Auswanderer auf Kreta – ein gut gemeinter Appell.

Von Anna Chronisti

„Gott schütze uns vor Sturm und Wind – und Deutschen, die im Ausland sind“.

Anna Chronisti.

So der (sehr bewährte und wahre!) Lieblingsspruch der Mama meiner besten Freundin, die aufgrund des Jobs ihres Mannes (Agraringenieur bei der GTZ – der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) den Großteil ihres Lebens im Ausland – ach, was sag ich – in Entwicklungsländern! – verbracht, dort auch ihr Kind (besagte beste Freundin) zur Welt gebracht und alles Mögliche und Unmögliche mit- und durchgemacht hat.

Nun werdet Ihr Euch sicher fragen, was das mit Radio Kreta zu tun hat… Nun – ich als Halb-Deutsch-Griechin habe ja nun mal das Privileg, beide Seiten zu kennen. Die deutsche und die griechische. Zwei Herzen wohnen -ach- in meiner Brust (frei nach Goethe´s Faust) und ich kann weder aus der einen noch aus der anderen Haut raus.

Aber genau so, wie ich mich stellenweise über meine griechischen Landsleute erzürne, leiste ich mir auch den Luxus, meine deutschen Landsleute mal zu kritisieren. Und wer´s nicht mag, der klicke bitte jetzt weg.

Fremdschämen

Das Wort „Fremdschämen“ hat bei mir seit einiger Zeit nämlich eine ganz besondere – wenn auch traurige – Bedeutung gewonnen, siehe obiges Zitat. Ich habe nun einen Teil des Winters in Deutschland bei Verwandten und Freunden verbracht und bin – von irrem Heimweh getrieben – nun endlich wieder auf Kreta gelandet. Und ich war überrascht ob der Zahl der Touristen, Überwinterer und sonstiger Ausländer hier – es werden jedes Jahr mehr, was ja grundsätzlich erst mal schön ist, bedeutet das doch zumindest für ein paar Menschen hier (Zimmervermieter, Gastronomen etc.) ein kleines zusätzliches Wintereinkommen.

Was mir persönlich nur manchmal recht übel aufstößt, sind die Verhaltensweisen dieser Menschen. Da kommen Leute hier an (ich beziehe mich hauptsächlich auf deutschsprachige Menschen aus D-A-CH, es sind aber auch viele englischsprachige und sonstige Nationalitäten darunter), investieren einen kleinen Teil ihrer meist (zumindest für hiesige Verhältnisse) recht üppigen Rente in ein Zimmer, Apartment oder einen Bungalow und planen, ihren Lebensabend oder doch zumindest einen guten Teil davon, hier auf der Insel zu verbringen. So weit, so gut.

Hier ist ein Kafenio – und keine Daddel-Halle.

Schade nur, dass diese Menschen sich schier weigern, sich auch nur ansatzweise wirklich zu integrieren. Sie denken zwar, dass ein Tellerchen Mezé, das es hier zu jedem alkoholischen Getränk gibt, sie schon als „voll imprägniert, ey!“ qualifiziert, dann macht man vielleicht auch noch zwischendurch ein bisschen Tierschutz, trotzdem sprechen sie aber kein Wort Griechisch und weigern sich auch, es zu lernen, verwechseln gerne mal „Kalimera“ mit „Kalamari“, sind aber der Meinung, dass die „Pleite-Griechen“ ja schließlich ihr Geld wollen und sich somit bitte gerne an SIE anpassen sollen.

Das sind dann allerdings die Leute, die einem erzählen, dass sie ja bereits seit fast 40 Jahren jedes Jahr nach Kreta kommen und in ihrem XING-Profil bei „Sprachkenntnissen“ doch tatsächlich „Griechisch“ eintragen…. Ach ja, und dann will man bitte auch noch ein Grundstück mit Meerblick, den Strom klaut man vom Nachbarn und der TÜV wird auch noch beschissen.

