Das EU-Mitglied Griechenland kehrt zurück an den Kapitalmarkt, in den Kreis vertrauenswürdiger Kreditteilnehmer. Es ist kein weiteres Rettungspaket mehr von Nöten – endlich der Beweis dafür, dass Europas milliardenteure Rettungspolitik nicht gescheitert ist.
Vor gut vier Jahren stand Griechenland noch vor der Staatspleite, andere EU-Länder waren scheinbar heillos überschuldet, und der Euro geriet unter enormen Druck. Aus eigener Kraft kam Griechenland nicht mehr aus der Krise; Internationaler Währungsfonds, Europäische Zentralbank und Euro-Länder halfen mit Krediten in Milliardenhöhe. Laufzeiten der internationalen Hilfskredite mussten immer wieder verlängert werden und Zinsen stetig gesenkt. Nun wird vermeldet, Athen sei wieder kreditwürdig und Europa habe Griechenland vor dem Staatsbankrott gerettet
Griechenland – angetrieben von Geldgebern
Aber auch Griechenland selbst leitete einige Maßnahmen ein, um sein Bruttoinlandsprodukt in ein vertrauenswürdiges Gleichgewicht zur Staatsverschuldung zu bringen. Tiefgreifende Veränderungen in wirtschaftlicher Struktur und politischer Kultur wurden vorgenommen – beispielsweise wurden Rohstoffimporte gesenkt und der Sektor erneuerbarer Energien ausgebaut. Welt.de hat dazu die 50 größten veränderten Reformen des Staates aufgelistet.
Antrieb aus der Bevölkerung
Das Gefühl, selbst aktiv werden zu müssen und sich nicht einzig auf staatliche Vorgabe verlassen zu können, ergriff im Laufe der Krise immer mehr Hellenen. Die griechische Bevölkerung hatte durchaus kreative Ideen, der Krise zu trotzen. So entwickelte ein Tabakbauer im Norden des Landes ein außergewöhnliches, aber erfolgreiches Geschäftsmodell. Längst waren griechische Tabaksorten wie Schwarze Elassonas, Basma, Katerini nicht mehr konkurrenzfähig, aber gerade in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise kam der damalige Bürgermeister des kleinen Ortes Demenico, Nikos Tsoutsos, auf die Idee, kubanischen Tabak zu importieren und daraus griechische Zigarren herzustellen. „Drei Jahre lang testeten wir sieben verschiedene kubanische Tabakpflanzen. Wir stellten fest, dass das Mikroklima unserer Region gut geeignet zu sein schien, die Ergebnisse fielen rundweg zufriedenstellend aus.“
Zu Beginn der Idee flog der Gründer zunächst auf eigene Kosten mit zwei studierten Landwirten und einem einfachen Tabakbauern nach Kuba, um von den dortigen Experten zu lernen. Kubanische Zigarren, wie sie in Deutschland neben anderen Sorten bei auf Zigarren spezialisierten Händlern wie Noblego erhältlich sind, genießen schließlich weltweit einen hohen Stellenwert unter echten Kennern.
Nach der Rückkehr in die griechische Heimat wurde dann eine Genossenschaft zur Herstellung griechischer Zigarren aus kubanischem Tabak gegründet. Schnell stieg die Jahresproduktion von 1.200 Zigarren auf 35.000 an, und neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Eine Idee, die sich auszahlte – bis 2012 wurde nur für das Inland produziert, dann erhielt die Tabakgenossenschaft die langersehnte Lizenz für den Export ihrer Produkte.
Nützliches auf Kreta: Eine Tabakschneidemaschine.