle“ am 30. Oktober 1974 in Kinshasa ließ er sich vom Favoriten Foreman verprügeln, ehe er den bis dahin in 40 Fights ungeschlagenen K.o.-König in der achten Runde auf die Bretter schickte. Mit dem Satz „Ist das alles, George?“ quittierte Ali selbst die härtesten Treffer Foremans. Der verausgabte sich – und musste später einsehen: „Muhammad gab mir eine Überdosis von der großen Rechten. Er hat fair und anständig gewonnen, und jetzt bin ich einfach stolz, Teil der Legende Ali zu sein.“

Legendär sind auch die drei Fights mit Frazier. Nach Niederlage und Sieg im Madison Square Garden kam es am 1. Oktober 1975 zum „Thrilla in Manila“. Beide Kämpfer gingen über ihr Limit. Nach der 14. Runde waren Fraziers Augen zugeschwollen. Trainer Eddie Futch warf das Handtuch. Kurz danach brach Ali zusammen: Kreislaufkollaps. Er hatte 440 Treffer kassiert, die meisten am Kopf. Viele sahen in dem Fight die Ursache für seine heutige Erkrankung.

Was folgte, waren überflüssige Kämpfe eines gealterten Champions, der Ruhm und Geld nicht missen wollte. 1978 verlor der untrainierte Ali seinen Titel an den Olympiasieger Leon Spinks. Er raffte sich erneut auf und holte sich die Krone zurück. Danach boxte er noch Larry Holmes und in seinem letzten Fight Trevor Berbick. Übergewichtig und chancenlos taumelte er durch den Ring. Mit der fünften Niederlage im 61. Profikampf endete die Karriere des Muhammad Ali – viel zu spät.

Schwer von der Parkinson-Krankheit gezeichnet behält Ali die große Klappe

Nach dem Ende seiner Box-Laufbahn wollte Ali auf öffentliche Auftritte nicht verzichten. Sein denkwürdigster gelang ihm bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta, als er als Überraschungsgast mit zittriger Hand das olympische Feuer entzündete. „Ich habe gezeigt, dass Parkinson mich nicht bezwingen kann“, sagte Ali, „ich habe gezeigt, dass ich immer noch der Größte bin.“

Doch seine jüngsten Auftritte in der Öffentlichkeit gaben Anlass zu großer Sorge. Bei der Beerdigung seines Erzrivalen Joe Frazier im November musste er, schwer gezeichnet vom Parkinson-Syndrom, von Ehefrau Lonnie und Helfern auf dem Weg in die Kirche gestützt werden. Wenige Tage später brach er zusammen und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Seine große Klappe aber hat er bis heute behalten, wie die letzten Sätze seiner neuen Biografie „Muhammad Ali: Ich“ verraten: „Ich werde noch herausfinden, wer in Louisville mein Fahrrad gestohlen hat, als ich zwölf war. Und ich werde ihm noch immer den Arsch versohlen.“
Gute Quelle: Spiegel.de. Klasse recherchiert, liebe Kollegen. Ihr seid die Größten.

Radio Kreta – Häppi birthday, alter Recke


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