Geschichten von Kreta: Anzeige gegen (Un-)Bekannt.

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Linus, unser Riesenbaby

Nun ist er also tot, unser Linus.

Mein Linus, den ich mit Milchpulver und Antibiotika aufgepäppelt habe, als er uns wenige Tage nach seiner Geburt anvertraut wurde, dessen vereitertes Äuglein ich geduldig mit Kamille wieder heil bekommen habe, dessen Taufe wir ausgelassen gefeiert haben und der uns nun zweieinhalb chaotisch-rüpelhafte Jahre begleitet und mit seiner reizenden Art viel Freude bereitet hat.

Und genau dieser pumperlgesunde, energiegeladene und verspielte Linus ist am vergangenen Mittwoch in meinen Armen gestorben. Ach – was sag ich: elendig verreckt ist er in meinen Armen.

Denn er wurde auf die perfideste, fieseste und feigste Weise mit Rattengift-„Leckerlis“ vergiftet. Und ich bin mir sicher zu wissen, von wem.

Nämlich von der einzigen Person, die hier auf dem von uns gemieteten Grundstück ein und ausgeht, wie es ihm grade passt. Der selbst einen Hund hier gelassen hat, um den wir uns ebenfalls liebevoll (wie sonst?) kümmern, weswegen wir nicht im Traum auf die Idee gekommen wären, dass besagte Person unserem Linus etwas antun könnte, denn er war einer der wenigen, vor denen unser Schisshase Linus keine Angst mehr hatte!

Beweise haben wir keine – außer einer leeren Rattengift-Packung („Tom Cat Blue“ – sehr effektiv!), die ansonsten überhaupt keinen Sinn macht, da wir weder Ratten noch Mäuse haben, sondern Hunde und Katzen. Alle anderen Vierpfoter sind zum Glück unbeschadet geblieben, was den Verdacht einer gezielten Gabe des Giftes an unseren Linus noch näher legt.

Das Hundeklo…

Und warum das alles? Weil wir nach allen gescheiterten Versuchen des guten Zuredens bzw. überhaupt miteinander Redens bzgl. gewisser baulicher Veränderungen an dem von uns für das mehr als Dreifache der im Mietvertrag ausgewiesenen Mietsumme gemieteten Hauses incl. Grundstück eine Anwältin eingeschaltet haben, die besagter Person per Brief dringend nahelegte, zumindest die Außeninstallation der Toilette (!) binnen einer Zehntagesfrist rückgängig zu machen, da wir bis dahin überhaupt keine Miete mehr zahlen würden.

Desweiteren ist auch der chronologische Ablauf logisch und nachvollziehbar.
Gegeben wurde Linus das Gift wohl entweder am späten Abend des 23.10. oder aber am Morgen des 24.10. In dieser Nacht war besagte Person wieder auf dem Gelände und hat auch die Nacht hier verbracht. Und ab dem morgen des 24.10. ging es Linus zunehmend schlechter. Erst nur leichte Beschwerden (humpeln, Lustlosigkeit), die sich über den folgenden Tag zu einer regelrechten Apathie ausgeweitet haben, die unseren Linus am 26.10. komplett aus der Bahn geworfen und ihn in der Nacht um 23:55 unter Schmerzen und Krämpfen über den „Regenbogen“ geschickt haben.

All die Symptome rekonstruierend kamen wir zum einzig richtigen Schluss: Rattengift.

Bestätigt wurde dieser Verdacht direkt am nächsten Morgen, als ich besagte leere Packung „Tom Cat Blue“ gefunden habe – und zwar in einem Müllsack, der von Außen auf keinen Fall zugänglich ist. Von den Hunden genervte Nachbarn haben wir auch nicht (wir haben gar keine Nachbarn!) und auch die Möglichkeit, dass irgendein Tierhasser eben mal vergiftete Leckerlis über den Zaun geworfen hätte fällt aus, da sonst mindestens noch einer unserer verfressenen Vierbeiner ebenfalls dran gewesen wäre.

