Rakadiko

Das Kafeníon und die Gleichberechtigung.

„Kann sich eine Griechin vollkommen frei bewegen?

Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ja. Versagt ist ihr, wie allen Frauen der Welt, die Mönchsrepublik Athos. Damit kann sie leben.

Versagt ist ihr auch das typische Kafeníon, also das traditionelle griechische Kaffeehaus. Ein Kafeníon in seiner Winterversion ist der Inbegriff der Ungemütlichkeit: Neonröhren, viereckige, meist mit blechernen Tischplatten versehene Tische und die unbequemsten Stühle der Welt. Kein vernünftiger Mensch – sprich Frau – möchte sich dort ohne zwingenden Grund länger aufhalten.

Der Altersdurchschnitt der Gäste liegt bei 75 Jahren. Hier wird in erster Linie diskutiert. Die Verfasserin ist aus den oben angeführten Gründen nicht in der Lage, etwas über den Inhalt dieser Gespräche mitzuteilen, ihre Erkundigungen ergaben aber, dass es sich um so geistreiche und spannende Themen wie die letzten Todesfälle, Traktorreparaturen und Medikamentenpreise handelt. Oft wird auch Tavli – eine der vielen Versionen des Backgammon – gespielt: man(n) trinkt türkischen Kaffe oder Raki.

Betritt eine Frau nun aus irgendeinem unvermeidlichen Grund eine solche männliche Enklave, etwa um zu telefonieren, verstummt sofort jedes Gespräch, die Augen aller heften sich auf die Tempelschänderin und sie wird nach erledigter Mission fluchtartig den Raum verlassen. Das Kafeníon sei den Männern also neidlos vergönnt.“

Auszug aus dem wunderbaren Buch „Chaos ist ein griechisches Wort“ von Melitta Kessaris – wir werden an gegebener Stelle noch weiteres von ihr zitieren und weiterempfehlen! Herzlichen Dank der Autorin und ihrem Verleger Rolf Thum vom Larimar Verlag!

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Ein Kommentar

  1. Kalhmera!
    Für „uns“ als Touristen scheint das oft unverständlich, aber die griech. Frauen würden die Männer doch nicht rausschmeissen, um ungestört kochen oder tratschen zu können,um ihnen dann ins Kanfeneion zu folgen. Nach Hause zitieren kann man sie ja heute schon alle per Handy…“Essen ist fertig…pou eisai?“
    Aber es stimmt schon. Als Touristin wird man schon schief angeschaut,wenn man in der kalten Jahreszeit Zuflucht im Inneren des Heiligtums Zuflucht vor Wind und Wetter sucht. Hatte selbst aber in Pale noch nie Probleme damit, meist hab ich mich mit Freunden dort zum Tratschen oder Tavlispielen getroffen.Aber wenn man schön freundlich grüßt,wird man huldvoll zurückgegrüßt, und auch die Unterhaltung geht weiter…wir verstehen eh das meiste nicht wirklich.Ab und zu geht mal eine Runde Raki über den Tresen…und das für alle…und das ist dann wirklich immer sehr nett und kann zu einem feuchtfröhlichen Abend ausarten. Aber Pale ist ja sowieso anders,dort kennt man fast jeden und fühlt sich nicht wirklich fremd. Schön ist das!

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