Schild Kreta

Ausflugtipp: Die Patsos- oder Sankt Antonius Schlucht.

Heute hat uns mal wieder ein wundervoller Ausflugtipp von unserem Freund Jörg L. aus A. bei Plakiás erreicht: die Patsos- oder auch Sankt Antonius Schlucht (Φαράγγι Άγιου Αντώνιου).

Ein Ausflug in die Patsosschlucht, die auch Sankt Antonius Schlucht genannt wird und in der Nähe von Spili liegt, ist eine perfekte Stimulation von Verstand, Herz und Körper. Sie ist ein idealer Zufluchtsort für allzu heiße Tage, denn hier ist es schattig und aufgrund der etwas höheren Lage deutlich kühler. Darüberhinaus bietet Plätze von archäologischem Interesse, eine außergewöhnliche Landschaft und kontinuierliche Herausforderungen für Wanderer, die die Schlucht erobern wollen.

Aber wie kommt man da hin?

Von Rethymnon kommend fahrt Ihr von Norden nach Süden in Richtung Spili. Nach 26 Kilometern, bei Mixorouma, folgt Ihr den Schildern nach Karines und kommt durch Labini. Kurz nach diesem Dorf weist ein Schild die Richtung nach dem 12 km entfernten Sankt Antonius. Die Strecke führt nach Süden entlang einer ansteigenden Straße, die einen herrlichen Rundblick über die Region von San Baseio bietet.

patsos-karte

7 Kilometer entfernt liegt Patsos – ein Dorf mit kleinen weißen Häusern, und begrünten Innenhöfen. Sobald Ihr in Patsos ankommt, führt Euch ein Schild auf der linken Seite zur Schlucht des Heiligen Antonius – „Farangi Agios Antonios“ (Φαράγγι ‚Αγιος Αντόνις). Der Parkplatz ist von einer Eiche beschattet. Eine große Holzkonstruktion markiert den Eingang zur Schlucht von wo aus Euch ein rustikales Tor auf den leicht ansteigenden und mit einem Holzgeländer versehenen Weg durch die Schlucht bringt.

Zwei hölzerne Pfeile nach rechts und links bezeichnen das Gleiche in griechischer Sprache: „Vorio Exodo“ (Nordausgang), und laden Euch ein, in die Schlucht hinabzusteigen. Ihr entscheidet Euch sicherlich, der Schlucht in östliche Richtung zu folgen, weil Eure Aufmerksamkeit von einem anderen Schild „Spileo Furnaro“ (Furnaro Grotte) geweckt wurde. Hierbei handelt es sich um eine Grotte in der Felswand, mit braunen und rosafarbenen vertikalen Streifen, deren Farben nach und nach in wellenförmige, dunkelgraue Schatten „auslaufen“.

Der Weg nach unten in die Schlucht wird durch breite Stufen erleichtert, die aus Baumstämmen gefertigt wurden. Ein weiteres Schild, auf dem „Spiliares“ (kleine Kavernen) steht, führt Euch zu weiteren Höhlen, in denen Ihr über einen Meter lange Stalaktiten von der Decke „wachsen“ seht.

Hier gibt es für alle Ansprüche etwas: für die etwas Untrainierteren – die „Spaziergänger“ – gibt es einfachere Wanderungen durch die Schlucht, für die eher couragierten, „Verrückten“, Indiana-Jones-Anhänger gibt es Wege, die in steilen Haarnadelkurven nach unten zum Grund der Schlucht führen.

Solltet Ihr Euch für die letztgenannte Version entscheiden, werdet Ihr ein heiloses Durcheinander von durch- und übereinanderliegenden Felsbrocken vorfinden, die an manchen Stellen mit rosafarbenem Oleander oder den schlanken Stämmen von Platanen durchsetzt sind. Irgendwann endet dieser Weg dann – nach rechts geht es nicht mehr weiter. Also nach links….

Indiana Jones

Hier geht es über eine solide Brücke zur eigentlichen Schlucht. Und von hierher müsst Ihr dann wirklich den Indiana Jones in Euch rauslassen, denn nun geht es darum, mit Köpfchen und vor allem mit Händen und Füßen die felsigen Hindernisse zu überwinden. Ihr werdet in den Felsen verankerte, allerdings sehr rudimentäre Leitern aus Holz oder Eisen erklimmen und über weitere Felsblöcke krabbeln, die Euch immer weiter in die Schlucht hineinführen.

