Der Arbeitsmarkt in Griechenland: Neue, aber unterbezahlte (Teilzeit-) Jobs.

Auch auf die Gefahr hin, dass wir nun wieder als „Griechenlandschlechtmacher“ und „Negativberichterstatter“ beschimpft werden und äußerst empörte Kommentare von Griechenlandliebhabern bekommen, veröffentlichen wir diese Informationen trotzdem. Denn man kann Griechenland lieben und dennoch die Scheuklappen bzw. Augenbinden abnehmen. Es ist immer noch einiges faul im Staate Hellas (Shakespeare mag mir meine kleine „Hamlet-Abwandlung“ verzeihen!) – und das wollen wir nicht verschweigen, denn viele Freunde und Bekannte in unserem eng(st)en Umfeld sind davon betroffen.

Und wer jetzt ein paar nicht so schöne, wenn auch durchaus interessante Wahrheiten nicht lesen will, der/die klicke doch einfach auf´s nächste Kochrezept oder anstehende Veranstaltungen.

Die Arbeitsmarktentwicklung von Januar bis Mai 2017

Denn wie das griechische Onlinemedium Cretepost.gr heute berichtet, wurden von Januar bis Ende Mai 2017 durchaus neue Arbeitsplätze im privaten Sektor geschaffen – von diesen sind aber ca. 50% sogenannte Teilzeitjobs und werden unter dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt. Dieser Bericht basiert auf veröffentlichten Zahlen von ERGANI (ΕΡΓΑΝΗ), dem Echtzeit-Informationssystem des griechischen Ministeriums für Arbeit und Soziales.

Demnach erscheinen die Mai-Zahlen erst mal vielversprechend in Bezug auf die Anzahl der Neueinstellungen der vergangenen 5 Monate, aber die Löhne sind niedrig, die Hälfte der Arbeitsplätze sind Teilzeitjobs und basieren in den meisten Fällen auf flexiblen, rotierenden Schichten. In den meisten Vollzeit-Jobs arbeiten die Mitarbeiter täglich mehr als 10 Stunden ohne jeglichen Überstundenausgleich.

Jeder Euro hart erarbeitet.

Offizielle Daten zeigen, dass im Zeitraum von Januar bis Mai diesen Jahres 924.332 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, von denen 459.888 Vollzeit- und 464.444 Teilzeitjobs sind. 70% der Vollzeitstellen werden knapp unter oder sehr (!) knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn von 586 Euro brutto pro Monat (bei einer offiziellen 40-Stunden-Woche) bezahlt.

Ein kleiner Überblick über die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt, wieder laut ERGANI:

  • Einer von fünf Arbeitern (ca. 500.000) sind nicht sozial-und krankenversichert.
  • Ungefähr 300.000 Arbeiter sind selbständig und zahlen ihre Versicherungsbeiträge selbst, wenn sie können.
  • Rund 200.000 Mitarbeiter arbeiten regelmäßig 8h/Tag, sind aber als Teilzeitangestellte registriert.
  • Ungefähr 900.000 Griechen, die im privaten Sektor beschäftigt sind, arbeiten regelmäßig, erhalten ihr Gehalt allerdings mit einer Verzögerung von einem bis fünfzehn (!) Monaten.

Radio Kreta – Einfach leben ist manchmal gar nicht so einfach…

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2 Kommentare

  1. @ Frank Wies: …das ist keine soziale Marktwirtschaft, sondern die brutale Fratze des Neokapitalismus in einer globalen Wirtschaft, wo die multinationalen Konzerne in ihrer unermesslichen Gier nur nach billigen Lohnsklaven schauen, um ihre Profite zu steigern!!!

  2. Unversichert – und 3 Euro Stundenlohn! Juni 2017 – auf Kreta!
    Ich habs kaum glauben können, aber es ist tatsächlich so. Beschwerde zwecklos, wenn der eine unbedingt Job und Geld braucht und der andere weiß, dass trotzdem zig weitere auf diesen „Traumjob“ warten.

Kommentare sind geschlossen.