Der unendlichen Trauer mischte sich dann irgendwan eiskalter Zorn hinzu. „Stop Suse! – nicht aus dem Gefühl heraus agieren. Erst mal denken. Hmmmm, denk, grübel, wäg ab…..“ Okay, keine Kompromisse mehr – genug ist halt doch irgendwann mal genug – und wir haben beschlossen, diesen „Vorfall“ bei der Polizei zur Anzeige zu bringen. Mit Verdachtsmomenten, Beweisen und Namen. Direkt am Tag danach.

Also tauchte ich am 27.10. ziemlich übernächtigt und verheult auf der Polizeistation des Dorfes auf, um mich zu erkundigen, was ich denn für so eine Anzeige bräuchte. Die lapidare Antwort des zugegebenermaßen sehr netten, wenn auch noch sehr jugendlichen Polizeibeamten war: „Zeugen“.

Na, Schätzelein, wenn ich (einen) Zeugen hätte, hätte ich dem Giftverabreicher direkt von Vorne in den Hintern getreten, meinen Hund geschnappt und wäre zum Tierarzt gefahren, dann würde unser Linus nämlich noch leben und der Giftmischer würde jetzt erst die Anzeige bekommen!

Natürlich habe ich keine(n) direkten Zeugen, aber schlüssige Beweise und Schlussfolgerungen – und ich bin mir sicher, dass genau diese Person unseren Linus auf dem nicht vorhandenen Gewissen hat.

Mir wurde erklärt, dass ich entweder eine Anzeige gegen Unbekannt machen kann, in der ich allerdings auch gerne einen begründeten Verdacht gegen eine ganz konkrete Person geltend machen könnte. Oder aber natürlich auch eine Anzeige gegen die konkrete Person – das führt dann aber direkt zur Anklage und Gerichtsverhandlung.

Ich war wild entschlossen, letztere Option mit allen Konsequenzen durchzuziehen, wurde dann allerdings ob der in Sorgenfalten gelegten jugendlichen Stirn meines Polizei-Jannis und seiner mehrfachen Nachfrage, ob ich das denn wirklich will, doch leicht verunsichert. Ich bat mir noch einen Nachmittag Bedenkzeit aus und wir verabredeten uns für den nächsten morgen um 8:00 in seinem Büro – Feiertag hin, Ochi Tag her!

Und was soll ich Euch sagen: egal mit wem wir redeten – man riet uns davon ab. „Zu viele Probleme“, „zu viel Gedöhns“, „am Ende kommt ja eh nix dabei raus“, „tut Euch das nicht an“, „aua! das kann teuer werden“, „seht mal zu, dass Ihr da niemandem falschen auf die Füße tretet“ … usw. usw.

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Somewhere over the rainbow… – mach´s gut, Linus!

Das Gute daran: GENAU deswegen waren wir uns am Abend des „Tages 1 nach Linus“ einig, dass wir das durchziehen. Jetzt erst recht! Sollen doch alle anderen kuschen – hier wurde eine ganz klare Grenze überschritten und NOCH sind wir in Europa. Und das ist das Letzte, was wir für mein Chaoten-Riesenbaby Linus posthum noch tun können. Wird ihn nicht wieder lebendig machen, aber vielleicht andere Vierbeiner durch Abschreckung retten. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Am Freitag, dem 28.10. wurde nicht nur allgemein der Ochi-Tag gefeiert, sondern auch wir sagten „Ochi“ zu Personen wie dieser, die denken, sie können einfach so unschuldige Vierbeiner vergiften und elendig verrecken lassen – ich habe Anzeige erstattet. Erst mal gegen „Unbekannt“ mit sehr konkreter (und begründeter) namentlicher Erwähnung des vermuteten Attentäters.

