Von Clemens
Moin, so langsam geht die Olivenernte auf Kreta zu Ende. Der Preis in der Ölmühle beträgt 5,-€/kg, im Supermarkt 10.-€ bis 12.-€/kg. Der Export von Olivenöl aus Tunesien nach Europa macht den Olivenbauern in Kreta und Griechenland auch das Leben schwer. Der durchschnittliche Importpreis für tunesisches Olivenöl betrug 5,48€/kg im November 2024 auf 3,48€/kg im August 2025.
Jahrelang galt in Kreta die Regel, 1 Jahr gute Ernte, 1 Jahr nicht so gute Ernte. Seit dem Klimawandel ist damit vorbei.
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In den Bergdörfern gibt es noch eine nachhaltige Symbiose. Bei sorgfältigem Management ist die Kombination von Schafhaltung und Olivenbau (große alte Bäume/Tsounates-Oliven (τσουνάτες), wie sie traditionell in Sfakia praktiziert wird, auf jeden Fall vorteilhaft.
Die Schaffe fressen das Kraut unter den Bäumen (und mindern so obendrein die Brandgefahr) und die wilden Triebe unten am Stamm, die nach einem Schnitt massiv austreiben. Eine natürliche Düngung ist gleichfalls garantiert, und die Tiere profitieren vom Schatten. Olivenanbau ist ursprünglich keine Monokultur, sondern ein komplexes Ökosystem. Im Idealfall wachsen neben Oliven auf dem gleichen Feld auch Steineichen, Zypressen, Johannisbrot- und Mandelbäume.
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– Monokultur in Küstenebene (kambos), mit der Sorte Koroneiki. Sie zeichnet sich durch relativ hohen Ertrag (bis zu 25 % Ölgehalt) und niederen Wuchs und dadurch leichte Beerntbarkeit aus.
– Für Ess-Oliven wird die groß fruchtige Sorte Kalamon bevorzugt (nach der Stadt Kalamata auf der Peloponnes).
Auch dieses Jahr war die Ernte schlecht, oft nur die Hälfte Ertrag vom letzten Jahr. Eine in diesem Herbst bereits spürbare Konsequenz war, dass die einzige in Sfakia noch verbliebene Ölmühle (fábrika), in Nomikianá später als sonst die Arbeit aufnahm und auch nur unregelmäßig geöffnet war. Der Betreiber spricht davon, den Laden zuzumachen.
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Die seit 1986 familiengeführte Ölmühle zwischen Agios Nektarios und Frangokastello ist schon vier luxuriösen Suiten (natürlich mit 4 Swimmingpools) zu Opfer gefallen.
Gründe dafür sind:
– Olivenfruchtfliege Dacus oleae
– hohe Temperaturen/Kimawandel
– wie schon die Jahre zuvor, wenig Jahresniederschlagsmenge und zu wenig Schnee/Klimawandel (Das Schmelzwasser versickert im karstigen Gestein und speist Quellen, Brunnen und Grundwasser).
Allerdings konkurrieren nun Tourismus (je 1 Privatpool für jede Villa und Luxus-Apartment!) und Landwirtschaft um die doch begrenzten endlichen Wasservorräte.
Über kurz oder lang wird dadurch nicht mehr ausreichend Wasser für die Landwirtschaft zur Verfügung stehen, wie es in Ostkreta bereits der Fall ist.
Kaló Chimóna (Καλό χειμώνα) – einen guten Winter, Clemens

Ich verstehe ja jeder möchte 1Euro mehr verdienen.Aber dadurch wird KRETA vernichtet.
Moin Chris, „Der zweite Schlag landet in Keratokampos, Viannos – in der ruhigen Gegend von Skouros (Strand darunter). Dort ist ein weitläufiger Luxuskomplex geplant: ein 5-Sterne-Hotel, 30 High-End-Residenzen, ein Spa, Empfangsgebäude, Pools, Speisezonen und sogar einen „Garten“ für Bio-Produkte, um lokale Authentizität zu simulieren. Es liest sich wie eine Parodie auf das neue Tourismusvokabular: „Nachhaltigkeit“, „Wellness“, „integrierte Gastfreundschaft“.
https://www.argophilia.com/news/the-vanishing-paradises-of-crete/243363/
Viele Grüße aus Plakias, kv
@ H.J.M
Ahh, Skouros, da habe ich mal während einer Biketour eine Nacht gezeltet, unter den Bäumen hinter der kleinen Kirche in der Kurve. Was ist denn da für ein Schmonz geplant?
Allgemein nimmt der Luxus-Touristen-Wahnsinn auf Kreta wirklich bedrohlich zu. Mir fällt als Beispiel noch der im Bau befindliche Ikos-Hotelkomplex bei Kissamos ein. Der neue Flughafen wird sein Übriges tun, und man darf gespannt sein, was dann aus dem Areal des alten Kazantzakis-Flughafens wird.
Schaut doch bitte, was am Triopetra Strand und am Skouros Strand – bis jetzt vom Massentourismus verschonten Orten an der Südküste – geplant, genehmigt und bereits im Bau ist!
Über den neuen Flughafen in Kastelli (zweitgrößter in ganz Griechenland mit einer Kapazität von 16.000.000 ((16 Millionen)) Passagieren pro Jahr) und dem Straßenausbau nicht nur Nord-Süd, sondern besonders an der SÜDKÜSTE möchte ich mich nicht auslassen.
Vielleicht können die gigantische Hotelanlage (Skouros) und die Touristenstadt Triopetra (6.000 Belegung) mit Meerwasserentsalzungsanlagen betrieben werden – aber was hilft das den Olivenbauern und was soll der angestrebte Massentourismus der INSEL bringen??? KRETA – QUO VADIS🤨
kleines Beispiel nach dem ROBINSON ist in Koutsounari direkt am Long Beach derzeit der Bau einer Appartementsiedlung, wo zu jedem Appartement ein Pool eingebaut wird.
toller informativer Bericht, leider erleben viele Touristen diese Seite Kretas nicht. bitte mehr aus dem „Alltagsleben“!