„Blumen, die früh verwelkten“. Ein Film von Kreta.

Der Film „Louloudia pou maráthikan noris“ („Λουλούδια που Μαράθηκαν Νωρίς“ – „Blumen, die früh verwelkten“ – eine deutsche Version gibt es leider noch nicht) ist ein Mahnmal gegen das Vergessen. Und – wie es der Zufall oder das Schicksal so will – war ein Deutscher „versehentlich“ in die Premiere des Filmes im Kulturzentrum Chania geraten. Was ihn zu folgendem Brief veranlasst hat:

Zufällig fand ich mich am Mittwoch, den 28. März 2018, in der Vorführung des Films „Blumen, die früh verwelkten – Kakopetros 28. August 1944“ in Chania wieder. I

Ich besuchte Chania auf einer Bildungsreise, die vom rheinland-pfälzischen Lehrerausbildungsinstitut vom 24. März bis 31. März in Zusammenarbeit mit dem Warlords Warfare Association in Kreta stattfand. Projektleiter waren Bettina Münch-Rosenthal und Anja Zückmantel, die zusammen mit Konstantin Fischer, der in der Gegend lebt, unsere Besuche in der Synagoge und der jüdischen Gemeinde von Chania organisiert haben.

Unser Team bestand aus 16 Lehrern aus Rheinland-Pfalz und 16 weiteren Teilnehmern aus Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Programm besuchte die Militärfriedhof von Maleme und Souda Bay (26. März) und Martyrium Kakopetros Dörfer, Floria und Kandanos (27. März). Dann besuchte ich außerhalb des Programms das Denkmal in Kondomaris.

Als ich eher zufällig das Filmplakat für „Blumen, die früh verwelkten“ in der Straße Hatzimichalis Giannari an der Tür einer Buchhandlung entdeckte, sprach ich mit dem Leiter des Seminars und wir beschlossen, den anderen Teilnehmern vorzuschlagen, außerhalb des eigentlichen Programmes am Abend diesen Film (mit englischen Untertiteln) anzuschauen.

Wir waren ca. 15 Seminarteilnehmer, die gemeinsam mit Frau Münch-Rosenthal in diesen Genuss kamen. Wir waren durch die große Besucherzahl sehr überrascht, hatten allerdings das Glück, noch eine halbe Stunde vor der Filmvorführung vereinzelte Sitzplätze zu ergattern. Da wir Tags zuvor auch das Denkmal in Kakopetros und das örtlichen Museum in Kantanos besucht hatten und dort Gelegenheit hatten, mit dem stellvertretenden Bürgermeister zu sprechen, konnten wir den Kontext des Films besser verstehen.


So saß ich wahllos zwischen zwei älteren Männern, die beide einige Verwandte wegen deutscher Verbrechen verloren hatten. Sie sprachen in Griechisch, natürlich, und es war sehr schwierig für mich zu antworten, weil ich mit Ausnahme einiger Zahlen und Wörter kein Griechisch spreche – und die beiden Herren mein Englisch nicht verstanden.

Zum Glück war aber ein deutsch-zyprischer Lehrer in der Nähe, den ich bat, den beiden Männern auf Griechisch den Grund zu erklären, warum unsere Gruppe in diese Filmvorführung geraten war – und ihnen bitte auch zu sagen, dass mir bewusst war, dass der Abend für sie sicher schwierig sein würde. Ich erklärte mich auch bereit, aufzustehen und zu gehen, wenn das den Beiden lieber wäre, aber sie deuteten mit Gesten an, dass es kein Problem für sie sei, wenn ich bleiben würde. Aber ich bemerkte, dass einer der beiden Herren Unbehagen empfand,

Unser gesamtes Team hat es genossen, an der Veranstaltung teilzunehmen, obwohl es für uns nicht einfach war, uns mitten unter die Leute und ihre Familien zu setzen, von denen der Film sprach – hauptsächlich wegen der Unfähigkeit, in ihrer Muttersprache mit ihnen zu kommunizieren. Von diesem Abend an wurde uns klar, wie schwer die deutschen Verbrechen von 1941 bis 1944 bis heute in Erinnerung geblieben sind. Natürlich, EU-Verhalten. und vor allem gegen die griechische Regierung hat in den letzten Jahren Bitterkeit verursacht – aber meiner Meinung nach scheint es ein größeres Verständnis zu geben.

Nun zum Film: Es war wirklich beeindruckend und ich persönlich finde ihn sehr passend. Interviews von Augenzeugen im Film waren – wie ich denke – sehr erfolgreich dokumentiert und kinematographisch umgesetzt. Ihre Aussagen waren sehr bewegend und verursachten sowohl auf Wut, als auch auf Trauer und Tränen bei den kretischen Zuschauern, während wir Deutschen durchgängig betroffen, verwirrt und beschämt waren.

Der Film ist ein „Auftrag“ gegen das Vergessen. Ein Augenzeuge sagte: „Ich wollte meine Kinder zurück haben – nicht Euer Geld!“ Die Frage der Entschädigung ist in diesem Film aber nicht das Thema, sondern viel mehr die Konzentration auf die Schicksale der Opfer. Ich denke, das ist gut und natürlich – und es ist richtig, die Frage zu stellen, wie sich Deutschland heute dieser Vergangenheit stellen will oder sollte..

Nach der Vorführung wurden viele Stimmen in der Öffentlichkeit laut, dass der Film in allen deutschen Schulen und generell in Deutschland gezeigt werden sollte. Ich teile diese Ansicht, und werde auch persönlich an Einrichtungen in Rheinland-Pfalz herantreten. Ich werde auch somit die Möglichkeit untersuchen, in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Zentrum für politische Bildung in Mainz und Osthofen eine deutsche Version des Films zu produzieren.

Am Tag nach der Vorführung kontaktierte ich den Verantwortlichen an der deutschen Botschaft in Athen, informierte ihn über den Film und bat darum, dass von der zuständigen Abteilung untersucht wird, ob eine deutsche Version des Films hergezustellen.

Auf der Seite des Films habe ich den deutschsprachigen Trailer gefunden, worüber ich sehr dankbar bin. Ich hatte die Frage, dass es schon eine deutsche Version mit deutschen Untertiteln gibt. Wenn ja, würde ich gerne wissen, unter welchen Bedingungen wir eine Projektion in einem gemeinnützigen Bildungsrahmen machen könnten.

Vielen Dank für den Film und Grüße aus Worms (Rheinhessen, Deutschland).

Uwe Bader

PS: Das Denkmal SS-Sonderlager / KZ Hinzert in der Nähe von Trier, für die ich bin auch verantwortlich, haben die ehemaligen Verbannten Französisch eine Gedenktafel mit den Worten: Ni haine – ni oubli“ gehängt! Kein Hass – keine Vergebung! „

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