Immer mehr griechische Unternehmen wandern aus Steuergründen in´s Ausland ab.

Immer mehr griechische Unternehmen sehen sich gezwungen, aufgrund der hierzulande gültigen Unternehmenssteuer i.H.v. 29% ihre Pforten schließen – oder aber wählen die Alternative der Abwanderung in Niedrigsteuerländer wie Bulgarien oder Zypern.

Damit helfen sie diesen Volkswirtschaften natürlich enorm – allerdings zu Lasten des so dringend benötigen Wirtschaftsaufschwungs in ihrem Heimatland.

Nun ja, da ist einem natürlich das Hemd näher als die Jacke….

Die Anzahl von in Bulgarien niedergelassenen griechischen Unternehmen ist gemäß bulgarischer Behörden von 2.000 im Jahr 2010 (Jahr des ersten griechischen „Bailouts“) auf satte 17.000 im Jahr 2015 gestiegen. Warum? In Bulgarien liegt die Unternehmenssteuer bei 10%!

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Karikatur von Freund Klaus Stuttmann.

Die von Griechenland nach Bulgarien umgesiedelten Unternehmen generieren gemäß Erhebung der griechischen Botschaft in Sofia jährlich ca. 5 Millarden Euro und beschäftigen Schätzungen zufolge um die 53.000 Menschen – Tendenz steigend.
Und zwar schnell steigend: Nach Angaben des bulgarischen Handelsregisters wurden von Januar bis Mitte November diesen Jahres 3.642 neue griechische Unternehmen in Bulgarien registriert, gegenüber 3.262 griechischer Neugründungen im gesamten Jahr 2015. Das ist ein Plus von über 11% ggü. dem Vorjahr – und das Jahr ist noch nicht vorbei…

Das erklärt übrigens auch den deutlich wahrzunehmenden Zuwachs in Bulgarien zugelassener Mittel- und Oberklassewagen auf Griechenlands Straßen. Firmenwagen halt…

Darüber ist die griechische Regierung natürlich besorgt und plant, in Zusammenarbeit mit der bulgarischen Regierung eine Reihe von Steuerprüfungen. Das Ziel dieser Prüfungen ist festzustellen, ob es sich bei diesen Unternehmen lediglich um „Briefkastenfirmen“ handelt, um die griechische Steuer zu umgehen, oder ob es sich um wirkliche Unternehmensneugründungen handelt.

Bulgarien bestätigt, dass man Steuerdaten mit Griechenland teilen wird, um die Prüfungen voranzutreiben. Das Doppelbesteuerungsabkommen (diese Bezeichnung ist irreführend, denn de facto handelt es sich ja um ein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung!) zwischen beiden Ländern besagt – wie überall auf der Welt, wo so etwas existiert – dass ein Unternehmen nicht in 2 Staaten besteuert werden kann; das Steuerdomizil wird durch die geographische Lage der unternehmerischen Haupttätigkeit bestimmt.

So weit, so gut die Pläne.

Tatsächlich aber wimmelt der Verkehr an der griechisch-bulgarischen Grenze 600 km nördlich von Athen. An 2 kleinen bulgarischen Industrieparks, nur 5 km von besagter Grenze entfernt im Inland, wimmelt es ebenfalls – und zwar von griechischsprachigen Werbetafeln überall. Hier werden Lager- und Büroräume „en gros“ angeboten.

„Alleine in dieser Gegend gibt es Dutzende von griechischen Unternehmen, von Speditionen über textilverarbeitenden Unternehmen bis hin zu Firmen für Baumaterial“ sagt Yiorgos Kalaitzoglou, der in einem der Industrieparks eine Logistikfirma leitet. Von weitem schon zu sehen ist ein großes Schild, das sagt: “Land der Möglichkeiten”.

Kalaitzoglou´s Business fing vor etwa 3 Jahren an, in Griechenland den Bach hinunter zu gehen. Konsequent zog er mit seiner Firma nach Bulgarien um – seine Familie blieb in Thessaloniki, eine Stunde Autofahrt entfernt.

„Das griechische Finanzamt nimmt dir 70-90% deines Verdienstes. Griechenland lässt dich einfach nicht leben“, erklärt der 50-jährige, während er durch ein Lagerhaus voller Leitern und Farbeimern geht.

KS Steuerfluechtling
Karikatur von Freund Klaus Stuttmann.

Er benötigte nur einige wenige Tage, um seine Firma in Bulgarien zu registrieren. 80% der Waren, mit denen er handelt, werden aus anderen europäischen Staaten importiert und dann an seine griechischen Kunden exportiert.