Statt beim lokalen Supermarkt oder Schlachter kauft man lieber beim deutschen Discounter an der Nordküste – und den Rest lässt man sich aus Deutschland schicken oder mitbringen. Sacht mal – geht´s noch??!?? Sind wir hier auf Mallorca?

Business as usual

Aber Business will man hier schon gerne machen. Da rennt man mal in die Berge um irgendwelche Kräuter zu sammeln und teuer über´s Internet zu verscherbeln oder kratzt am Strand auch gerne mal Salz aus den Felsen (kleiner, gut gemeinter Tipp: nicht erwischen lassen!), vertreibt minderwertiges und ranzig schmeckendes Olivenöl als „extra vergine“ oder stellt sich mit ein paar anderen Landsleuten auf Gavdos ne Woche auf den Kopp (wird gerne als „Yoga“ verkauft…). Hauptsache die Kohle stimmt. Selbstverständlich an der Steuer vorbei – aber sich über die „korrupten Griechen“ aufzuregen ist immer drin….

Ein kleiner Appell an alle, die wirklich und ernsthaft erwägen, hier zu leben: IHR seid die Ausländer oder gar Gastarbeiter hier – vielleicht sogar geschätzt, jedenfalls meist geduldet. Benehmt Euch auch so. Bitte!

Eure Anna Chronisti


streamplus.de

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19 Kommentare

  1. Das kann ich bestätigen. Ich mache seit ca. 30 Jahren regelmäßig Urlaub in Griechenland und habe selbst 7 Jahre auf Kreta gelebt. Bevor wir den Umzug planten, habe ich mit meinem Mann 2 Jahre an der Volkshochschule griechisch gelernt. Wir wollten uns gerne integrieren, damit wir uns zuhause fühlen. Haben aber unsere deutsche Kultur nicht aufgegeben. Wir passten uns an den Lebensrhytmus an. Kochten griechische und deutsche Gerichte. Feierten 2x Ostern. Wir lebten unter Griechen und hatten griechische Freunde.

  2. Ich bin aus der Schweiz und kann all das unterschreiben. Aus Liebe zu Kreta und den griechischen Menschen lerne ich seit 2 Jahren Griechisch und hoffe, mich eines Tages einigermassen gut verständigen zu können.
    Πολλούς χαιρετισμούς από την Ελβετία
    Lislot

  3. Ja genau so ist es leider, auf Gran Canaria total nur auf Deutschland ausgerichtet nervt total wenn ich in ein anderes Land in die Ferien gehe möchte Land, Leute und ihr Essen geniessen. Und nicht Sauerkraut und Eisben bei 30Grad?? ich brauche auch keine Deutsche Bäckerei, Deutsche Metzgerei und kein Hofbräuhaus einfach nur schlimm wenn es nicht ohne geht dann müssen diese halt zu Hause Ferien machen. Wir gehen jetz schon länger nach Griechenland und wünschen uns dass wir das nie erleben müssen auf den schönen Grichischen Inseln?

  4. Mir fällt das schon immer auf (und tut mir innerlich weh) , wenn diese sogenannten „Insider“ anstatt Paleo Chora „Palle“ sagen – das klingt wie „Malle“ und so führen sie sich dann auch auf. Wie Du schon schreibst „Sind wir hier auf Mallorca“?……

  5. Ich bin so sauer. Wie wollen uns im Frühjahr ein Häuschen/Wohnung in Griechenland suchen, haben dort Freunde, die deutsch , englisch etc. sprechen… Wir dachten (etwas griechisch können wir natürlich schon, die VHS-Kurse in D sind eher lächerlich) griechisch lernen wir dann locker vor Ort… Sind aber nun wohl raus, oder? Erinnert mich an die Toskanafraktion bei unserem Italiener. Gott, sind die peinlich! Selbst die Italiener lächeln nur gequält… Und nein, wir sind nicht die LIDL-Käufer!!! Auch nicht in Deutschland…. Und wir wohnten auch noch nie All-Inclusive. Da sehe ich übrigens derzeit die Hauptprobleme. Und bei den Wohnmobilisten, die kein Geld mehr in den Restaurants lassen…