Spannend waren die Fragen, die mir gestellt wurden. Natürlich ging es erst mal um den Sachverhalt an sich. Dann um die Gründe – da kam dann die Geschichte mit den „baulichen Veränderungen“ in´s Spiel, dokumentiert anhand von Bildern und Artikeln. Und dann die Fragen zur Person.

Mein Janni-Cop kannte besagte Kreatur nicht persönlich, hat sich aber bei einem altgedienten Kollegen schlau gemacht und zur Antwort bekommen „Der ist nicht bekannt dafür, dass er Ärger macht“. Klar, deswegen haben wir ja auch das Haus von ihm gemietet und 9 Monate lang lief ja auch alles ganz wunderbar! Nur dann muss irgendwas passiert sein, irgendwann ab Juni/Juli diesen Jahres…. Und dann fragte Janni-Cop interessanterweise noch folgendes (und machte sich entsprechende Notizen):

J: Wie alt ist der denn?
S: Ende 50.
J: Arbeitet er?
S: Uns hat er erzählt, dass er bei Olympic Airways gearbeitet hat und nun in Rente ist.
J: Aha! Verheiratet?
S: Geschieden oder zumindest getrennt lebend…..
J: Hmmmmm. Okaaaaayyyyyyyy.. Kinder?
S: 2 erwachsene Töchter, kein Kontakt.
J: Aha. Hmm… Wo wohnt er denn jetzt?
S: Wenn er die Hütte nicht illegal an Wanderer vermietet hat, wohl in Faleriana oberhalb von Voutas – ansonsten übernachtet er manchmal im Rohbau, den er auf „unser“ Haus aufgestockt hat und ansonsten…. keine Ahnung…
J: Okay, das ist ja schon mal ein erster Eindruck…

Sollte sich diese Kreatur hier nochmal blicken lassen (und das wird er, denn er will ja die Miete kassieren…) werden wir ihn mit dem Vorwurf konfrontieren, von dem er allerdings mittlerweile durch die Polizei schon informiert sein sollte – vielleicht ist er ja sogar stolz darauf und posaunt das aus.

Wenn ja, gehen wir zum nächsten Schritt über. Und wenn nicht, dann auch!

Denn:

Solange Menschen denken,
dass Tiere nichts spüren,
müssen Tiere spüren,
dass Menschen nicht denken.

(Arthur Schopenhauer – Danke Sofia, Manolis und Filos aus Tsivaras!)

Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Radio Kreta – Todtraurig und zu allem entschlossen. Für eine bessere Welt.


streamplus.de

Die Geschichte vom „Hundeklo“.

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4 Kommentare

  1. genau DAS hätte ich auch getan!
    Ob es sinnvoll ist oder nicht wäre mir hier auch erst einmal egal…..aber nichts gegen solche „Menschen“ zu unternehmen wäre der falsche Weg.

  2. Macht das, zieht das durch. Es gibt hier leider viel zu viele dieser Sorte „Mensch“. Ich habe gegenüber auch so einen, der zwar nicht vergiftet, aber seine Hunde miserabel behandel (kurze Kette, kein Wasser, ab und zu mal was zu fressen und das alles in der eigenen „Toilette“). Bin auch kurz davor ihn anzuzeigen (Alki). Was mich dann erwartet weiß ich nicht – dann sind wohl meine Tiere auch dran. Man kann diese Sachen einfach nur publik machen, sodaß möglichst viele darauf aufmerksam werden. Vor allem Touristen, die dann auch mal etwas unternehmen.

  3. R.I.P. schöner Linus :'( ….. komm gut über die Regenbogenbrücke ♥

    Ihr habt das Richtige getan !
    Ich bin entsetzt …. wütend ….sprachlos über dieses Verhalten …. sich an ein Tier für etwas zu“rächen“…. es so elendig sterben zu lassen ….
    hoffentlich wird er bestraft !!!

Kommentare sind geschlossen.