Als Einzelhändler hat Kalaitzoglou nun ein jährliches Nettoeinkommen von 50.000 Euro – nach Abzug der 10%-igen Körperschaftssteuer, sowie der 5% Steuer auf Gewinne und monatlicher 100 Euro Rentenbeiträge.

Vassilis Kampanis, Präsident der griechischen Föderation der Steuerberater, sagt, sein Büro werde von Anfragen griechischer Unternehmer, die ihr Steuerdomizil nach Bulgarien verlegen wollen, überschwemmt.

Seiner Meinung nach sind Steuersenkungen und ein einfacheres System zur Gründung von Unternehmen in Griechenland die einzige Möglichkeit, Unternehmen von der Abwanderung abzuhalten bzw. nach Griechenland zurück zu locken.

Allerdings erscheinen Steuersenkugen in Griechenland derzeit und bis auf weiteres eher unwahrschenlich. Alleine in diesem Jahr hat Griechenland im Rahmen des dritten „Rettungs“-paketes eine Reihe neuer Steuer- und Rentenversicherungsabgaben (bei erneuten Rentenkürzungen) verabschiedet, während in den nächsten 2 Jahren noch weitere einschneidende Maßnahmen erforderlich sein werden, um die Kreditgeberziele zu erreichen.

Da beißt sich die Katze natürlich in den Schwanz – aber kann man es den Unternehmern verdenken? Wie kann man patriotisch Steuern zahlen, ohne zu wissen, wie man überleben soll?

Radio Kreta – manchmal auch ratlos, aber immer gut informiert.


streamplus.de

Und leider ist offensichtlich wirklich keine Besserung in Sicht, denn: Die nächsten Einschnitte werden noch härter.

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2 Kommentare

  1. Vielleicht sollten sich die „armen griechischen Wirtschaftsflüchtlinge“ einmal überlegen, was sie bisher für Griechenland getan haben. Wahrscheinlich – außer fast steuerfrei zu leben – eigentlich gar nichts.
    Die zu hohe Steuer muss natürlich auf ein wirtschaftlich vertretbares Maß zurückgeschnitten werden, ob dieses der EU passt oder nicht.

    Wir zweifeln jedoch auch dann an dem guten Willen der meisten griechischen Geschäftsleute, nicht nur für sich, sondern auch für die Allgemeinheit etwas Positives zu untenehmen.

  2. Daß es Ländern wie Bulgarien zugestanden wird andere Volkswirtschaften in der EU durch fahrlässige Steuersysteme empfindlich zu treffen, ist ein Grundübel dieser Zustände. Luxemburg, Belgien, Niederlande sind auch nicht besser. Sie machen es nur eleganter indem sie nur superreiche Unternehmen reicher werden lassen.
    Persönlich bin ich durch unsere unmittelbare Nähe zur ungarischen Grenze ebenfalls von solch einem Steuer und Lohndumpingsystem betroffen. In österreichischen LKW sitzen immer mehr Ungarn und Rumänen. Selbst Moldavier fahren hier. Wie das? Orban hat jedem irgendwie ungarisch radebrechenden Egalwoherbürger einen ungarischen Pass versprochen und verschafft. Er will auf diese Art den Traum vom Wiedererstehen des ehemaligen Großungarn verwirklichen.
    Das am Rande.
    Bei unseren regelmäßigen Urlauben in Griechenland vor langer Zeit fiel mir immer mehr auf, daß Preise für z.B. Paradeiser höher waren als bei uns daheim. Nicht nur Touristenorten, sondern auch irgendwo in hoch gelegenen Dörfern wohin sich normal kein Tourist verirrt.
    Damals schon frug ich mich: Teilweise Preise wie bei uns aber: Wo sind Kläranlagen, anständige Mülldeponieen, … . Ein ausgewanderter Österreicher gab Auskunft: Seine Keramikwerkstatt lief gut. Aber warum fährst du dann nur eine alte Ente? (Heute denk ich diesbezüglich anders) Ja damit hab ich alle Rechte beim Finanzbeamten. Er kommt, sieht die armselige Ente vor der Tür, mich in alten Kleidern und schon werd ich zu einer sehr geringen Besteuerung eingeschätzt! Nicht berechnet Daumen mal Pi. So ging das. Damals zumindest.
    Die nun aufgezwunge Austeritätspolitik ist natürlich ein völliger Unsinn. Sie soll wieder nur Reiche reicher machen.
    Der langen Rede kurzer Sinn: Wie kann man es griechischen Geschäftsleuten verdenken zu handeln wie Starbucks, Microsoft, Appel, Ikea, Logo, großen Spediteuren,…….. .

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