  6. Gut gesprochen, aber es ist nicht nur in Griechenland so, ich lebe in Locarno Schweiz und auch hier ist es zum teil unerträglich mit den Touristen, oder solche die hier mal Ihren Lebensabend verbringen wollen……

  7. Eure aller Arroganz ist zum Kotzen!
    Bloss gut, dass ihr so perfekt seid und alles richtig macht.

    Ehrlich – ich will euch nicht begegnen. Nicht in Gr, und nicht in D,A,CH

  8. Stichwort „Parallelgesellschaft“

    Denke, „wir“ haben das Problem immer dort, wo „wir“ in Massen auftreten und in der Blase unserer „Community“ leben – nicht nur auf Kreta.

    Για την υπενθύμιση – Ευχαριστώ

  9. Schwachsinn – Griechenland inkl. Kreta, Slowakei, Frankreich, Spanien inkl. Barcelona,……..
    was auch immer – das ist EU- wir sind keine Touristen aus Österreich Deutschland …
    wir sind europäische Ureinwohner und bringen unsere persönliche Bräuche wohin wir wollen – das ist die neue Zeit- wer das nicht will – BREXIT

  10. Oh je, und ich hab dieses jahr wieder kreta gebucht. wenn ich gewusst hätte das wir deutschen so unbeliebt sind hätte ich es nicht gemacht. jetzt weiss ich auch wieso man in manchen kleinen dörfern das gefühl hatte gleich verscharrt zu werden. obwohl man in den meisten herzlich begrüsst wurde, aber das war dann bestimmt nur fassade.

  11. Hallo Kretaliebhaber ,ich komme auch schon seit vielen Jahren auf die Insel ,ja ihr habt teilweise Recht aber ich wehre mich dagegen alle über einen Kamm zu scherer ich finde das die russischen Touristen sich überhaupt nicht benehmen können die meinen den gehört die Insel ich erleben es jedes Jahr aufs neue aber man macht es ihnen ja leicht die bringen das geld mit das sieht man überall die Pelzgeschäfte das gefällt mir gar nicht die verdrängen die einheimischen Händler sowas gehört nicht auf die Insel in manchen Orten sieht man nur Russen die sich unmöglich aufführen .??

  12. Hallo, ich mache seit nunmehr 25 Jahren in Griechenland Urlaub. Mein erstes Urlaubsziel war vor 25 Jahren Kreta. Unwissend und jung buchten wir ein Hotel in der Nähe von Agios Nikolaos, Halbpension mit schlechtem Essen und ein bisschen Animation. Danach war Kreta für mich erledigt(wie naiv). Es folgten 4 Jahre Karpathos (endlich ursprüngliches Griechenland) und der Besuch weiterer Inseln wie Naxos, Santorin und immer wieder Karpathos. Dann 2014 Rhodos, was für eine tolle Insel. Also 2016 wieder Rhodos. Danach haben wir beschlossen Kreta doch nochmal zu besuchen, also gesucht und beschlossen die Südküste sollte es sein. So sind wir im letzen Jahr in Plakias gelandet und nach 3 Tagen stand für uns fest, Kreta kann mit Rhodos nicht mithalten. Wir hatten, da wir nicht so die Strandurlauber sind für unsere Zeit auf Kreta einen Mietwagen gebucht und mit jedem Tag länger auf der Insel infizierten wir uns mehr mit dem Kreta Virus. Kaum waren wir zurück in Deutschland, wurde der nächste Kreta Urlaub geplant.
    Also geht es dieses Jahr nach Sfakia. Was mir allerdings auf Rhodos und auch auf Kreta immer mehr begegnet, sind Touristen mit Fangbändern (All in Touris). Da interessiert sich kaum jemand für die Kultur oder die Menschen und das Geld bleibt beim Reiseveranstalter. Deshalb buche ich grundsätzlich ohne Verpflegung und geniesse das Essen in den Tavernen.

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