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Die Brücke über den Fluss

Die beste Zeit zur Erkundung dieser Schlucht ist übrigens der Sommer, da im Frühjahr (bis Juni) und Herbst/Winter (ab Oktober) durch die Regenfälle die Schlucht in einen rauschenden, wilden Bach verwandelt wird. Im Sommer könnt Ihr das trockene Flussbett mit seinen perlgrauen Steinablagerungen und einem kleinen, türkisfarbenen Tümpel mit satt grünen Farnen, trockenen Fusses erkunden.

Ihr seid jetzt am tiefsten Punkt der Schlucht – hier gibt es keine Wegweiser mehr und auch der Himmel ist kaum noch zu sehen – Ihr müsst jetzt einfach in der eingeschlagenen Richtung weiter, was heißt, dass Ihr auch über Felsen klettern müsst – wie auch immer… Keine Leitern mehr, hin und wieder allerdings eine Stange, an der ihr Euch entlanghangeln könnt.

Nach einer etwa einstündigen Wanderung entdeckt Ihr auf einmal wieder Platanen und dorniges Unterholz – und in der Ferne einen Staudamm. Der Abstieg dorthin scheint auf einmal ein Kinderspiel: der Weg ist lichtdurchflutet, hier sind auch wieder Leitern, die auf und ab führen – das ist vergleichsweise leicht und macht Spaß! Und schwuppdiwupp seid Ihr wieder an Eurem Ausgangspunkt – da wo die Wegweiser in die Schlucht sowohl nach rechts als auch nach links weisen, Ihr Euch aber anfänglich für rechts entschieden habt. Um den Ausflug in die Schlucht perfekt abzurunden, entscheidet Ihr Euch eventuell – je nach Zeit, Lust und Kondition – auch noch die westliche Seite zu erkunden, aber vorher gönnt Ihr Euch am Besten erst einmal eine schattige Pause unter dem einladenden Blätterdach einer großen Platane.

Und dann nochmal auf der Westseite lang

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Die Kapelle von Patsos

Von hier aus geht es dann auf der westlichen Seite auf einem gut beschilderten Weg weiter, der manchmal sanft ansteigt, manchmal allerdings so steil ist, dass man seine blossen Hände benutzen muss, um krabbelnderweise weiter zu kommen. Aber die wundervolle Natur um Euch herum lässt Euch weitergehen oder auch -krabbeln – an eine Umkehr ist nicht zu denken! Nach einer weiteren Viertelstunde auf diesem Weg kommt Ihr wieder zur anfänglichen Weggabelung – und zur Kapelle des Heiligen Antonius.

Das Beeindruckendste hier ist sicherlich die magische, fast schon bizarre Atmosphäre rund um die sich in die Felsen schmiegenden Kapelle, die im wahrsten Sinne gespickt ist mit unzähligen kleinen zusammengeknüllten, in die Felsritzen geklemmten Zettelchen auf denen offenbar nicht nur kretische Pilger ihre Wünsche äußern um sie dem heiligen Antonius nahezubringen. Dutzende Krücken, Gehilfen, abgelegte Stützschienen und dergleichen gruppieren sich rund um den Altar und wollen wohl davon zeugen, dass hier offenbar spontane Heilungen möglich sind (unser Tipp: einfach mal ausprobieren! ;-)) Natürlich zündet man dazu eine Kerze an und legt etwas Kleingeld in den Kerzenkarton!

Unterhalb der Kapelle befinden sich ein paar lauschige, rustikal gestaltete Rastplätze die zum Verweilen einladen und wo Ihr hoffentlich Euer wohlverdientes Picknick zur Stärkung von Körper und Geist genießt – zur Belohnung für die selbstauferlegten, aber gleichzeitig wundervollen Strapazen des Tages.

Fazit: Ein Besuch dieser urigen, archaisch anmutenden Kultstätte ist ein Muss für jeden, der den typischen Charme der noch lebendigen kretischen Kultur einmal in seiner ursprünglichsten Form erlebt haben will.

Radio Kreta – immer gute Ausflugtipps!


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